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  1. <?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1" ?><rss version="2.0" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"><channel><title>Heavyhardes.de - Live-Berichte für Bayern und den Rest der Welt</title><link>http://www.heavyhardes.de</link><description>Heavyhardes.de - Metal News, Reviews, Interviews, Live-Berichte und Videos</description><language>de-de</language><copyright>Heavyhardes.de</copyright><pubDate>Sat, 25 Feb 2017 01:00:06 +0100</pubDate><image><url>http://www.heavyhardes.de/logo/HH_Krebs.gif</url><title>Heavyhardes.de - Live-Berichte für Bayern und den Rest der Welt</title><link>http://www.heavyhardes.de</link></image><atom:link href="http://www.heavyhardes.de/feeds/rss/heavyhardes_live_rss.xml" rel="self" type="application/rss+xml" /><item>
  2. <title>Iced Earth, Ensiferum, Kataklysm &amp; Unearth</title><description><![CDATA[<p>In den seligen 80ern gab es f&uuml;r die wenigen Gl&uuml;cklichen, die Satellitenempfang hatten (den sich manch einer ja eigens wegen Boris Beckers Auftritten in diesen Kan&auml;len besorgte), eine h&uuml;bsche Spartensendung: denn da flimmerte ab 1987 im damals noch relevanten Kanal MTV h&ouml;chst erfolgreiche der Headbangers Ball &uuml;ber die Mattscheibe, wo zu nachtschlafender Zeit die harte Gangart mit Videos, Interviews und Specials zu ihrem fernsehmedialen Recht kam. Klug eigentlich, diesen auch heute noch klingenden Markennamen auch f&uuml;r eine Gastspielreise zu verwenden, die es in sich hatte - in Besetzung und Spa&szlig;faktor gleicherma&szlig;en.  </p>
  3. <p>Denn die offiziell so genannte MTV's Headbangers Ball Tournee, die im November und Dezember durchs insgesamt zw&ouml;lf Ansetzungen in Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz rollte, brachte ganz bewusst verschiedenste Stilrichtungen unter einen Hut, so wie das TV-Vorbild dies ebenso hielt. Von Metalcore &uuml;ber Death bis hin zu klassischem Stoff war f&uuml;r alle Schlachtenbummler etwas am Start, alte Haudegen und Newcomer baten in Eintracht zum Tanztee - und die Frage war eigentlich nur: wie passt das zusammen? Nehmen wir es vorweg: ganz famos!</p>
  4. <p>Nachdem die Chose schon am sp&auml;ten Nachmittag losdonnerte, geben wir f&uuml;r den Auftakt ab an Fr&uuml;hkorrespondent Ray, der von Anfang an vor Ort weilte: Den Einstieg in die musikalische Vielfalt des Abends erledigen die aus Boston stammenden <span class="strong">Unearth</span>. Zu diesem Zeitpunkt ist das Backstage-Werk zwar schon ordentlich gef&uuml;llt, zwischen den Reihen sind jedoch noch deutliche L&uuml;cken auszumachen. Ganz im Gegensatz zur B&uuml;hne, auf der bereits drei (!!!) Drumsets platziert sind, die somit den Bewegungsradius doch arg einschr&auml;nken. Der Metalcore der Jungs sorgt schon bald f&uuml;r reichlich gesch&uuml;tteltes Haupthaar und l&auml;uft gut rein. Etwas &uuml;bermotiviert davon, fordert S&auml;nger Trevor dann auch bald einen Circlepit, ein Aufruf, der jedoch konsequent ignoriert wird. Erst mit zunehmender Spieldauer kommt auch zumindest kurzzeitig etwas Bewegung vor der B&uuml;hne auf. Die Band liefert auf jeden Fall einen tighten Set ab und d&uuml;rfte sich somit auch den einen oder anderen zus&auml;tzlichen Fan erspielt haben.</p>
  5. <p>Das mit den lichten Reihen hat sich dann aber sp&auml;testens bei <span class="strong">Kataklysm</span> vollst&auml;ndig erledigt. Die melodischen Deather aus Kanada erweisen sich als echter Publikumsmagnet und sorgen daf&uuml;r, dass das weite Rund so prall gef&uuml;llt ist, dass man sich in einer Sardinenb&uuml;chse w&auml;hnt. Mit einer einfachen, aber effektiven B&uuml;hnenausstattung (drei Podeste vorne, eine kleine Lightshow im Hintergrund) m&auml;hen die Jungs um Shouter Maurizio Iacono mit m&auml;chtig dr&uuml;ckendem Sound und brachialer Urgewalt alles nieder. Nicht wenige der angereisten Sympathisanten (in erster Linie junge Leute, darunter diverse holde Damen) quittieren das Geschehen mit Circle Pits, was Maurizio mit "I like what happens in the middle here!" honoriert.<br />
  6. Songs wie "As I Slither" oder "Take The World By Storm" beweisen dabei, warum <span class="strong">Kataklysm</span> zu Recht neben Amon Amarth und Arch Enemy als Aush&auml;ngeschilder des komplexen, anspruchsvollen Death Metal z&auml;hlen: zu den aggressiven, charakteristischen Drum-Blastbeats gesellen sich epische, ausgefeilte Melodie-Parts, die sich weit &uuml;ber blo&szlig;e Gewaltattacken erheben und auch feinere Geister ansprechen. Herr Iacono schnappt sich nun zu "At The Edge Of The World" einen crowdsurfenden Fan, der auf der B&uuml;hne mitmischen darf, w&auml;hrend Innenausstatter Sebbes die Auslastung der Halle kommentiert: "Das Backstage ist zu klein!" Meister Maurizio berichtet uns nun gut gelaunt, warum er gerade im Dezember so gerne in Deutschland ist: "I discovered gluhwein! Please keep your traditions!" Zu  "Blood In Heaven" scheinen sich manche im Pit zur Demontage der Halle anzuschicken, und auch bei "Serpent's Tongue" geht der wilde Tanz munter weiter, bevor sich die Herren dann vor einer vollkommen aus dem H&auml;uschen geratenen Menge verabschieden. Bemerkenswert, welche Reaktionen eine Kombo so fr&uuml;h im Billing ausl&ouml;sen kann.</p>
  7. <p>So richtig leer wird es auch jetzt nicht, ein kleiner Publikumswechsel findet statt, aber die gro&szlig;e Rotation ist das nicht, die wir hier konstatieren - offenbar gibt es doch eine gewisse Schnittmenge zum jetzt anstehenden Weihnachtsfest der Volksmusik. Mit einem massiven Backdrop und einer gewaltigen Schie&szlig;bude r&uuml;cken die Finnen von <span class="strong">Ensiferum</span> an, und technische Probleme mit der Beleuchtung werden von einem launigen Herrn in Rentier-Pullover und Pudelm&uuml;tze fachm&auml;nnischen behoben (es ist ja auch so kalt in der Halle). Nach dem Intro "By The Dividing Stream", das direkt einem Conan-Film entsprungen scheint, st&uuml;rmt die bunte Horde auf die Bretter und legt mit "From Afar" gleich furios los. Der Viking-Death mit Folk-Einsprengseln z&uuml;ndet das Feuer unter dem Kochtopf sofort wieder an - mittlerweile auf der anderen Seite der B&uuml;hne angekommen, bestaunen wir die massiven Wellen, die durch die Schar der Kopfsch&uuml;ttler gehen. Frontmann Petri Lindroos kreischt und grunzt, dass eine Art hat, Bandgr&uuml;nder Markus Toivonen greift beherzt in die Saiten, und vor allem Basser Sami Hinkka macht in Rock (ja) und schweren Stiefeln eine formidable Figur. Durchg&auml;ngig in Kriegsbemalung legen sich die Herrschaften ordentlich ins Zeug, wobei die Mischung aus brachialer Pr&auml;zision und episch-hymnischen Momenten fasziniert. Wunderbar ins Klang- und Erscheinungsbild passt auch die schmucke Netta Skog, die seit diesem Jahr bei den w&uuml;sten Gesellen das Akkordeon schwingt und immer wieder zauberhafte Soundteppiche und folkige Melodiel&auml;ufe beitr&auml;gt. St&uuml;cke wie "Warrior Without A War" oder "In My Sword I Trust" sorgen f&uuml;r massive Mitsing- und Tanzattacken, die ebenholzfarbenbehaarte Tastenspielerin begeistert ein ums andere Mal, w&auml;hrend die Herren Lindroos und Toivonen flirrende Soli aufs Griffbrett werfen. Zu "Two Of Spades" erleben wir dann eine heftige Folk-Humppa-Attacke, zu der uns Sami den Bassteufel macht, der sich gewaschen hat. "Die haben alle total kaputte Schuhe an! Und viel zu gro&szlig;!", berichtet Orthop&auml;de Sebbes bei seiner R&uuml;ckkehr aus dem Fotograben, w&auml;hrend sich im Pit mittlerweile wieder tumulthafte Zust&auml;nde bieten. Zur wunderbaren Hymne "Twilight Tavern" wirft sich Herr Toivonen selbst ans Mikro und rezitiert finnische Zeilen, bevor dann eine atmosph&auml;rische Melodie durch Frau Skog einsetzt. Wie im Rausch rast das Set vor&uuml;ber, bis dann nach "Lai Hai Hai" endg&uuml;ltig Schicht im Schacht ist. Begeisterung allenthalben - wie das der Headliner noch toppen soll, scheint fraglich.</p>
  8. <p>Jetzt setzt dann allerdings doch ein sp&uuml;rbarer Wechsel im Publikum ein, der Altersschnitt steigt um gef&uuml;hlte 15 Jahre, klassische Kutten dominieren das Feld, und ein lustiger Mensch in Amerika-Jacke, Kopftuch und dunkler Sonnenbrille tritt das Erbe des uns ja bestens bekannten M&ouml;tley Cr&uuml;e an. Nach wie vor sehr ordentlich im Zeitplan (Fahrplanw&auml;chter Ray informiert uns, dass hier um 23 Uhr Schluss sein muss, da danach die &uuml;bliche Freak Out-Party l&auml;uft), entern jetzt die Veteranen von <span class="strong">Iced Earth</span> die Bretter. Besser gesagt eigentlich nur einer - denn neben Bandgr&uuml;nder und Cheffe Jon Schaffer ist von der Formation, die diverse Klassiker des US-Metal ablieferte, niemand mehr mit an Bord. Mit "The Great Heathen Army" steigen die Herrschaften gleich mit einem Song mit kommenden Album Incorruptible ein, das alle typischen <span class="strong">Iced Earth</span>-Trademarks aufweist: heftiges, messerscharfes Riffing, stampfende Rhythmen und epische Refrains.<br />
  9. Herr Schaffer selbst macht eine gute Figur, hat seine fr&uuml;her schon mal schlohwei&szlig;en Haare nebst Bart schwarz gef&auml;rbt, tr&auml;gt dazu Kopftuch und eine ebenso schwarze Lederweste mit <span class="strong">Iced Earth</span>-Patch und dr&auml;ut finster ins Publikum, wie man das gewohnt ist. Shouter Stu Block macht uns wie gewohnt eine junge Ausgabe von Matt Barlow, bringt die herausfordernden Gesangspassagen durchaus ordentlich und informiert uns jetzt, dass wir heute Abend eine "sold out crowd" seien - das war uns noch gar nicht aufgefallen. Im Pit geht nach kurzer Zeit das fr&ouml;hliche Gerammel (Wut? - Kara) weiter, und sogar einige Protagonisten aus dem <span class="strong">Kataklysm</span>-Fanlager beteiligen sich mit Schmackes. Nach dem m&auml;chtigen "Plagues Of Babylon" sorgt dann der Titeltrack vom Dystopia-Album f&uuml;r allgemeines Entz&uuml;cken, die Siegeshymne "V" wird frenetisch abgefeiert (inklusive dem Zeichen, f&uuml;r das doch eigentlich Winston Churchill das copyright haben sollte), bevor dann "My Own Savior" schnell und hart daherbrettert. In Sachen Stageacting hat sich Herr Block doch etliches beim guten Bruce Dickinson abgeschaut - er animiert die Menge gekonnt zum Mitmachen, was vor allem bei "The Hunter" (auch bekannt als "der Honda") besonders gut gelingt. Stu legt gro&szlig;en Wert darauf, dass er nur "smiling faces" sehen will - nun, da ist er hier ja genau richtig, denn das nun folgende "Boiling Point" zaubert mit Stampfrhythmus und charakteristischem Stakkato durchaus frohgemute Stimmung in die Bude.</p>
  10. <p>So ganz kann man sich zwar nie des Eindrucks erwehren, dass hier eine Kombo von Auftragsmusikern professionell ihren Dienst versieht, aber der Atmosph&auml;re tut das keinen gro&szlig;en Abbruch - auch wenn Chef im Ring Schaffer wie gewohnt auch heute keinen Ton zu uns sagt. Nach dem coolen "Pure Evil" setzt dann die Halbballade "Watching Over Me" H&ouml;he- und Schlusspunkt: diese Elegie auf Schaffers Jugendfreund Bill Blackmon brilliert wie stets und liefert nach meinem Daf&uuml;rhalten das beste Eiserden-St&uuml;ck des Abends. Schlag 23 Uhr ist tats&auml;chlich Schluss mit der Sause - manche Leute haben eben doch den &Uuml;berblick &uuml;ber M&uuml;nchens Party-Kalender. Wir verabschieden uns einstweilen und erlauben uns an dieser Stelle, eine schwermetallische, malt-begleitete und vor allem &auml;u&szlig;erst k&uuml;hle Weihnacht zu w&uuml;nschen!</p>
  11. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.</p>
  12. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  13. <link>http://www.heavyhardes.de/live-664.html</link>
  14. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-664.html</guid>
  15. </item><item>
  16. <title>Black Sabbath &amp; Rival Sons</title><description><![CDATA[<p>Legenden sollte man &uuml;blicherweise ja besser nicht treffen, zu oft vertragen sich dann Wunschbild und Realit&auml;t nicht. Aber r&uuml;hmliche Ausnahmen gibt es immer wieder, zumal sich an diesem kalten Januarabend eine wahrlich einmalige Chance bot. Niemand anders als die Erfinder des Heavy Metal gaben sich die Ehre. Ein letztes Mal. Und das ging nicht ohne uns. </p>
  17. <p>The End. Unter diesem vielsagenden Motto durchqueren John Osbourne, Tony Iommi und Geezer Butler (Original-Drummer Bill Ward mag oder kann nicht mehr, je nach Quelle, die man studiert) derzeit die B&uuml;hnen der Welt. Im Gegensatz zu vielen Kollegen darf man hier davon ausgehen, dass es dabei auch bleibt. Nach dem monumentalen, in dieser Form niemals mehr zu erwartenden Meisterst&uuml;ck "13", das sie auf einer umjubelten Gastspielreise auch bei uns live wunderhaftiglich darboten (<a href="http://www.heavyhardes.de/live-616.html">wir berichteten</a>), drehen die Herrschaften, die 1970 mit ihrem selbstbetitelten Debut im Handstreich ein ganzes Musikgenre schufen, noch eine Ehrenrunde, die mit zwei Ansetzungen in ihrer Heimat Birmingham am zweiten und vierten Februar ihren finalen Abschluss finden wird. Relativ &uuml;berraschend kam dabei auch eine letzte Station in Deutschland ins Spiel, und daf&uuml;r nehmen wir sogar die doch ein wenig weitere Anreise nach K&ouml;ln gerne auf uns.     </p>
  18. <p>Nachdem wir den Austragungsort (die Lanxess-Arena, die &uuml;blicherweise Eishockjai-Matches beherbergt und somit im engeren Wortsinne ein weites Rund bietet) im eisigen Wind einige Male umrundet haben und dennoch kein einziges Plakat zur heutigen Veranstaltung notieren k&ouml;nnen (daf&uuml;r aber jede Menge Reklame f&uuml;r kommende Auff&uuml;hrungen deutschen Schlager-Grausen und Vertreter der definitiv nicht lustigen Schenkelklopf-Fraktion sowie einen WDR-Tross, der selbstverst&auml;ndlich vollkommen spontan jubelnde Schlachtbummler filmt), betrachten wir am Merchandise-Stand die feilgebotenen Souvenirs: neben den obligatorischen Leibchen gibt es auch eine eigens f&uuml;r die Tour aufgelegte (wahlweise auch signierte) CD mit neun unver&ouml;ffentlichten Tracks, die den preislichen Rahmen dann doch etwas sprengt. So wandern wir denn also hinein, postieren uns direkt hinter der auch hier leider im Einsatz befindlichen Front Of Stage-Absperrung (die Unterteilung in erste und zweite Klasse mutet gerade bei dieser in fr&uuml;hen Tagen durchaus anarchischen Band nachgerade absurd an, aber von den "Golden VIP"-Paketen, die auch zu haben sind, wollen wir da gar nicht reden) und harren der Dinge, die da kommen werden.</p>
  19. <p>W&auml;hrend sich die R&auml;nge anfangs noch etwas m&uuml;hselig f&uuml;llen, entern eben diese Dinge um Punkt acht Uhr in Form der <span class="strong">Rival Sons</span> die zwar gro&szlig;e, aber spartanisch gestaltete B&uuml;hne. Die f&uuml;nf Kalifornier um Fronter Jay Buchanan zelebrieren einen erdigen Retro-Hard Rock, der durchaus zur kommenden Attraktion passt und somit durchaus goutiert wird. Ausger&uuml;stet mit Vintage-Arbeitsger&auml;ten (u.a. wummernde Hammond-Orgel und die obligatorischen Orange-Verst&auml;rker), Glitzerjacken und geflochtenem Rauschebart feuern die S&ouml;hne ihre St&uuml;cke wie "Secret" und "Electric Man" in die Menge. Neben einer durchaus beachtlichen Sangesleistung bedankt sich Herr Buchanan, der uns teilweise einen sehr jungen Joe Cocker macht, mehrfach beim Publikum und den Gastgebern - das wirkt doch durchaus sympathisch. Nach guten 40 Minuten setzt ein feines "Keep On Swinging" den Schlusspunkt unter eine mehr als nur ordentliche Leistung. Fein!</p>
  20. <p>Die Pause nutzen wir zum Rundblick und stellen fest, dass wir hier ein durchaus eigenes Klientel um uns haben: neben den zu erwartenden &auml;lteren Semestern finden sich auch zahlreiche Jungspunde, darunter nicht wenige Kuttentr&auml;ger, die ihre Joppen best&uuml;ckt haben wie 1985 - irgendwie haben es die Altmeister geschafft, auch die zu begeistern, die das Material doch bestenfalls aus Mutterns Plattenschrank kennen d&uuml;rften. Sei's drum, everybody's welcome - mit Ausnahme der drei Vollpfosten neben uns, die die konsumierten Getr&auml;nke offenbar nicht ganz vertragen und meinen, sich ein wenig daneben benehmen zu m&uuml;ssen. Aber nachdem der R&auml;delsf&uuml;hrer der drei sinnfreien Gestalten die Sache mit der Absperrung nicht ganz durchschaut (die ist nicht zum Dr&uuml;berkrabbeln gedacht), werden die nutzlosen Figuren von den eindrucksvollen Gentlemen, die offenbar alle auf den Namen "Steward" h&ouml;ren, entsorgt. Und das ist auch gut so. </p>
  21. <p>Als dann insgesamt sechs wagemutige Techniker das Beleuchtungsger&uuml;st erklimmen, bringen wir uns endg&uuml;ltig in Stellung. Licht aus, Filmleinwand an: da verfolgen wir ein animiertes Endzeit-Szenario, in dem der Leibhaftige ordentlich austeilt, bevor dann das unheilsdr&auml;uende Gewitter-Intro losl&auml;uft. Die Kirchenglocke bimmelt fahl und d&uuml;nn, dann setzt es einen Donnerschlag, und der Vorhang f&auml;llt zu dem Riff, mit dem 1970 das wahrhaft schwere Metall geboren wurde: das epochemachende, Band und Debut gleicherma&szlig;en betitelnde "<span class="strong">Black Sabbath</span>" bricht &uuml;ber uns herein. Der Sound ist von Anfang an blitzsauber, dr&uuml;ckend, von uns aus gesehen rechts auf der B&uuml;hne zelebriert Tony Iommi (wie stets im eleganten Frack und Sonnenbrille) den schleppenden, tonnenschweren Halbtonschritt, der auf seiner tiefer gestimmten Gitarre seinerzeit das Establishment verschreckte. Geezer Butler links von uns macht den gewohnt souver&auml;nen Eindruck mit seinem Bass, auf dessen Griffbrett deutlich die "13" zu lesen steht, und Schlagzeuger Tommy Clufetos f&uuml;hrt das vor, was wir auch schon auf der letzten Tour bestaunen durften: der Herr verdrischt die Felle bei jedem Takt, als ob es kein Morgen g&auml;be, entfaltet dadurch den immensen Druck, den Iommis Zentnerriffs brauchen, um richtig in die Magengrube zu fahren, und scheint auch optisch direkt den 70ern entsprungen. So, und nachdem die ersten Momente &uuml;ber uns hinweggefegt sind, kommt die bange Frage: kann er's? wei&szlig; er, wo er gerade ist? Einmal mehr zeigt der schlaksige Typ in der Mitte, der der breiteren Gesellschaft als der lustige Alte aus dem Fernsehen bekannt ist, warum er immer noch da oben steht: genauso glasklar wie der Rest des Sounds jammert der gute John seinen Text ins Mikro, auf den Punkt, verst&ouml;rend und sirenenhaft wie eh und je. Im Glitzerhemd macht er uns zwar nicht den Sprungteufel, aber er liefert eine astreine Leistung ab, die einfach zu dem Material geh&ouml;rt. "Hello, how you're doing?", begr&uuml;&szlig;t er uns wortreich, und ohne viel Federlesens geht es weiter mit "Fairies Wear Boots". </p>
  22. <p>Auch die St&uuml;cke, die auf Konserve f&uuml;r heutige Ohren etwas entlegen und ihrer Zeit entsprechend klingen, erstrahlen heute Abend modern wie eh und je. Auf der B&uuml;hne selbst verzichtet man auf jeden Schnickschnack, das Schlagzeug thront etwas erh&ouml;ht in der Mitte, w&auml;hrend das Geschehen von einer m&auml;chtigen Leinwand auch in den letzten Winkel der mittlerweile doch sehr gut gef&uuml;llten Arena (die Gazetten sprechen anschlie&szlig;end von 15.000 Besuchern) &uuml;bertragen wird. So sehen wir jede Grimasse von Ozzy, der im Watschelgang &uuml;ber die B&uuml;hne kraucht, uns mit lustigem Seniorklatschen unterh&auml;lt und immer wieder "Kuckuck" in die Menge ruft (wahrscheinlich hat Sharon einen Deal mit einem Uhrenhersteller aus dem Schwarzwald, der eine Ozzclock lizenziert) - bevor er sich dann wieder am Mikrost&auml;nder festh&auml;lt, die M&auml;hne sch&uuml;ttelt und seinen genialen Beitrag liefert. Mit "Under The Sun" geht es dann weiter im Text, nachdem Ozzy uns das etatm&auml;&szlig;ige "Are you having a good time? I can't fucking \x82ear ya!" um die Ohren gehauen hat. Auf den Gro&szlig;leinw&auml;nden l&auml;sst sich famos verfolgen, wie filigran Meister Iommi mit seinen wie immer durch Gummimanschetten gesch&uuml;tzten (weil verletzten) Fingerkuppen die Saiten bedient und wie melodisch Geezer Butler den Tieft&ouml;ner zupft. "After Forever" und "Into The Void" werden durch psychedelisch verfremdete Filmschnipsel begleitet, und das folgende "Snowblind" k&uuml;ndigt Ozzy wahrheitsgem&auml;&szlig; an: "This one is about cocaine. We don't do that shit anymore". </p>
  23. <p>Was sie immer noch tun ist diese Nummer herausragend darzubieten, mit einem atmosph&auml;rischen Solo, das die Meisterschaft des Saitenhexers Iommi illustriert. Ganz gro&szlig;! Mr Osbourne applaudiert sich wie ein asiatischer Politiker nach jedem St&uuml;ck selbst, watschelt weiter &uuml;ber die B&uuml;hne und stellt uns nun seine Mitstreiter vor, als ob das noch f&uuml;r irgendjemand der hier versammelten Anh&auml;nger erforderlich w&auml;re "It's time for War Pigs", stellt er nun fest, und diese Antikriegshymne mit ihrem anfangs vertrackten Rhythmus, der dann einer Dampfwalze Platz macht, ger&auml;t zu einem wahren Triumphzug, bei dem vor allem Geezer Butler f&uuml;r offene Kinnladen sorgt und die Meute frenetisch mitsingt. "Behind The Walls Of Sleep" kommt dann etwas verhaltener, aber nach einer kleinen Solo-Einlage von Herrn Butler lauert dann einer der H&ouml;hepunkte des Abends: das heavy schwingende "NIB" erzeugt G&auml;nsehaut allenthalben und entfaltet eine Magie, wie sie nur diese Meister der schwarzen K&uuml;nste zu erzeugen in der Lage sind. Das ist gro&szlig;, das setzt Ma&szlig;st&auml;be, darauf baut ihr verdienter Ruf auf. Genial. </p>
  24. <p>Nach "Hand Of Doom" verschwindet Ozzy mit einem lakonischen "we'll take a short break" von der B&uuml;hne, und nach einem kurzen Anrei&szlig;en des einzig heute fehlenden Juwels "Sabbath Bloody Sabbath" folgen ihm seine Altersgenossen, w&auml;hrend Drumtier Clufeto eine Soloeinlage abliefert. Die ist zwar ungemein kraftvoll und dynamisch (ein Wunder, dass die Schie&szlig;bude dabei in einem St&uuml;ck bleibt), aber dient doch deutlich sichtbar der Erholung der baldigen Ruhest&auml;ndler. Die sei ihnen auch geg&ouml;nnt, denn nun erscheinen sie wieder und donnern nach einem Drumintro eines der wohl bekanntesten Riffs aller Zeiten und Welten heraus: der "Iron Man" walzt alles nieder und beweist einmal mehr, warum dieser Klassiker zig Jahre sp&auml;ter die Untermalung zum unfassbaren Filmtrailer f&uuml;r den gleichnamigen Marvel-Helden abgab - und warum Robert Downey jr. einen massiven Berechtigungsschein f&uuml;r das filmischen Tragen des Sabbath-T-Shirts erworben haben muss. Nach dem eher psychedelischen "Dirty Women" setzt dann das finstere "Children Of The Grave" einen ersten Schlusspunkt - und die um uns versammelten j&uuml;ngeren Schlachtenbummler ticken dazu nach allen Regeln aus und veranstalten einen kleinen Moshpit. Zu einem Song, der mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat. Roggenroll. Dann bedanken sie sich artig, man verschwindet, aber aus dem Off ruft uns Ozzy zu: "If you want, we will play one more song!". Genau einen einzigen spielen sie dann auch noch, nat&uuml;rlich die Nummer, die ihr erster richtiger Hit war und der bis heute in unz&auml;hligen Mutationen &uuml;berlebt hat, obwohl er doch eigentlich recht simpel ist und aus der Not heraus noch schnell aufs Album kam: ein donnerndes "Paranoid" setzt (inklusive dem einzigen Textaussetzer, den sich Ozzy heute leistet und gleich selbst deutlich humorvoll quittiert) einen kr&ouml;nenden Abschluss unter die Live-Karriere von <span class="strong">Black Sabbath</span> auf deutschem Boden, die in den sp&auml;ten 60ern mit regelm&auml;&szlig;igen Auftritten im Hamburger Starclub (noch unter der Flagge "Earth") ihren Anfang nahm. "The End", so weht uns jetzt das Backdrop entgegen, vor dem sich Tony Iommi, Geezer Butler, John Osbourne und ihr Schlagwerker von uns verabschieden. Wir stehen noch ein bisschen da, schauen zu und schwelgen in der Erkenntnis: das war episch. Es war das Ende. Und wir waren dabei.</p>
  25. <p><span class="em">Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.</span></p>
  26. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  27. <link>http://www.heavyhardes.de/live-665.html</link>
  28. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-665.html</guid>
  29. </item><item>
  30. <title>Delain, Evergrey &amp; Kobra And The Lotus</title><description><![CDATA[<p>&Uuml;blicherweise haben female fronted symphonic Metal bands und Dosenmilch ja nicht viel gemeinsam. Aber im Falle von <span class="strong">Delain</span> gilt das Motto, das jeder kennt, der seine formativen Jahre in den 70ern verbracht hat: Tr&ouml;pfchen f&uuml;r Tr&ouml;pfchen Qualit&auml;t (oder dr&ouml;ble for dr&ouml;ble qualidaid, wie das launig vorgetragen wurde), so warb man f&uuml;r Kondensmilch aus Holland. Das gilt neben der Herkunft aus den Niederlanden auch f&uuml;r diese Kombo: Album f&uuml;r Album, Tournee f&uuml;r Tournee haben sich <span class="strong">Delain</span> vom Geheimtipp als Within Temptation-Ableger hin zur festen Genregr&ouml;&szlig;e entwickelt. Somit war es schlichtweg alternativlos, die M&uuml;nchner Ansetzung der "Moonbathers"-Gastspielreise zu verfolgen - zumal illustre G&auml;ste im Tross mitreisten.</p>
  31. <p>Die sind schon ordentlich zu Werke, als wir das beachtliche gef&uuml;llte Rund (naja rund ist es nicht, ok) des Backstage-Werks betreten: <span class="strong">Kobra And The Lotus</span> aus Calgary, Canada, feuern da ihren sehr klassischen Heavy Metal unters Volk. Der Lotus gibt ziemlich Gas, aber den Blickfang gibt dabei nat&uuml;rlich Fronterin Kobra Page ab, die nicht nur mit ihrer klassisch geschulten Stimme gl&auml;nzt, sondern auch durch das golden glitzernde Barbarella-Oberteil, entsprechende Handschuhe und optional sogar eine entsprechend abgestimmte Kapit&auml;nsm&uuml;tze. Das setzt den Farbton f&uuml;r den Abend, aber auch musikalisch fahren die Nummer wie die aktuelle Single "Trigger Pulse" oder "50 Shades Of Evil" ordentlich ins Beinkleid. Irgendwie endet die Sause dann aber sehr unvermittelt, mehr als f&uuml;nf Songs gesteht man ihnen leider nicht zu - wir schauen ein wenig verdutzt, aber sei's drum. Ordentlich als Auftakt, "wie Doro, als die noch jung war!", rufen wir aus.</p>
  32. <p>Ganz hibbelig im Vorfeld waren ja einzelne Vertreter unserer Besuchergruppe darauf, endlich den guten Tom Englund mit seinen <span class="strong">Evergrey</span> wieder erleben zu d&uuml;rfen - immerhin schaffte man es schon einmal auf ein Foto mit dem Kollegen. Die Vorfreude war in der Tat keinesfalls &uuml;berzogen, denn Onkel Tom und seine Freunde zaubern in der Folge einen bet&ouml;renden, melodischen, atmosph&auml;rischen Klangteppich, dass es eine h&ouml;chst kultivierte Art hat. Dabei verbinden sich wie stets proggige Anfl&uuml;ge mit symphonischen Elementen und traditioneller Metal-Melodief&uuml;hrung zu einer ganz eigenen Melange, die wir allesamt herausragend finden. Gesanglich zweifelsohne auf der H&ouml;he serviert der Zeremonienmeister mit coolem Stageacting Nummern wie "The Fire" oder "Leave It Behind Us", bevor er uns dann beim aktuellen "In Orbit" selbst die Floor macht - denn Frau Jansen, aber das wissen wir doch l&auml;ngst, "is having a baby" und kann ihre Parts in dem Song daher nicht pers&ouml;nlich absolvieren. Einstweilen eilt ein verz&uuml;ckter Sebbo vom Fotografieren herbei, konstatiert (nach der &uuml;blichen "das ist nur rotes Licht, da kann man keine Bilder machen"-Rede, die wir nur noch zur Kenntnis nehmen) "das ist die meist verkannte geniale Band &uuml;berhaupt!" - was wir nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern vehement unterst&uuml;tzen m&uuml;ssen. Nach einem wunderbaren "Touch Of Blessing" vom Album "The Inner Circle" kredenzen sie uns dann noch "King Of Errors", was uns an die besten Queensryche-Momente erinnert, bevor Tom uns quasi schwebend entl&auml;sst. Wunderhaftig!    </p>
  33. <p>W&auml;hrend die Zuschauerzahl wie auch die Mann-/Fraust&auml;rke unserer Besuchertruppe stetig zunimmt, richtet man auf den Brettern nun alles f&uuml;r die Hauptattraktion des Abends her - als wir sie letztes Mal besuchten, gastierten <span class="strong">Delain</span> noch in der kleineren Halle nebenan, mittlerweile f&uuml;llen sie das Werk sowohl in Sachen B&uuml;hnenausstattung als auch Schlachtenbummler mehr als w&uuml;rdig aus. Nach einem kurzen Intro mit dem Instrumental "The Monarch" brettern die Herrschaften dann mit "Hands Of Flame" massiv los - der Opener vom aktuellen Album Moonbathers kracht mit voller orchestraler Wucht ins Kontor. Keyboarder und Bandgr&uuml;nder Martijn Westerholt pr&auml;sidiert wie stets im Hintergrund &uuml;ber das Geschehen, die Instrumentalfraktion mit dem grimmen Timo Somers und der mittlerweile fest engagierten zierlichen Merel Bechtold (goldene Jacke, gem&auml;&szlig; dem Leitmotiv) steht wie eine Eins - aber machen wir uns da mal gar nichts vor, alle Augen sind nat&uuml;rlich auf Charlotte Wessels gerichtet, die den leuchtenden Mikrost&auml;nder schwingt und uns durch eine gesanglich erneut herausragende Leistung verz&uuml;ckt. Es nutzt ja nichts, auch ihre holde Erscheinung mit roten Haarstr&auml;hnen, schwarzen Stiefeln und - Kleidungsmotto des Abends wird vollendet - g&uuml;ldenem Pailletten-Kleidchen tut der Sache nat&uuml;rlich keinen Abbruch. Die Grunzdienste, die auf Konserve der Arch Enemy-Frontrottweiler Alissa White-Gluz &uuml;bernimmt, versieht livehaftig Basser Otto Schimmelpenninck van der Oije (bei so einer Namenskolonne scheint Grunzen auch die einzige Chance) aus voller Brust - das r&ouml;hrt wunderbar und passt bestens. Weiter im Text sofort mit "Suckerpunch", das auf dem Appetith&auml;ppchen "Lunar Prelude" schon zu h&ouml;ren war und auch heute Abend massiv hereindr&uuml;ckt. Alle Protagonisten haben dabei sichtlich Spa&szlig; an der Sache, Merel fegt auf ihren flachen Schuhen durchs Geschehen, w&auml;hrend Charlotte ihre mittlerweile &uuml;berragende B&uuml;hnenpr&auml;senz voll ausspielt und die Menge m&uuml;helos zum massiven Mitsingen animiert (vier Ms! Wenn das kein ordentlicher Stabreim ist!). </p>
  34. <p>Jetzt begr&uuml;&szlig;t uns Charlotte h&ouml;flich in unserer Landessprache: "Es ist sch&ouml;n, dass Sie alle hier sind!" (was uns nat&uuml;rlich sofort an ihre Kollegin Sharon den Adel gemahnt, die ja auch immer h&ouml;chst zivilisiert fragt "W&uuml;rden Sie bitte mitsingen?" - so etwas h&ouml;rt man bei Slayer eher selten). Das folgende "Glory And The Scum" macht die Auftakt-Trilogie von Moonbathers dann komplett: mit Vehemenz kommt das daher, m&auml;chtig &uuml;berrollt uns der Sound, &uuml;ber dem Charlottes Stimme thront (und der rote Haarrotor wirkt auch Wunder - my dear mr singing club, das macht was her!). Zur&uuml;ck in die Bandhistorie geht es dann mit dem bezaubernden "Get The Devil Out Of Me" vom We Are The Others-Album von 2012, bevor dann beim neuen "Pendulum" Herr Schimmelpfennig wieder den brunftigen Hirsch geben darf, was er erneut famos erledigt. Der aus dem Fotograben zur&uuml;ckgeeilte haute couture-Spezialist Sebbo stellt atemlos fest "Alter, die hat ja nen Ausschnitt bis zum Bauchnabel", was uns nicht weiter verst&ouml;rt, denn jetzt marschiert die "Army Of Dolls" los und macht geh&ouml;rig Laune. Das wunderbare, etwas getragenere "The Hurricane" und "April Rain" setzen den Reigen fort, der mit dem leicht schr&auml;gen, aber immer wieder brillanten "Here Come The Vultures" einen weiteren H&ouml;hepunkt erklimmt. Auch wenn es etwas unfair wirkt, dass die doch nicht kleine Charlotte ihrer Kollegin Merel immer wieder mal die Hand auf den Kopf legt - das Zusammenspiel der Kombo wirkt in keinster Weise aufgesetzt, sondern authentisch enthusiasmiert, was wir ebenso zunehmend sind. Selbst heute gastweise anwesende Schlachtenbummler, die &uuml;blicherweise keine Genrefreunde sind, konstatieren gerne, dass das hier und heute erste Qualit&auml;t ist - kein Wunder bei Nummern wie dem schnellen "Fire With Fire" oder dem quer-melodischen "Danse Macabre". Mit einem allgemeinen H&uuml;pfalarm beim Klassiker "The Gathering" und dem folgenden "Pristine" ist dann leider aber schon das Motto von Paulchen Panther gefragt - ist f&uuml;r heute wirklich Schluss? Dankenswerterweise nicht, nach einer kurzen Pause geht es mit "Mother Machine" und dem stampfenden "Don't Let Go" weiter, zu dem sich Charlotte dann vollends auf den B&uuml;hnenboden legt. Voller Einsatz, notieren wir gerne. "We Are The Others" setzt dann einen w&uuml;rdigen Schlusspunkt unter eine fulminante Leistung, die wir dann im Club noch bei der dort stattfindenden weiteren Beschallung standesgem&auml;&szlig; feiern. Wobei wir sogar Tom Englund wieder treffen, der sich bereitwillig gerne nochmals mit uns ablichten l&auml;sst. Es geht eben nichts &uuml;ber Konstanten im Leben.   </p>
  35. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">www.kuehleszeug.de</a>.<br />
  36. </p>
  37. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  38. <link>http://www.heavyhardes.de/live-660.html</link>
  39. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-660.html</guid>
  40. </item><item>
  41. <title>Lordi, Shiraz Lane &amp; Silver Dust</title><description><![CDATA[<p>Exakt zehn Jahre ist es her, da lehrte eine wahrhaft schauerlich anzusehende Truppe von Finnen der Schlagerwelt das F&uuml;rchten: <span class="strong">Lordi</span> entschieden 2006 den Grand Prix de Schangsong f&uuml;r sich und avancierten damit vom Geheimtipp zum Breitenph&auml;nomen. Beim Schlagerwettrennen haben die Herrschaften zwar nicht mehr teilgenommen - da sorgten sp&auml;ter andere Gewinner f&uuml;r den wahren Grusel, man denke nur an Frauen mit Bart - , aber ein Stelldichein der Monster verspricht immer ein effektreiches Vergn&uuml;gen, weshalb wir uns gerne aufmachen, wenn der rote Sandmann ins Backstage ruft.</p>
  42. <p>Dort gibt es zun&auml;chst etwas Verwirrung ob unserer Einlassberechtigung, aber ein freundlicher Kollege leistet Aufkl&auml;rungsarbeit, und so m&uuml;ssen wir nicht das drau&szlig;en auf Gro&szlig;leinwand laufende Pokalspiel verfolgen (h&auml;tten wir im Notfall auch gemacht), sondern betreten die Halle zu den Kl&auml;ngen von <span class="strong">Silver Dust</span>, die auf der beachtlich drapierten B&uuml;hne schon zu Werke sind. Die Schweizer um Fronter Lord Campbell kredenzen eine eigent&uuml;mliche Melange aus Gothic und Stoner Rock, w&auml;hrend Chefdesigner Sebbes feststellt, das Backdrop von Avantasia gehe wohl permanent auf Reisen, und f&uuml;r die Drums seien sogar seine pers&ouml;nlichen Initialen "SD" zum Einsatz gekommen. Bewaffnet mit durchaus aufw&auml;ndigen Leinw&auml;nden, die schaurige Filmchen einspielen, einer feschen Leuchtgitarre und vor allem dem gesamten Fundus aus Gro&szlig;mutters Kleidertruhe inklusive Hut und Kutschermantel feuern sich <span class="strong">Silver Dust</span> durchs Programm, brennen dabei ein beachtliches Feuerwerk an H&uuml;pfeinlagen, Soli und einer Mannschafts-Perkussions-Einlage ab (in your face, Stomp!) und ziehen die Menge mit ihren Nummern wie "My Heart Is My Savior" oder "So Let Me Know" zunehmend auf ihre Seite. Nach 30 Minuten ist Schluss, man trifft sich sp&auml;ter am Merchandise-Stand - alles im gr&uuml;nen Bereich.</p>
  43. <p>In der Umbaupause lassen wir den Blick schweifen, das Publikum besteht aus ungef&auml;hr 500 Schlachtenbummlern, die sich aus der Schnittmenge zwischen Dark Funeral (die spielen nebenan in der Halle) und Grand Prix zu rekrutieren scheint - und auch die holde Weiblichkeit ist in nicht geringer Zahl vertreten. Als wir uns dar&uuml;ber noch wundern, spazieren die n&auml;chsten Attraktionen auf die B&uuml;hne, die vielleicht auch f&uuml;r den Damenfaktor mit verantwortlich sind: <span class="strong">Shiraz Lane</span> sehen n&auml;mlich aus, als ob Glam-Gr&ouml;&szlig;en vom Schlage Poison und Skid Row mal schnell in eine Zeitmaschine geh&uuml;pft und sich in ihren jugendlichen Inkarnationen zu uns gesellt h&auml;tten. Die Finnen geben in engsten Hosen, zerrupfen T-Shirts, jeder Menge Halskettchen und langen M&auml;hnen den Original-LA-Sunset Strip-Look der sp&auml;ten 80er und weichen auch soundtechnisch kein Jota von dieser Blaupause ab. Die Plattensammlung ihrer Eltern haben die Jungs um Shouter Hannes Kett in jedem Falle intensiv studiert, ihr mehr als solider Feelgood-Sound kommt wie eine krachige Mischung aus Skid Row, Poison und den guten alten Gunners daher, was man live ja immer h&ouml;ren kann. In astreiner Vince Neil-Attit&uuml;de serviert Herr Kett Songs wie "Money Talks And Poor Man Walks", die Instrumentalfraktion Miki Kalske und Jani Laine zeigt sich an den Sportger&auml;ten versiert, und der Titeltrack des Albums "For Crying Out Loud" zeigt dann doch einiges an musikalischer Raffinesse, die &uuml;ber reinen Poser-Sound hinausgeht. Reife Leistung, die wir gerne goutieren, die Damenwelt ist ebenso entz&uuml;ckt, und die Kollegen von der Weinstra&szlig;e verzichten sogar auf das mittlerweile ja obligatorische Jetzt jubelt mal die ganze Menge-Selfie, das f&uuml;r die sozialen Netzwerke herhalten muss. Sind halt noch jung.</p>
  44. <p>Jetzt enth&uuml;llt man denn aber doch langsam aber sicher den B&uuml;hnenaufbau der Hauptdarsteller, was Chefdekorateur Sebbo mit "die haben aber viel Pappe aufgestellt!" bedenkt. In der Tat, irgendwie wirkt die Szenerie mit unheilsdr&auml;uenden Requisiten wie herabh&auml;ngenden B&auml;umen und Gittern, als ob Ed Wood gleich die Fortsetzung zu "Plan 9 From Outer Space" drehen wollte - aber genau diese wohligen Zitate aus B-Movies machen ja den <span class="strong">Lordi</span>-Spa&szlig; aus, der dann mit einem kompletten "God Of Thunder" aus der Kiss-Konserve seinen Anfang nimmt. Dann springt ein lustiges Wesen in Gummianzug daher, das uns informiert, bei den Masters Of The Universe w&auml;re es doch durchaus lustiger der Beast-Man zu sein und den He-Man zu &auml;rgern - und wir steigen ein in die Geisterbahn, die mit "Let's Go Slaughter He-Man" vom aktuellen Langeisen Monstereophonic erwartungsgem&auml;&szlig; ihren Auftakt nimmt. Die Besetzung ist dabei &uuml;ber die Jahre durchaus stabil geblieben: an der Gitarre macht uns Jussi Syd&auml;nmaa unter dem Decknamen Amen wie gehabt die wandelnde Mumie im Stile eines gewissen Imhotep, und den Bass zupft nach wie vor das Urviech Samer "Ox" el Nahhal, komplett mit Fellstiefeln bis unter die Ohren. Der Zeremonienmeister selbst stapft auch alsbald hervor: Mr. <span class="strong">Lordi</span> himself, im Einwohnermeldeamt im heimischen Rovaniemi  in Finnland besser bekannt als Tomi Putaansuu, stakst, dr&auml;ut und r&ouml;hrt wie eh und je. War der Sound bei den beiden Anheizern noch durchaus verbesserungsw&uuml;rdig, geht das jetzt schon eher in die richtige Richtung, wobei doch noch einiges in der dr&ouml;hnenden Lautst&auml;rke, die dann doch etwas &uuml;berdimensioniert wirkt, untergeht. Das Kabinett des Professor <span class="strong">Lordi</span> geht einstweilen mit "Babez For Breakfast" in die n&auml;chste Runde, das ist schmissig, sorgt f&uuml;r Laune und funktioniert in der typischen Machart (eing&auml;ngiges Riff, ordentlicher Refrain) live famos. War der Meister in vorigen Ansetzungen &ouml;fters etwas wortkarg, entpuppt er sich heute als gut aufgelegter Conferencier: klar sei es Mittwoch, aber das sei kein Problem - er hat bei unseren Chefs und Lehrern angerufen und uns allen frei gegeben. Sagt er zumindest. Das ist nat&uuml;rlich zuvorkommend, deshalb freuen wir uns umso mehr, dass mit "Hellbender Turbulence" ein St&uuml;ckchen vom Erstling Get Heavy zu Ehren kommt - das hat man 13 Jahre nicht dargeboten, weshalb sich der Chef gleich prophylaktisch entschuldigt: "we will try our best not to suck." Ist aber gar nicht n&ouml;tig, denn die Nummer l&auml;uft trefflich rein und unterstreicht, dass die fr&uuml;heren Ausritte inklusive der Grand Prix-Sause doch mehr z&uuml;ndende Ideen und schmissige St&uuml;cke im Gep&auml;ck hatten als neuere Einspielungen. </p>
  45. <p>Dar&uuml;ber - und auch &uuml;ber die Tatsache, dass Mr <span class="strong">Lordi</span> mehr begnadeter Entertainer als filigraner Vokalist ist - rettet man sich a la gro&szlig;em Vorbild Kiss allerdings mit spa&szlig;igen Show-Einlagen, bei der die immer gleiche Dame (wir nehmen an eine Tourmanagerin) in unterschiedlichen Rollen herhalten muss - als Krankenschwester, die von Ox zerfetzt wird, als Forscherin, die den Sarkophag von Amen &ouml;ffnet, und als Patientin auf einem OP-Tisch, die Herr <span class="strong">Lordi</span> selbst doch etwas ruppig behandelt. Das hat irgendwie etwas von Alice Cooper, als dann auch noch ein launiger Skelett-Tanz aufgef&uuml;hrt wird, der auch stop motion-Trickguru Ray Harryhausen gefallen h&auml;tte, und so bringen wir auch schw&auml;chere Darbietungen wie "Bite It Like A Bulldog" mit Anstand hinter uns. Auch songtechnisch auf der H&ouml;he ist man dann wieder bei der finsteren Ballade "Icon Of Dominance", die man auskunftsgem&auml;&szlig; auch ewig nicht im Programm hatte und als "Bacon Of Dominance" verballhornt wird. Er ist heute ja ein rechter Scherzkeks! Komplett im Wolfskost&uuml;m, das wir livehaftig schon 2006 bewundern konnten, feuert er uns jetzt die Hymne "Bringing Back The Balls To Rock" unters Volk, bevor wir dann mit der aktuellen Single "Hug You Hardcore" (angek&uuml;ndigt mit "if we offer you a hug, you should better answer no thank you") unsere liebe M&uuml;he haben. Vielleicht verstehen wir die Attraktion dieses Halbton-Riffs einfach nicht - "daf&uuml;r sind wir zu alt!", stellt Biologe Sebbes fest, als die Menge (vielleicht auch begeistert vom zugeh&ouml;rigen BDSM-Video) zu diesem Song komplett steilgeht. Das notieren wir dann eben, wir sind ja basisdemokratisch. </p>
  46. <p>Jetzt kommt mit einer Kombination aus "It Snows In Hell" und "Children Of The Night" quasi ein Balladenblock an den Start, der die Qualit&auml;t auch f&uuml;r die beiden &auml;lteren Herren wieder hochrei&szlig;t - wobei das Gr&ouml;nemeyer-Winkespiel doch bitte wirklich nicht sein muss. Das neue "Down With The Devil" geht durchaus kraftvoll in Ordnung, kann aber nat&uuml;rlich nicht an die abscheuliche M&uuml;tzengestalt heranreichen, die als "Blood Red Sandman" jetzt &uuml;ber uns herf&auml;llt. Klar einer ihrer besten Songs, und vom Meister in rot getr&auml;nkter Szenerie mit Sack und Konfetti bestens inszeniert. Nachdem wir &uuml;berdies festgestellt haben, dass Amen definitiv das beste Schuhwerk tr&auml;gt - und zwar orthop&auml;disch wertvolle F&uuml;&szlig;linge! -, pr&uuml;geln sie uns dann endg&uuml;ltig das Siegerlied der Schlagerwelt um die Ohren: "Hard Rock Halleluja" funktioniert immer noch wunderbar als Gassenhauer, wonach Herr <span class="strong">Lordi</span> treffend feststellt: "Now we have that one out of our system!" Dass seine etatm&auml;&szlig;ige Frage "do you want some more?" mit begeisterten "Oana geht no nai!"-Ch&ouml;ren beantwortet wird, verwirrt ihn sichtlich: "I have no clue what you are singing, but it seems you want more!", was wir dann in Form des doch eher unh&ouml;flichen "Sincerely With Love" erhalten. Dann aber geht's mit "Devil Is A Loser" nochmal massiv zur Sache, komplett mit ihrem fettesten Donner-Riff, bevor erst mal Ende im Friedhofs-Gel&auml;nde ist. Flugs kommen sie allerdings nochmals wieder und lassen "Who's Your Daddy" auf uns los, w&auml;hrend der Chef uns mit einer Trockeneisnebel-Kanone beschie&szlig;t. Das geht immer, vor allem, wenn das z&uuml;nftige "Would You Love A Monsterman" einen traditionellen, krachigen Schlusspunkt setzt. </p>
  47. <p>Unterm Strich halten wir daher gerne fest: eine runde Show-Leistung, die genug klassisches Material an Bord hatte, um die teilweise zu konstatierenden Schw&auml;chen auszugleichen - auch da eifert er also seinen gro&szlig;en Vorbildern Kiss in jeder Hinsicht nach. So, und jetzt gehen wir nach Hause, packen unsere He-Man-Figuren aus und schauen dabei wieder einmal zu, wie Boris Karloff uns den Imhotep vormacht.</p>
  48. <p>Der Bericht erscheint auch auf <a href="http://www.kuehlzeszeug.de">www.kuehlzeszeug.de</a><br />
  49. </p>
  50. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  51. <link>http://www.heavyhardes.de/live-661.html</link>
  52. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-661.html</guid>
  53. </item><item>
  54. <title>Serious Black &amp; Hammerschmitt</title><description><![CDATA[<p>Wenn eine All-Star-Kombo, bestehend aus gl&auml;nzenden Namen der teutonischen Metal-Szene, ruft, dann folgen wir nat&uuml;rlich allzu gerne. Dass wir dabei allerdings auch noch entz&uuml;ckte Weiblichkeit, Neubesetzungen und  zwischenmenschliche Differenzen erleben w&uuml;rden, das war selbst f&uuml;r uns alte Fahrensm&auml;nner &uuml;berraschend.</p>
  55. <p><span class="strong">Serious Black</span> - auf dem Papier klingt das wie ein who is who der deutschen Kraftmetall-Szenerie. Ex-Helloween-Saitenhexer Roland Grapow, der ehemalige Blind-Guardian-Fellverdrescher Thomen Stauch, das kann ja nur vielversprechend sein, und die zwei Alben der Herrschaften (As Daylight Breaks und Mirrorworld) wissen auch durchaus zu gefallen. So pilgern wir gerne zum Austragungsort, wo allerdings an diesem Abend auch ein launiger Country/Rock-Musiker auftritt und f&uuml;r einen lustigen Publikumskontrast sorgt. Sei's drum, wir entern die Halle und stellen fest, dass die hintere H&auml;lfte mit einem Tarnnetz abgedeckt ist, hinter dem sich sch&uuml;chterne Zuschauer offenkundig verstecken k&ouml;nnen. Wir tun dies nicht, sondern marschieren flugs in die erste Reihe, wo der Reigen denn auch Schlag Acht p&uuml;nktlich seinen Anfang nimmt.</p>
  56. <p>Die Lokalhelden von <span class="strong">Hammerschmitt</span> k&ouml;nnen sich dabei &uuml;ber eine durchaus gro&szlig;z&uuml;gige B&uuml;hnenpr&auml;senz inkl. Lightshow und Backdrop freuen und legen nach einem "God Gave Rock'n'Roll To You"-Intro mit "Still On Fire" und "Mean Streak" vergn&uuml;gt los. Die durchaus akzeptable Publikumsschar goutiert das famos, zumal die Hammerschmiede ihren kompletten Fanclub mitgebracht zu haben scheinen, der nicht zuletzt aus der mehr als ansehnlichen jungen Weiblichkeit zu bestehen scheint. Die ist zunehmend enthusiasmiert, w&auml;hrend die Herren um Fronter Ben, der uns in astreinen Manowar-Posen die F&auml;uste entgegenreckt, mit viel Spielfreude, Begeisterung und Brezn/Wei&szlig;wurst-Punisher-T-Shirt durch ihr Set aus traditionellem deutschen Metal ballern. Basser Armin, der jederzeit die Wetten-Dass?-Moderation &uuml;bernehmen k&ouml;nnte, erkl&auml;rt jetzt, die folgenden Sinbreed h&auml;tten den Schmieden f&uuml;r ihr Heimspiel zehn Minuten ihrer Spielzeit &uuml;berlassen, wodurch wir doch tats&auml;chlich in den Genuss zweier Extra-Songs kommen. Beim Cranberries-Cover "Zombie" geht's derartig zur Sache, dass Glam-Metal-Experte Sebbo orakelt: "Gleich fliegen die BHs hoch!" Wir haben unsere heute leider gerade nicht zur Hand, so dass wir nach 40 Minuten und der letzten Nummer "Metalheadz" konstatieren: musikalisch sicherlich nicht letzte Raffinesse, aber Energie, ansteckender Enthusiasmus und offenbar auch Sexappeal.</p>
  57. <p>Was auch in der Publikumszusammensetzung zu sp&uuml;ren ist, den als kurz danach Sinbreed die Bretter entern, sind die M&auml;dels irgendwie weitgehend verschwunden und h&auml;ngen offenbar am Merchandise-Stand mit Ben und seinen Kumpels ab, die sich danach locker ins Publikum mischen. Wir sind einstweilen auf die Power-Metal-Kombo aus Wiesbaden gespannt, die ja ebenso wie <span class="strong">Serious Black</span> aus Szenegr&ouml;&szlig;en besteht: Herbie Langhans (Seventh Avenue) am Mikro und Blind Guardian-Saitenbieger Marcus Siepen b&uuml;rgen f&uuml;r Qualit&auml;t, so m&ouml;chte man meinen. Allerdings ist Siepen seit 2015 aus Termingr&uuml;nden nicht mehr an Bord, und nachdem Shouter Herbie zeitgleich mit Avantasia unterwegs ist, muss Bandgr&uuml;nder Flo Laurin seinen Tross heute mit einem Gastvokalisten an den Start schicken. Der h&ouml;rt auf den Namen Nick Holleman und macht seine Sache ganz formidabel: Sinbreed brettern ihren High Speed Power Metal forsch unters Volk, die Instrumentalfraktion macht dabei optisch einen auf Wickie und die starken M&auml;nner, w&auml;hrend Gesangslehrer Sebbo hinsichtlich Herrn Holleman treffend feststellt: "Das ist doch der Sohn von Kai Hansen!" Mit spa&szlig;igem Deutsch ("vielen Dankesch&ouml;n", "Wei&szlig;enwurst") und vor allem einem kr&auml;ftigen Organ turnt der drahtige Kai jr. durchs Set, das mit "Call To Arms", "Moonlit Night" und "When Worlds Collide" blitzsaubere Beispiele f&uuml;r teutonischen Kraftmetall am Start hat. "Das gef&auml;llt dem Sebbes gut!", stellt selbiger begeistert fest, w&auml;hrend hinter uns ein Kollege mit beachtlichem Haarschopf den Dauerrotor einschaltet. Der Titeltrack vom aktuellen Langeisen "Master Creator" l&auml;uft ebenso gut rein wie "On The Run" und das abschlie&szlig;ende "Newborn Tomorrow". Reife Leistung, meine Herren. </p>
  58. <p><span class="strong">Serious Black</span> haben ihre Backdrops offenbar von Avantasia geliehen, aber das macht ja nichts, denn die Fantasy-Welt passt bestens zu den schnellen Riffs und Keyboard-Attacken, zu denen die Hauptakteure mit "Older And Wiser" und "Castor Skies" in den Reigen bunter Melodien einsteigen. Das Ganze klingt dabei anfangs seltsamerweise gar nicht tight und schmissig - wir wundern uns doch ein wenig. Neben Shouter Urban Breed und Gitarrero Dominik Sebastian suchen wir allerdings vergeblich nach Herrn Grapow - der l&auml;sst sich bei Live-Ansetzungen n&auml;mlich vom Firewind-Virtuosen Bob Katsionis vertreten, der seine Sache ebenso &uuml;berzeugend erledigt wie Gastshouter Nick bei Sinbreed (wobei doch eigentlich folgerichtiger w&auml;re, dass Herr Urban bei Sinbreed singt - schon allein wegen des Namens? Nur ein Vorschlag). Weiter im Text geht's dann mit "Heartbroken Soul" und "I Seek No Other Life", wobei auch Keyboarder Jan Vacik zeitweise die Sangesdienste &uuml;bernimmt und einen &uuml;berzeugenden Ville Vallo gibt. Zwischen Basser Mario Lochert (immerhin Mitbegr&uuml;nder der Kombo) und Herrn Urban scheint es allerdings etwas zu haken heute - entweder hat sich jemand &uuml;ber die Hose des S&auml;ngers mokiert (b&ouml;se Zungen w&uuml;rden behaupten, die sei aus Plastikfolie), er ist mit der Zentralbankpolitik nicht einverstanden oder fordert eine gesamteurop&auml;ische L&ouml;sung f&uuml;r diverse Themen: "If it looks like I am pissed, I am!", stellt der Schwede fest, der zu Deutsch auf irgendetwas stinkesauer ist. Nach einer Phase der Herumkasperei mit Ausdruckstanz und Veralberung des armen Griechen (der kann doch auch nichts f&uuml;r die Schuldenkrise, Urban!) hellt sich die Stimmung aber zusehends auf, und mitgerissen von den durchaus begeisterten Publikumsreaktionen zieht sich Herr Urban am eigenen Mohikaner-Schopf zusehends aus dem Stimmungstief. Siehe da, auf einmal klingt die Chose wie eine andere Kombo: "Mirrorworld", "Trail Of Murder" und "This Machine Is Broken" ("der sagt, die Waschmaschine ist kaputt!", analysiert der Leiter des Kundendienstes Sebbes) knallen (komplett mit eingestreutem "Heaven And Hell"-Riff) endlich so ordentlich ins Kontor, wie wir das erwartet hatten. Auch die holde Weiblichkeit scheint wieder am Rande des Wahnsinns, eine Holde sucht ein verlorenes Plektrum vehement in der Kleidung meines Mitstreiters, und eine mit Verlaub doch etwas &auml;ltere Dame marschiert ganz nach vorne, macht mit wie beim Tanztee und erfreut sich daran, Herrn Lochert permanent an der Hose zu ziehen. Unfassbar! </p>
  59. <p>"Das Lied m&ouml;gen wir &uuml;brigens", informiert mich mein Kollege zu "The Life That You Want" - Recht hat er, jetzt zieht die Angelegenheit die Wurst vom Brot. So muss das sein! Nach "As Long As I'm Alive", zu dem die Herrschaften Breed und Lochert ganz explizit wieder ein Herz und eine Seele sind, ist erst einmal Schluss. Wir sind kurz erstaunt, wie stark die Qualit&auml;t im Laufe des Sets agezogen hat, und verzeichnen die (von der mittlerweile v&ouml;llig derangierten Seniorin in Reihe eins vehement geforderte) Zugabe "Akhenaton" als wunderbare Dreingabe im Kamelot-Stil. In die Kerbe schl&auml;gt schlie&szlig;lich auch noch "High And Low", nach dem sich die Herrschaften endg&uuml;ltig verabschieden. Welch eine Achterbahnfahrt - emotionales und musikalisches Wellenreiten war geboten, und tanzende &Ouml;strogene obendrein. Die Wucht in T&uuml;ten, und das an einem Mittwoch...<br />
  60. </p>
  61. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  62. <link>http://www.heavyhardes.de/live-662.html</link>
  63. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-662.html</guid>
  64. </item><item>
  65. <title>Myrath &amp; Reverend Hound</title><description><![CDATA[<p>Es ist eine unumst&ouml;&szlig;liche Wahrheit, dass Vorgruppen unn&ouml;tig sind und bestenfalls dazu f&uuml;hren, dass man nicht rechtzeitig zur Sportschau wieder daheim ist. Aber Wahrheiten haben es sprichw&ouml;rtlicherweise nun einmal an sich, dass es Ausnahmen gibt, die die Regel dann best&auml;tigen. Ein eben solcher Fall bot sich uns im Falle von <span class="strong">Myrath</span> - wer diese Kombo im Vorprogramm von Symphony X erleben durfte, der zeigte sich beeindruckt und harrte auf mehr. Nachdem die Herrschaften das in Form einer eigenen Headliner-Tournee dann auch liefern, steigen wir auf den fliegenden Teppich und machen uns auf in exotische Gefilde...</p>
  66. <p>Die liegen wieder einmal im M&uuml;nchner Backstage, jenem mittlerweile leider bedrohten Biotop f&uuml;r die Konzertszene, die hoffentlich demn&auml;chst eine neue Heimat findet. Denn er w&auml;re ein Jammer, wenn solche Ansetzungen wie heute Abend keine St&auml;tte mehr finden w&uuml;rden: vielleicht kleine, aber in jedem Fall kleine Auftritte, die auch der lokalen Landschaft eine Chance geben. Wie etwa den M&uuml;nchner Lokalmatadoren von <span class="strong">Reverend Hound</span>, die heute Abend er&ouml;ffnen und das vor einer schon durchaus achtbaren Anzahl von Sympathisanten tun d&uuml;rfen. Die Herrschaften servieren einen bunten Mix aus Thrash, Hard Rock, Power Metal und allem was Spa&szlig; macht - Nummern wie "Runaway Train", "Destroyer" (auf der auf den B&uuml;hnenboden geklebten Setlist als "Zerst&auml;uber" bezeichnet, man hat also auch Humor) oder "Hell Is Here" machen Laune. Mit Maiden-Bass und Maiden-Shirt versieht Markus Brendel die Gesangsdienste mehr als achtbar, und seine Aussage, dass er das nur aushilfsweise mache, weil der eigentliche Mikroschwinger Wolfgang Gr&auml;bner verhindert sei, erntet massive Unterst&uuml;tzung aus dem Publikum. Das besteht, wie wir bei Augenscheinnahme feststellen, weitgehend aus den gleichen Schlachtenbummlern, die sich auch Symphony X kredenzten - weniger klassische Metaller als vielmehr auch der Sozialp&auml;dagogik-Student. Vor allem die holde Weiblichkeit ist zahlreich vertreten, was Gender-Forscher Sebbes zu erkl&auml;ren wei&szlig;: "Das sind die Musikvideos! Das ist auch was f&uuml;r Frauen!" Nun, dann sind wir doch mal gespannt, einstweilen feuern <span class="strong">Reverend Hound</span> noch ihren "Heavy Metal Thunderstorm" unters Volk, was dann mehr als kurzweilige 30 Minuten beendet. Reife Leistung, Jungs! </p>
  67. <p>Nach einer kurzen Umbaupause, in der sich der Backstage-Club immer weiter f&uuml;llt, entsteht wohlige Vorfreude: statt des permanenten Rotlichts gibt es eine echte Lightshow, gefolgt von einer handfesten &Uuml;berraschung. Zu den Kl&auml;ngen eines leicht orientalisch angehauchten Intros betritt eine in wallende Gew&auml;nder gekleidete Sch&ouml;ne die B&uuml;hne und sch&uuml;ttelt definitiv deutlich mehr als nur ihr Haar f&uuml;r uns. Nein, wir kommen in den Genuss einer astreinen Bauchtanz-Einlage, womit das mit der frauenorientierten Optik doch wieder ein wenig fraglich wird. Zu dieser Holden sp&auml;ter mehr, denn jetzt springen unsere Freunde aus Tunesien endg&uuml;ltig auf die Bretter und steigen mit "Believer" (im &Uuml;brigen auch zu bestaunen mit aufw&auml;ndigem Video) beherzt in ihr Set ein. Sofort wird klar, was den Reiz der Kombo ausmacht: hier trifft melodischer, aber anspruchsvoller Power Metal a la Kamelot auf die proggige Raffinesse von Dream Theater, alles gew&uuml;rzt mit einer geh&ouml;rigen Prise Exotik in Form von orientalischen Tonfolgen, die aber niemals das Geschehen &uuml;berlagern. Technisch sind die Kollegen auf allererster Ebene, da brilliert Saitenhexer Malek Ben Arbia an der sieben-saitigen Gitarre ein ums andere Mal mit kr&auml;ftigem Riffing und melodischen Soli, da bringt Tieft&ouml;ner Anis Jouini seinen sechs-saitigen Bass (da ist wohl keiner mit der handels&uuml;blichen Ausstattung zufrieden, kann das sein?) als vollg&uuml;ltigen Soundbaustein ins Geschehen ein, und Keyboarder Elyes Bouchoucha webt einen feinen Klang-Teppich um alles herum. Aber Blickfang ist und bleibt nat&uuml;rlich der einzig wahre B&uuml;lent Ceylan-Doppelg&auml;nger Zaher Zorgati, der neben herausragender stimmlicher Inszenierung und mehr als nur passablen deutschen Sprachkenntnissen auch optisch f&uuml;r den Frauenappeal der Kombo verantwortlich sein d&uuml;rfte. Sei's drum, wir lauschen dem Wechselspiel aus Melodie, Komplexit&auml;t und Exotik geschlechter&uuml;bergreifend, zu den Kl&auml;ngen von "Get Your Freedom Back" und "Storm Of Lies" w&auml;chst die Begeisterung allenthalben, so dass einige Landsleute eine Tunesien-Flagge entrollen, w&auml;hrend sich Herr Zorgati von jeglicher Gewalt und Terrorismus distanziert. So einfach kann V&ouml;lkerverst&auml;ndigung sein! </p>
  68. <p>Zur Nummer "The Unburnt", die dem Charakter Daenerys Targaryen (bitte nach einer Ma&szlig; aussprechen!) aus der TV-Endlos-Fantasy-Mittelalter-und alles-Saga Game Of Thrones gewidmet ist, betritt dann erneut die h&uuml;ftschwingende Grazie die Szene und liefert sich ein feines Tanzduell mit den Akteuren. Weil die Dame so nett war, die w&auml;hrend des Konzertes in realtime stattfindenden Aktivit&auml;ten von K&uuml;hles Zeug auf diversen sozialen Netzwerken zu honorieren, k&ouml;nnen wir ausf&uuml;hren: wir wohnen hier einer Darbietung der portugiesischen Baucht&auml;nzerin/Model/Makeup-K&uuml;nstlerin Kahina Spirit (ein in Portugal g&auml;ngiger Familienname) bei, die einerseits direkt dem Elben-Land entstiegen scheint, andererseits in wechselnden Kost&uuml;men eine mehr als gute Figur macht. Diese Art der basisdemokratischen Ansprache aller Publikumsschichten verm&ouml;gen wir nur zu begr&uuml;&szlig;en. Mit "Forever And A Day" servieren sie uns dann ein Lichtstakkato ganz im Stile von Metallicas "One",  bevor wir ein wenig dar&uuml;ber philosophieren, dass mit ganzen 14 Euro Einlassentgelt hier wirklich einiges an Gegenwert zu konstatieren ist - "da gibt's nichts zu Meckern!", stellt Preisanalyst Sebbes fest. Meister Zorgati outet sich einstweilen als K&ouml;lsch-Trinker, revidiert dies aber sofort, als man ihm ein ordentliches K&ouml;nig Ludwig kredenzt. Nun, so f&uuml;hrt er aus, gehe es um Fiction and War, das kenne man ja leider aus dem Nahen Osten und auch aus Tunesien, das sei schlimm, und man f&uuml;hle sich wie im Belagerungszustand, weshalb man ein St&uuml;ck "Under Siege" betitelt habe. Beim anschlie&szlig;enden "Endure The Silence" (auch hierzu kann man ein sch&ouml;nes Video bestaunen) geht dann noch mehr die Post ab, Meister Zorgati schnappt sich sogar die Tunesien-Fahne und h&uuml;llt sich hinein, w&auml;hrend Frau Spirit in passendem Rot erneut einen optischen Leckerbissen liefert. Wer sagt da noch, orientalische Kunst sei schwierig? In eben diesem Geiste er&ouml;ffnet man uns dann noch ein virtuelles W&uuml;stenzelt: Zorgati kommt zu uns auf den Club-Boden, wir setzen uns alle hin, und wie ein mythischer Geschichtenerz&auml;hler f&uuml;hrt er uns durch das feine "Nobody's Lives", bevor er h&auml;ndesch&uuml;ttelnd und schulterklopfend wieder die B&uuml;hne erklimmt. Wenn das mal keine Sympathie-Punkte gibt! Kurze Pause, dann weiter im Takt mit "Merciless Times", und jetzt gibt es wohl kein Halten mehr: der Shouter kraxelt sogar auf die kleine Empore hoch, wo einige Spezialg&auml;ste (in Tracht!) das Geschehen verfolgen, man macht ein paar Selfies, und mit "Beyond The Stars" (Dio-Ankl&auml;nge allenthalben) geht die Sause schlie&szlig;lich in die letzte Runde. Music with love, das verspricht man uns auch weiterhin zu machen. Wenn das so stimmig klingt, mit solcher Freude vorgetragen wird und so schmackig r&uuml;berkommt, dann k&ouml;nnen wir das nur lobend hervorheben. Frau Spirit darf auch gerne wieder kommen.<br />
  69. </p>
  70. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  71. <link>http://www.heavyhardes.de/live-663.html</link>
  72. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-663.html</guid>
  73. </item><item>
  74. <title>Wacken Open Air u.a. mit Iron Maiden &amp; Twisted Sister</title><description><![CDATA[<p><span class="strong">Mittwoch, 03.08.2016</span></p>
  75. <p>Es werden schon einige nicht gerade sch&ouml;ne Erinnerungen wach, als wir, die Heavyhardes-Crew bestehend aus Ray, Dagger und Katarzyna, nun den Endspurt unserer langen Reise von Bayern nach Schleswig-Holstein antreten. Den Elbtunnel haben wir gut passiert und befinden uns nun auf der A23 in Richtung Wacken und es regnet und regnet und regnet.</p>
  76. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/004 woa2016 (2).jpg" border="0" alt="WOA2016" /></p>
  77. <p>Da gehen einem zwangsl&auml;ufig Bilder aus dem letzten Jahr durch den Kopf, als das gesamte Festivalgel&auml;nde inklusive der Zeltpl&auml;tze regelrecht abgesoffen ist. Wieder fragt man sich, was einen erwarten wird. Als wir gegen 15:00 Uhr auf unserem Zeltplatz eintreffen, legt der Regen freundlicherweise eine kurze Verschnaufpause ein, die wir dankend annehmen, um unsere Zelte aufzubauen. Doch dann f&auml;llt weiteres Nass vom Himmel, weswegen einem quasi gar nichts anderes &uuml;brig bleibt, als die mitgebrachten Bierbest&auml;nde zu dezimieren. Behilflich ist uns dabei eine Gruppe trinkfester D&auml;nen aus direkter Nachbarschaft, die sich mit unter unseren Pavillon gesellen und eine lange Reihe landes&uuml;blicher Spirituosen und Lik&ouml;re zur Verkostung bereitstellen. Um Haaresbreite h&auml;tte das Gelage unseren ersten Gang aufs Festivalgel&auml;nde vereitelt. Aber schlie&szlig;lich kriegen wir die Kurve und begeben uns gegen 18:00 Uhr mit dem Shuttle in Richtung Wacken Center. Es ist zwar ziemlich kalt, aber der Himmel hat seine Schleusen mittlerweile geschlossen.</p>
  78. <p>Wie in jedem Jahr haben die Organisatoren auch 2016 wieder ein wenig an der Konstellation ihres Festivalgel&auml;ndes gearbeitet. So wurde beispielsweise der Biergarten verschoben und liegt nun gegen&uuml;ber der Party Stage. An sich bleibt aber doch alles beim Alten. Im Infield findet man die drei gro&szlig;en B&uuml;hnen (Black Stage, True Metal Stage, Party Stage), dann eine im Biergarten (Beer Garden Stage), zwei im Wackinger Village (Wackinger Stage und Wasteland Stage), und zwei im gro&szlig;en Zelt namens Bullhead City Circus neben der Wacken Plaza (W.E.T Stage und Headbanger's Stage). </p>
  79. <p>Leider wirft der weltweite und gerade in den letzten Wochen wieder stark in den Medien pr&auml;sente Terror 2016 auch seinen Schatten auf das Wacken Open Air. Das F&uuml;hren von Handtaschen und Rucks&auml;cken ist im Holy Wacken Land, also im Bereich der Veranstaltungen, untersagt. Selbst als Fotograf muss man sein Equipment in schicke, unauff&auml;llige neongelbe Sicherheitstaschen verpacken. Sicherheitskontrollen gibt es bei den Eing&auml;ngen zum Infield und ebenso bei den Zug&auml;ngen zum Wackinger Village und zur Wacken Plaza. Man muss also wieder ein wenig mehr Zeit einplanen, dem Spa&szlig; sollen diese Sicherheitsvorkehrungen an den folgenden Tagen aber nicht im Wege stehen.</p>
  80. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/001 woa2016 bembers.jpg" border="0" alt="Bembers" /></p>
  81. <p>Als wir schlie&szlig;lich den Biergarten erreichen, begr&uuml;&szlig;t uns eine &uuml;berlebensgro&szlig;e Statue von Lemmy als Erinnerung an die im letzten Dezember verstorbene Kultfigur. Gleich daneben steh die Rainbow-Bar, quasi als Link zum Lieblingsort des Musikers am Sunset Strip. Auf der Beergarden Stage philosophiert gerade der dickb&auml;uchige Bembers, ein oberfr&auml;nkischer Comedian und Rockmusiker, in gewohnt brachialem Franken-Slang &uuml;ber vierlagiges Klopapier und Drogendealer aus Breitengr&uuml;&szlig;bach. Ob er damit im hohen Norden den gleichen Zuspruch ernten kann wie in der Heimat, sei mal in Frage gestellt. Dank seiner Internet-Videos eilt ihm sein Ruf aber sicherlich bis hierher voraus. Kaum hat die Ulknudel die B&uuml;hne verlassen, wird es richtig voll im Biergarten. Von &uuml;berall her str&ouml;men die Metalheads nun hierher, denn es ist an der Zeit f&uuml;r die W:O:A Firefighters, also die Wackener Feuerwehrkapelle, mit z&uuml;nftiger Blasmusik den Biergarten zum Beben zu bringen. In diesem Augenblick so richtig die Sau raus zu lassen, z&auml;hlt f&uuml;r viele Besucher schon seit Jahren zum guten Ton. Irgendwie geh&ouml;ren die Firefighter dabei zum Festival ebenso wie der Schlamm, der sich trotz des Regens bislang noch in Grenzen h&auml;lt. Zum Gl&uuml;ck!<br />
  82. (Dagger) </p>
  83. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/006a woa2016 vogelfrey.jpg" border="0" alt="Vogelfrey" /></p>
  84. <p>W&auml;hrenddessen treibe ich mich im Wackinger Village herum, wo parallel die Barden von Vogelfrey in sch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit (alle zwei Jahre) die Bretter der Wackinger-Stage entern. War es in den letzten Jahren Mittwochs hier im Areal noch brechend voll, kann man heute noch relativ bequem von A nach B kommen. Vogelfrey kann man hier jedoch keinen Vorwurf machen, denn die Band gibt alles und macht - wie immer - Laune. Vielleicht liegt es auch am bereits vorhandenen Matsch oder aber auch am mal wieder einsetzenden Regen, dass nicht allzu viel Bewegung vor der B&uuml;hne auszumachen ist. Songs wie "H&ouml;rner Hoch" oder "Tandaradei!" sorgen hier und da schon f&uuml;r gute Laune. Der Band macht der Auftritt jedenfalls sichtlich Spa&szlig; und so soll es doch auch sein. Es ist ja auch nicht das letzte Mal, dass wir Vogelfrey an diesem Wochenende sehen werden.<br />
  85. (Ray)</p>
  86. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/001 woa2016 henry rollins.jpg" border="0" alt="Henry Rollins" /></p>
  87. <p>Nachdem es dieses Wochenende voraussichtlich noch genug Regen geben wird, zieht es mich erstmal ins Trockene zu den Zeltb&uuml;hnen. Hier steht als n&auml;chstes Henry Rollins mit seinen spoken Words auf dem Programm, und nachdem ich mir so etwas in meinen bisherigen 15 Wacken-Jahren noch nicht gegeben habe, ist es nun also an der Zeit. Unter lautem Beifall betritt er die B&uuml;hne und legt gleich auch los. &Uuml;ber seine Kindheit, Mot&ouml;rhead, seine Mutter und den Tod seines Vaters f&uuml;hren seine Ausf&uuml;hrungen, die jedoch schnell ins Langweilige abdriften. Entsprechend gibt es auch nach den ersten Minuten die ersten Pfiffe. Auch ich habe mir das hier spannender vorgestellt und ziehe dann doch den Regen vor. (Ray)</p>
  88. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/099 woa2016 red hot chili pipers.jpg" border="0" alt="Red Hot Chilli Pipers" /></p>
  89. <p>Ein paar Trinklieder und "Lemmies", also Whisky Cola, sp&auml;ter verschl&auml;gt es dann auch den Rest der Heavyhards-Crew zur Wackinger Stage, wo wir um 20:15 Uhr einen ersten Blick auf die Red Hot Chilli Pipers werfen. Die die Truppe aus Schottland jagt wie gewohnt manch einen Rock-Klassiker durch ihre Dudels&auml;cke und sorgt f&uuml;r gute Stimmung vor der B&uuml;hne. Sie haben das Privileg, an jedem der vier Tage hier auftreten zu d&uuml;rfen. Auch wir kommen sp&auml;ter noch einmal auf sie zur&uuml;ck.<br />
  90. (Dagger)</p>
  91.  
  92. <p><span class="strong">Donnerstag, 04.08.2016</span></p>
  93. <p>Den Donnerstag lassen wir wie gewohnt eher ruhig angehen. Das Programm im Infield beginnt erst kurz vor 15:00 Uhr, das Wetter h&auml;lt (noch) und man nutzt die Zeit, um durch den Metal-Markt zu schlendern. Aus dem Infield, wohin wir nachher noch wollen, gr&uuml;&szlig;t eine Art riesig gro&szlig;er Trojanischer Hirsch. Soll hei&szlig;en: eine Holzkonstruktion in Hirschformat, die man &uuml;ber den Allerwertesten begehen kann und  in deren Innenraum sich auf zwei Etagen (!) R&auml;ume f&uuml;r den Alkoholausschank befinden. Tolle Sache! Und ein echter Hingucker! (Bild 163 WOA2016)</p>
  94. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/007 woa2016 skyline.jpg" border="0" alt="Skyline" /></p>
  95. <p>Wie &uuml;blich l&auml;utet um 14:45 Uhr die Band Skyline, die schon beim ersten Wacken Open Air 1990 zu sehen war, das Geschehen auf der Black Stage im Infield ein. Dazu werden gro&szlig;e Rock- und Metalklassiker aus den vergangenen Jahrzehnten zum Besten gegeben, um die Festivalbesucher auf die kommenden Tage einzustimmen. Dieses Mal donnern u.a. Rainbow, Queenryche, Ozzy Osbourne, Quiet Riot und am Ende sogar Rage Against The Machine durch die Membrane, w&auml;hrend riesige Wacken-Luftb&auml;lle &uuml;ber die K&ouml;pfe der Fans hinweg tanzen. Das alles ist l&auml;ngst ritualisiert, macht aber immer wieder Spa&szlig;. Auf Gastauftritte bekannter Musiker hat die Band dieses Jahr aber verzichtet und auch f&uuml;r eine eigene Wackenhymne, wie sie in der Vergangenheit von Tom Angelripper, Chris Boltendahl oder Doro vorgetragen wurde, hat es 2016 nicht gereicht.<br />
  96. (Dagger)</p>
  97. <p>Wir bleiben gleich vor der Black Stage, wo sich nun eine Metal-Institution die Ehre gibt, die mit dem W:O:A so untrennbar verbunden ist wie kaum eine andere. Die Rede ist nat&uuml;rlich von Saxon. Die Briten um ihren wei&szlig;m&auml;hnigen Frontmann Biff Byford er&ouml;ffnen um 16:00 Uhr mit dem Titeltrack ihres aktuellen Langspielers "Battering Ram" und demonstrieren, dass man auch in fortgeschrittenem Alter noch so richtig auf den Putz hauen kann. Was nun folgt ist ein langer Reigen an altehrw&uuml;rdigen Klassikern, die man an dieser Stelle nun wirklich nicht mehr im Einzelnen vorzustellen braucht. F&uuml;r eine positive &Uuml;berraschung im Programm sorgt "Dogs Of War" und "The Eagle Has Landed" garantiert ein weiteres Mal G&auml;nsehaut. Ob wir nun "747 - Strangers In The Night" oder "The Bands Played On" h&ouml;ren m&ouml;chten, wird dem Applauspegel des Publikums &uuml;berlassen. Das Rennen macht "747" und bis zum Schluss bleibt es bei den Klassikern aus den glorreichen 1980er Jahren. Dass im gesamten Set nur zwei Songs aus den letzten neun Studioalben ("Sacrifice" und eben "Battering Ram") einen Platz gefunden haben, ist allerdings schon schade.<br />
  98. (Dagger)</p>
  99. <p>W&auml;hrenddessen bin ich auf Futtersuche im Wackinger Village und werde f&uuml;ndig bei einem Black Metal-Burger, der stilecht im schwarzen Br&ouml;tchen serviert wird. Sehr lecker! Beim Verzehr zieht es mich erneut vor die gut besuchte Wackinger Stage, auf der noch einmal Vogelfrey zu sehen sind. Auch heute hei&szlig;t es "H&ouml;rner Hoch", ehe der "Knochenchor" angestimmt wird, der sich in bester Rammstein-Manier in die Geh&ouml;rg&auml;nge h&auml;mmert. Beim folgenden Lindwurm-Massaker kommt auch Heinrich der Schl&auml;chter zum Einsatz. Schade nur, dass man lediglich direkt vor der B&uuml;hne den Sound noch mitbekommt, etwas weiter weg wird der Sound von den auf der Black Stage auftretenden Saxon komplett &uuml;berlagert.<br />
  100. (Ray)</p>
  101. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/012 woa2016 the dead daisies.jpg" border="0" alt="The Dead Daisies" /></p>
  102. <p>Wir schwenken hin&uuml;ber zur Headbangers Stage im Bullhead City Circus, wo eine der vielleicht interessantesten Newcomer-Bands in Sachen Hard- und Glamrock ihren Gig absolviert. Die Rede ist von den Dead Daisies, hinter denen sich jedoch Musiker verbergen, die alles andere als neu in der Szene sind. Angef&uuml;hrt wird das bunte Kollektiv n&auml;mlich von S&auml;nger John Corabi, der zeitweise Vince Neil bei M&ouml;tlely Cr&uuml;e ersetzen durfte und auch einige Jahre bei Ratt in die Saiten griff. F&uuml;r das heutige Konzert unterst&uuml;tzen ihn die erfahrenen Musiker David Lowy und Doug Aldrich (Whitesnake, Dio), Marco Mendoza (Whitesnake, Thin Lizzy) und schlie&szlig;lich Brian Tizzy (Ozzy Osbourne, Foreigner). Dass bei solch einer Besetzung kein Auge trocken bleibt, l&auml;sst sich erahnen und tats&auml;chlich wird die Band von ihren Fans frenetisch gefeiert. Da schmei&szlig;t ein junger Hupfer sogar seine Unterhose auf die B&uuml;hne und drei angetrunkene Typen f&uuml;hren zu "Long Way To Go" einen regelrechten Freudentanz auf. Mit dem flott gezockten CCR-Cover "Fortunate Son" und dem Beatles-Klassiker "Helter Skelter" als Finale hat die All-Star-Truppe ein Set gestrickt, das sich gewaschen hat. So transportiert man den Glam der 1980er ins neue Jahrtausend!<br />
  103. (Dagger)</p>
  104. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/018 woa2016 serum114.jpg" border="0" alt="Serum114" /></p>
  105. <p>Gleich im Anschluss geht es nebenan auf der W:E:T Stage weiter mit den Frankfurtern Serum 114, die gleich im doppelten Sinn ein Feuerwerk entfachen. Wie gewohnt kommt Esche (Gitarre, Gesang) mit Bengalos in der Hand auf die B&uuml;hne, dann geht auch schon die Sause los. Von der ersten Sekunde an gibt es kein Halten mehr, die Menge geht steil zu Song wie "Kopf&uuml;ber Ins Nichts", "Du Bist Zu Fett" oder "Illegale Fans". Schnell wird auch klar, dass die 30 Minuten Spielzeit ein viel zu enges Korsett f&uuml;r die Jungs darstellt um das volle Zelt vollends bedienen zu k&ouml;nnen. Den gewohnten Sprung ins Publikum l&auml;sst sich Esche aber dennoch nicht nehmen und so singt er weiter surfend. Dieser Gig macht einfach Laune und beinahe h&auml;tte ich meine Kamera in die Ecke gepfeffert, um mich dem Moshpit anzuschlie&szlig;en, der vor der B&uuml;hne tobt. Aber die Vernunft siegt dann doch &uuml;ber den Willen und mit "Die Stadt, Die Wir Lieben" verabschieden sich Serum 114 VIEL(!!!)wieder zu fr&uuml;h. Leider ist aufgrund der strengen Taktung auch keine Zugabe mehr m&ouml;glich, nach der die Meute verlangt.<br />
  106. (Ray)</p>
  107. <p>Der Donnerstag l&auml;uft ja auch in diesem Jahr wieder unter dem Motto "A Night To Remember", weswegen vor dem gro&szlig;en Abendfinale mit Iron Maiden noch zwei weitere Gro&szlig;kaliber auf dem Plan stehen. Um 17:45 Uhr entern mit Foreigner eine der erfolgreichsten Rockbands aller Zeiten die Black Stage und zeigen, dass Radiohits der Marke "Cold As Ice", "Urgent" oder "Juke Box Hero" live auf einer gewaltigen B&uuml;hne auch durchaus dicke Eier haben k&ouml;nnen. Gut, der Schmachtfetzen "I Want To Know What Love Is" darf im Set auch nicht fehlen, dennoch haben ein stimmlich &uuml;ber alle Zweifel erhabener Kelly Hansen und seine Mitstreiter die Metal-affine Audienz gut im Griff und ernten die verdienten Lorbeeren.<br />
  108. (Dagger)</p>
  109. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/022 woa2016 vader.jpg" border="0" alt="Vader" /></p>
  110. <p>F&uuml;r mich geht es bei den beiden Zeltb&uuml;hnen wahrlich Schlag auf Schlag. Eben noch beim melodischen Punk-Rock der Frankfurter, nun zerlegen Vader mal eben gepflegt die Headbanger Stage. Ohne lange Umschweife geht es auch schon hinein in den Set vor vollem Haus. Kein Wunder, k&ouml;nnen die Polen doch auf eine langj&auml;hrige Gefolgschaft ihrer Anh&auml;nger zur&uuml;ckgreifen. Der Pit vor der B&uuml;hne ist von der ersten Sekunde an am Brodeln und schon bald werden Sprechch&ouml;re nach der Wall Of Death laut, die auch kurzerhand selbst von den Fans initiiert wird. Aber alles "gesittet", so wie es sein muss. Derweil dirigiert Peter (Gitarre, Vocals) das Geschehen von oben und feuert seine Salven in Form von "Come And See My Sacrifice", "Reborn In Flames" oder "Triumph Of Death" durch die PA. Zwischen den Songs dankt das Auditorium mit Vader-Sprechch&ouml;ren, die auch am alten Hasen Peter nicht einfach so abprallen. So verspricht er auch in B&auml;lde ein neues Album, voraussichtlich sogar noch diesen Herbst / Winter. Mit "Helleluyah (God Is Dead)" verabschieden sich Vader eindrucksvoll und hinterlassen eine schwitzende Meute. Schade, dass es "Hexenkessel" nicht in die Setlist geschafft hat.<br />
  111. (Ray)</p>
  112. <p>Bevor es zum n&auml;chsten Seitenwechsel wieder zur&uuml;ck zur W:E:T Stage geht, muss die Fl&uuml;ssigkeitsaufnahme in Form einer Hopfenkaltschale reguliert werden. Dabei fallen mir zwei nicht mehr ganz n&uuml;chterne Gestalten auf, bei denen es sich um Kumpels handelt. Beide bestellen getrennt voneinander jeweils zwei Bier (also f&uuml;r sich und den Kumpel) und standen sich dann v&ouml;llig &uuml;berrascht mit insgesamt vier Bier gegen&uuml;ber. Nachdem der ernstgemeinte Versuch, aus beiden Bechern gleichzeitig trinken zu wollen, kl&auml;glich scheiterte, entscheiden sich beide, den jeweils &uuml;berz&auml;hligen Becher mal eben zu verschenken. Nacheinander trinken kommt ja auch nicht in Frage...</p>
  113. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/041 woa2016 tsjuder_1.jpg" border="0" alt="Tsjuder" /></p>
  114. <p>Nach Death Metal kommt nun also die Black Metal-Breitseite. True Norwegian Black Metal steht auf dem Programm mit Tsjuder, die ihr neues Album Antiliv im Gep&auml;ck haben. Sofort sticht einem Saitenhexer Draugluin ins Auge, der mit bestem Kerry King-Nietenarmband die B&uuml;hne betritt. Das Zelt ist nunmehr halbvoll, als das Trio losdeibelt. Der Stimmung tut dies jedoch keinen Abbruch, denn jeder Song wird mit reichlich Beifall belohnt. Vom neuen Album gibt es dann auch gleich "Demonix Supremacy" um die Lauscher gehauen. Die Norweger sind f&uuml;r Blackies viel auf der B&uuml;hne unterwegs und sorgen so auch f&uuml;r Bewegung vor der B&uuml;hne. Beeindruckend ist vor allem Schlagzeuger AntiChristian, der sich mehr als souver&auml;n und mit einer Leichtigkeit durch die Songs pr&uuml;gelt, als w&uuml;rde er sonst den lieben langen Tag nix anderes machen. Die B&uuml;hne ist meist in rotes Licht getaucht, was die Atmosph&auml;re der Songs noch zus&auml;tzlich unterstreicht. Mit den standesgem&auml;&szlig;en Worten "See You In Hell" verabschieden sich die Norweger vom diesj&auml;hrigen W:O:A.<br />
  115. (Ray)</p>
  116. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/043a woa2016 immolation.jpg" border="0" alt="Immolation" /></p>
  117. <p>Bevor es auch f&uuml;r mich hei&szlig;t "husch-husch" ab zu Maiden, entern die Extrem-Deather Immolation zum ersten Mal in ihrer Laufbahn eine Wacken-B&uuml;hne. Das Feld vor der Headbanger Stage ist bereits merklich ausged&uuml;nnt (es wollen wohl die meisten Maiden sehen) als die ersten Takte durch die PA gepresst werden. Somit w&auml;re zwar reichlich Platz vorhanden, aber viel Bewegung ist vor der B&uuml;hne nicht zu sehen. Dabei haben die Amis mit "Despondent Souls" einen Leckerbissen vom ersten Album im Gep&auml;ck, der immerhin schon 25 Lenze auf dem Buckel hat. Bevor es aber f&uuml;r mich gar kein Durchkommen mehr auf dem Infield gibt, muss ich mich auf den Weg machen und Immolation allein weiter kn&uuml;ppeln lassen.<br />
  118. (Ray)</p>
  119. <p>Zur selben Zeit geht es auf der gro&szlig;en Black Stage im Infield doch wesentlich gesitteter zu. Mit David Coverdale betritt um 19:45 Uhr das n&auml;chste Hardrock-Urgestein die Bretter des W:O:A. Der Mann, der mit Deep Purple Musikgeschichte schreiben durfte, hat heute seine Band Whitesnake mit dabei und gemeinsam wollen auch sie all den Headbangern da drau&szlig;en eine Kostprobe ihres deftig inszenierten Classic Rock (wie man so sch&ouml;n sagt) servieren. Dazu hat man sich mit "Bad Boys" gleich einen richtig knackigen Opener ausgew&auml;hlt. Auch hier will man auf Balladen, wie "Love Ain't No Stranger" und "Is This Love" nicht ganz verzichten. Zum Gl&uuml;ck ist Coverdales Stimme mit den Jahren etwas kr&auml;chzend geworden, sodass besagte Nummern am Ende nicht ganz so schmalzig wirken wie damals auf Vinyl. Schlie&szlig;lich schallt mit "Here I Go Again" nach dem Hitfeuerwerk von Foreigner ein weiterer unsterblicher Klassiker der Rockgeschichte &uuml;ber die Wiesen und Felder von Wacken, ehe Whitesnake mit "Still Of The Night" ihrem Gig ein starkes Ende setzen!<br />
  120. (Dagger)</p>
  121. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/044c woa2016 iron maiden.jpg" border="0" alt="Iron Maiden" /></p>
  122. <p>Bereits eine Stunde vor Beginn der Show von Iron Maiden muss man sich seinen Weg durch die Massen bahnen. Aber auf H&ouml;he des Mischturms ist dann auch f&uuml;r mich Schluss, n&auml;her kommt man an diesem Tag nicht ohne gaaaaaaaaaaanz viel K&ouml;rperkontakt an die True Stage heran. So hei&szlig;t es erstmal abwarten und sich die F&uuml;&szlig;e in den Bauch stehen. Dann ist es jedoch endlich soweit: das bekannte "Doctor Doctor" schallt als &uuml;berlanges Intro durch das weite Rund, ehe die ersten Takte von "If Eternity Should Fail" vom aktuellen Langeisen The Book Of Souls erklingen. &Uuml;ber diese Band braucht man keine gro&szlig;en Worte mehr verlieren. Bruce und seine Mannen haben Wacken erneut vom Anfang an im Griff und schicken eine Mischung aus alten Klassikern (u.a. "The Trooper", "Powerslave") und neuen Songs (u.a. "Tears Of A Clown", "Speed Of Light") durch die PA. Die Show unterscheidet sich im Grunde auch kaum von der auf dem diesj&auml;hrigen Rockavaria in unserer geliebten Landeshauptstadt. Es stellt sich hier f&uuml;r mich jedoch die Frage: waren die Aussetzer bei den hohen Screams von Bruce technisch bedingt oder, man mag es ja im Grunde kaum aussprechen, hat Mr. Air Raid Siren zwischenzeitlich doch Probleme damit? Nun, auch auf dem W:O:A kommen die hohen Screams kaum durch die PA r&uuml;ber, soviel sei festgehalten. Den Rest &uuml;berlasse ich der Fantasie des geneigten Fans. Kurz nach Beginn des Sets &ouml;ffnet Petrus auch weider seine Schleusen, diesmal aber nicht sp&auml;rlich, sondern sperrangelweit. Ans Fl&uuml;chten mag hier dennoch keiner denken, zu rar sind die Auftritte der Briten ges&auml;t. Zudem handelt es sich um den letzten Gig der 72 (oder waren es 76?) Gigs  umfassenden World-Tour, die ja streckenweise mit der Ed Force One absolviert wurde. Dementsprechend erscheint Bruce auch mal mit Affenmaske und verteilt lustig Bananen unters Volk. Eddies Auftritt darf nat&uuml;rlich nicht fehlen; dieser darf sich dabei auch mal gepflegt am Sack kratzen. Dem aktuellen Weltgeschehen k&ouml;nnen sich auch Iron Maiden nicht verschlie&szlig;en und Bruce hat auch hier passende Worte am Start, gefolgt vom Titelsong der aktuellen Langrille. Auch wenn man es schon hunderte Male geh&ouml;rt hat: "Fear Of The Dark" aus tausenden Kehlen gesungen zaubert einem immer noch eine Ganzk&ouml;rperg&auml;nsehaut. Ganz gro&szlig;es Kino. Bruce stellt dann gegen Ende des Sets noch weitere Gigs im n&auml;chsten Jahr in Deutschland in Aussicht und er verspricht (aufgrund der Wetterlage), dass diese dann auch &uuml;ber ein Dach verf&uuml;gen. Das obligatorische "Iron Maiden" incl. &uuml;berdimensionalem Eddie hintern Drumkit beschlie&szlig;t dann auch den regul&auml;ren Teil des Sets, ehe die durchaus bekannten Worte "Woe to you, oh Earth and Sea, for the Devil sends the beast with wrath..." den Zugabenteil einl&auml;uten. Es folgt "Blood Brothers", ehe "Wasted Years" dann das Ende markiert. Ein grandioser Gig auf der Night to remember, auch wenn "Run To The Hills" schmerzlich vermisst wurde.<br />
  123. (Ray)</p>
  124. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/003 woa2016 lemmy.jpg" border="0" alt="Lemmy Kilmister" /></p>
  125. <p>Wir kehren an diesem Abend noch ein letztes Mal zur Black Stage zur&uuml;ck. Dort hei&szlig;t es nun Abschied nehmen von einer der gr&ouml;&szlig;ten Ikonen, die der Heavy Metal jemals hervorgebracht hat. &Uuml;ber die Videoleinw&auml;nde l&auml;uft ein kurzer Film, der die Geschichte der Band Mot&ouml;rhead und ihres Frontmanns Lemmy Kilmister, der am 28. Dezember des letzten Jahres verstorben ist, beleuchtet. Zeitgleich fliegt &uuml;ber der B&uuml;hne ein letztes Mal der Bomber, jene legend&auml;re Beleuchtungsanlage in Form eines Kampfbombers, die Mot&ouml;rhead bei ausgesuchten Konzerten mit dabei hatten. Nachdem Mot&ouml;rhead als Band f&uuml;r das diesj&auml;hrige W:O:A schon best&auml;tigt waren, wundert es nicht, dass im Anschluss an den Film die beiden hinterbliebenen Weggef&auml;hrten Mikkey Dee und Phil Campbell die B&uuml;hne betreten und sich bei den Fans f&uuml;r ihre Loyalit&auml;t und Unterst&uuml;tzung all die Jahre hindurch bedanken. Vermutlich ganz im Sinne von Lemmy wird der Abschied nicht sonderlich sentimental inszeniert. Das &auml;ndert aber nichts daran, dass Hunderte Fans vor der B&uuml;hne in diesen Momenten mehr als nur ein paar Tr&auml;nen vergie&szlig;en. Am Ende sto&szlig;en noch der Bandmanager und ein Teil der Crew dazu und sagen Lebewohl. Mit Lemmy endet auch die Band Mot&ouml;rhead, die (&auml;hnlich wie Saxon) &uuml;ber viele Jahre hinweg ein wichtiger Bestandteil des W:O:A war. Die Erinnerung aber bleibt. Das waren Mot&ouml;rhead und sie spielten... Rock 'n' Roll!<br />
  126. (Dagger)</p>
  127.  
  128. <p><span class="strong">Freitag, 05.08.2016</span></p>
  129. <p>Nach dem Regen, der uns gestern bei Iron Maiden &uuml;berrascht hatte, f&auml;llt der Gang durchs Infield heute Mittag ganz sch&ouml;n schwer. Der ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigte Wackenschlamm, der sich sicherlich noch nicht in seiner vollen Pracht gebildet hat, entwickelt bereits jetzt eine beachtliche Saugkraft, der manch eine Schuhsohle zum Opfer f&auml;llt. Ich muss zugeben, dass mich Orden Ogan schon sehr gereizt h&auml;tten, aber 11:00 Uhr war mir einfach zu fr&uuml;h. Da h&auml;tte man ja um zehn schon aufbrechen und auf den Shuttle-Service vom abgelegenen Presse-Zeltplatz zum Festivalgel&auml;nde warten m&uuml;ssen. </p>
  130. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/046c woa2016 beyond the black.jpg" border="0" alt="Beyond The Black" /></p>
  131. <p>Nun stehe ich mit etwas Versp&auml;tung schlie&szlig;lich vor der Party Stage, um mir Beyond The Black anzusehen. Wie in den letzten Jahren muss man sich schon eng in den Soundkegel der B&uuml;hne dr&auml;ngen, denn nebenan auf der Black Stage w&uuml;ten gerade Legion Of The Damned mit einer brachialen Lautst&auml;rke, die jeden Ton der Party Stage verschlingt, sobald man sich nur einen Tick weit von dort entfernt hat. Zum Brutalo Death-Thrash der Holl&auml;nder wirkt der Symphonic Metal von Beyond The Black geradezu harmlos. Die Combo um S&auml;ngerin Jennifer Haben hat aber dennoch eine stolze Audienz vor die B&uuml;hne gelockt, schlie&szlig;lich gelten Beyond The Black zu den gro&szlig;en Hoffnungstr&auml;gern in Sachen Female Fronted Metal aus deutschen Landen. Das wundert nicht weiter, wenn man erstsahnige Hits wie "In The Shadows", "Written In Blood" oder "Lost In Forever" zu h&ouml;ren bekommt. Auch an den gro&szlig;en Led-Zeppelin-Klassiker "Whole Lotta Love" wagt sich die vor Selbstbewusstsein nur so strotzende S&auml;ngerin heran und sorgt f&uuml;r G&auml;nsehaut wenn sie kurz darauf hinterm Keyboard Platz nimmt und Mot&ouml;rheads Pianoballade "Love Me Forever" in ein neues Licht r&uuml;ckt. Ein starker Gig und historisch vermutlich auch. Denn was man so h&ouml;rt, soll das gesamte Line-Up der Band um Jennifer Haben komplett ausgetauscht werden.<br />
  132. (Dagger)</p>
  133. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/051 woa2016 o reillys and paddyhats.jpg" border="0" alt="O'Reillys And The Paddyhats" /></p>
  134. <p>Dank der neuen Festivalorganisation ist der Biergarten gar nicht weit entfernt von der Party Stage und genau dorthin geht es nun. Erstens um sich einen k&uuml;hlen "Lemmy" in der Rainbow-Bar zu genehmigen und zweitens um einen Blick auf die Beer Garden Stage zu werfen, wo The O'Reillys And The Paddyhats ordentlich f&uuml;r Stimmung sorgen. Mein lieber Scholli! Die sieben sympathischen Multi-Instrumentalisten kommen zwar aus Grevelsberg, ihr Herz schl&auml;gt aber definitiv f&uuml;r die gr&uuml;nen Wiesen, die K&uuml;sten und den Whiskey Irlands. Mit ihrem rasanten Irish Folk Punk haben sie die Biergarten-Audienz mir nichts dir nichts im Griff, was wohl auch daran liegt, dass neben den fetzigen Eigenkomposition auch manch altgedienter Traditional der Marke "Whiskey In The Jar" oder "The Wild Rover" einen Weg ins Set der wilden Truppe gefunden hat. Neben den st&auml;ndigen Bl&ouml;deleien des beleibten Co-S&auml;ngers und Waschbrettspielers Jan McFlannigan sorgen die Einlagen eines irischen Volkst&auml;nzers f&uuml;r optische Unterst&uuml;tzung. Die W:O:A-Organisatoren wussten schon, warum sie die O'Reillys And The Paddyhats f&uuml;r gleich drei Nachmittage engagiert haben. Diese Band gilt es n&auml;mlich definitiv im Auge zu behalten!<br />
  135. (Dagger)</p>
  136. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/057 woa2016 equilibrium.jpg" border="0" alt="Equilibrium" /></p>
  137. <p>Nach der lustigen Sause im Biergarten zieht es mich vor die Party Stage, auf der die Bajuwaren Equilibrium ihren Set mit "Ankunft" und "Was Lange w&auml;hrt" beginnen. Das Areal vor der B&uuml;hne ist mehr als voll, weist jedoch angesichts der Bodenbeschaffenheit manche L&uuml;cke auf... nicht jeder will freiwillig im tiefen Schlamm stecken bleiben. Der Sound ist, wie bereits von Dagger beschrieben, nur  in einem engen Korridor gut zu genie&szlig;en, und den gilt es erstmal zu finden. Derweil fordert S&auml;nger Robse die Menge auf, die sich vor der B&uuml;hne langweilende Security etwas mehr zu besch&auml;ftigen, quasi der Kataklysm-Security-Stress-Test, nur halt auf Deutsch. Dieser Bitte folgen einige Surfer, aber von einer Auslastung der Security kann dennoch keine Rede sein. Mit "Born To Be Epic" kredenzen die Jungs auch einen neuen Song, der ordentlich reinl&auml;uft. Im Grunde ein solider Gig, wenn nicht ein kleiner Wermutstropfen bleiben w&uuml;rde: irgendwie macht S&auml;nger Rupse einen etwas wenig enthusiastischen Eindruck auf mich, was vor allem zwischen den Songs zum Ausdruck kommt. Da ich zwischenzeitlich besagten Soundkorridor immer noch nicht gefunden habe und bei meinem Standort &uuml;berwiegend Entombed A.D. von der Black Stage her&uuml;ber schallen, mache ich mich auch mal dorthin auf.<br />
  138. (Ray)</p>
  139. <p>Als ich dann endlich vor der Black Stage ankomme, liegen Entombed A.D. auch schon in den letzten Z&uuml;gen, denn nach "Wolverine Blues" folgt mit "Left Hand Path" auch schon der vorletzte Song. Im Grunde ist es kein Wunder, dass Entombed A.D. auf Songmaterial von Entombed zur&uuml;ck greifen, denn das wollen die zahlreichen Fans vor der B&uuml;hne auch h&ouml;ren. Es ist gut was los, die dichte Menge reicht bis zum Mischpult, danach wird es jedoch deutlich lichter. Mit viel Beifall werden die Schweden in den Feierabend verabschiedet.<br />
  140. (Ray)</p>
  141. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/061a woa2016 asrock.jpg" border="0" alt="Asrock" /></p>
  142. <p>Die Sonne scheint warm, wir sitzen gerade wieder (bzw. immer noch) sch&ouml;n im Biergarten und der Gerstensaft schmeckt. Daher bleiben wir doch noch eine Weile hier und lauschen weiterhin dem Programm auf der kleinen aber feinen B&uuml;hne. Mit Asrock steht dort nun eine lokale Band aus dem Kreis Steinburg auf dem Programm, die sich handgemachten, bluesigen Hardrock auf ihr Banner geschrieben hat. Zugegeben, der Frontmann schaut schon irgendwie ein wenig assig aus und drum wundert es nicht weiter, wenn auch ein Qu&auml;ntchen Punk im erdigen und recht rotzigen Sound der Truppe vertreten ist. Gespielt werden Cover bekannter Rock-Klassiker, aber auch eigene Lieder. Als Background hier im Biergarten im Grunde genau die richtige Mucke, man muss aber schon erw&auml;hnen, dass es nach den O'Reilley's und den Paddyhats direkt vor der B&uuml;hne recht leer geworden ist.<br />
  143. (Dagger)</p>
  144. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/065 woa2016 blechblosn.jpg" border="0" alt="Blechblosn" /></p>
  145. <p>Mit Blechblosn aus unserem sch&ouml;nen Bayern betreten einmal mehr Stammg&auml;ste des W:O:A die Beergarden Stage. Die Jungs beweisen auch eindrucksvoll, warum sie in sch&ouml;ner Regelm&auml;&szlig;igkeit auf die B&uuml;hne im hohen Norden unserer Republik eingeladen werden. Die Stimmung ist sofort top, was zum einen an der Show der Jungs liegt und zum anderen wohl auch am inzwischen vorhanden Promillepegel der anwesenden Fans. Die Songauswahl l&auml;dt aber auch zum Tanzen und Mitgr&ouml;len ein, egal ob es nun hei&szlig;t "Wir Fahren Mit dem Bob", "Was Ich Dir Nur Mal Eben Sagen Wollte..." oder ob man mal "Narcotic" auf der Klarinette anstimmt. Auch wenn so mancher mit dem Text von "Brenna Tuats Guat" so seine Schwierigkeiten hat, so hindert es ihn nicht, es trotzdem lauthals zu versuchen. Quasi der olympische Gedanke ist es, was z&auml;hlt. Nach einer runde leistungshemmender Getr&auml;nke (=Schn&auml;pse) f&uuml;r die Musiker folgt wohl der Klassiker aller bayerischen Rocksongs ("Skandal Im Sperrbezirk"), ehe "David Lee Roth" h&ouml;chstselbst "Jump" intoniert. Ja, diese Band macht einfach Laune. Danach geht dann auch langsam die "Sonne" unter und man begibt sich wieder auf Nahrungssuche.<br />
  146. (Ray)</p>
  147. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/072 woa2016 sub dub micromachine.jpg" border="0" alt="Sub Dub Micromachine" /></p>
  148. <p>Hierzu treibt mich der Hunger einmal mehr ins Wackinger Village, wo ich noch die letzten Songs von Sub Dub Micromachine mitbekomme. Der Mix aus Alternativ- und Industrial Metal hat eine ordentliche Schar vor die B&uuml;hne gelockt, die auch gut mitgeht. Kein Wunder, denn der stampfende Rhythmus findet und bohrt sich seinen Weg in die Geh&ouml;rg&auml;nge. Das endzeitliche Outfit unterstreicht den Sound noch zus&auml;tzlich. Sehr fein, sollte man im Auge bzw. im Ohr behalten.<br />
  149. (Ray)</p>
  150. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/076a woa2016 tarja.jpg" border="0" alt="Tarja Turunen" /></p>
  151. <p>Um 21:00 Uhr verschl&auml;gt es mich mal wieder vor die Black Stage. Dort spricht Tarja Turunen &uuml;ber die Videowall zu uns und zeigt Ausschnitte von ihrem gestrigen Konzert in der Wackener Dorfkirche, dessen Besuch im Festivalticket allerdings nicht inkludiert war. Nach diesen ruhigen T&ouml;nen k&uuml;ndigt sie an: "And now let's rock!" Gesagt, getan! Der Vorhang f&auml;llt und die Rockdiva l&auml;sst es in schwarz-wei&szlig; geflecktem Outfit tats&auml;chlich ganz ordentlich krachen. Zu flotten Rockern der Marke "No Bitter End", "Never Enough" oder "500 Letters" posiert die ehemalige Nightwish-Frontdame in jeder nur erdenklichen Metalmanier. Dass sie in der Metal-Gemeinde mit ihrer Solo-Karriere jedoch nicht ann&auml;hernd den R&uuml;ckhalt hat, wie ihn ihre ehemalige Band genie&szlig;t, zeigen schon die - trotz Prime Time - recht lichten Reihen vor der B&uuml;hne. Dessen ungeachtet bringt sie auch eine kleine Nightwish-Medley im Set unter, ehe sie Arch Enemys Fronterin Alissa White-Gluz als Unterst&uuml;tzung zu "Demons In You" auf die Bretter holt. Dass dieser kleine blauhaarige Schlumpf nicht nur b&ouml;se keifen, sondern auch hervorragend singen kann, d&uuml;rfte sich mittlerweile herum gesprochen haben. In diesem Augenblick demonstriert sie ihre beiden Talente, wozu schon ein dickes Paar Kl&ouml;ten n&ouml;tig ist, wenn man neben einer Ikone wie Tarja zu bestehen hat. Mit dem b&auml;renstarken Doppel "Until My Last Breath" und "Die Alive" endet ein Gig, den ich so energetisch und heavy nicht erwartet hatte!<br />
  152. (Dagger)</p>
  153. <p>Derweil treibt mich die Neugier einmal mehr zu den Zeltb&uuml;hnen, wo die Franzosen Alcest vor sehr gut gef&uuml;llter Kulisse auftreten. Was man hier zu h&ouml;ren bekommt, wei&szlig; wahrlich zu fesseln, auch oder gerade weil es schwer zu beschreiben ist. Ist es Avantgarde? Ist es Black Metal? Ist es Post-wasauchimmer? Fakt ist, dass der Sound von Alcest von Gegens&auml;tzen lebt. Ruhige, atmosph&auml;rische Kl&auml;nge und Passagen treffen auf w&uuml;ste, brachiale Eruptionen. Klarer, gef&uuml;hlvoller Gesang wird im n&auml;chsten Moment von schwarzmetallischem Keif-/Kr&auml;chzgesang mal eben zunichte gemacht. Diese Musik ist nichts zum Abgehen, sondern vielmehr um sich treiben, mitrei&szlig;en zu lassen. Ja, so muss intensive Musik klingen. Das sehen auch die zahlreichen Fans vor der B&uuml;hne, die geduldig auch den letzten zarten Ton verklingen lassen, ehe sie mit Beifall antworten.<br />
  154. (Ray)</p>
  155. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/090 woa2016 1349.jpg" border="0" alt="1349" /></p>
  156. <p>Nun wird es aber wieder Zeit, den Kn&uuml;ppel aus dem Sack zu holen. Die Norweger 1349 mit Drum-Ikone Frost geben sich die Ehre. Stilecht erfolgt der Soundcheck vorab nicht mit dem &uuml;blichen "one, Two" sondern mit "Satan? Satan! SAAAATAAAAAN!!!". So muss es sein. Dann aber geht die dunkle Raserei los und Songs wie "Exorcism" oder "Postmortem" werden einem um die Ohren geblasen. Untermalt von reichlich Flammenwerfern kommt auch der visuelle Aspekt hier nicht zu kurz. Die Norweger verstehen einfach ihr Handwerk, freundliche Minen sucht man hier vergebens auf der B&uuml;hne. Die zahlreichen Fans danken es mit lautem Beifall zwischen den Songs... Zeit genug haben sie daf&uuml;r, denn eilig haben es 1349 nicht. Nach 45 Minuten ist jedoch bereits wieder Schluss, mit etwas weniger Pausen zwischen den Songs h&auml;tte sicherlich noch einer reingepasst.<br />
  157. (Ray)</p>
  158. <p>Zur&uuml;ck zum Infield, genauer gesagt zur True Metal Stage, wo uns der Headliner des heutigen Abends empf&auml;ngt. Die Progressive-Power-Stars Blind Guardian z&auml;hlen zu den gr&ouml;&szlig;ten Exportschlagern in Sachen Heavy Metal aus Deutschland und haben nun einmal mehr Gelegenheit, ihrem Ruf als ausgezeichnete Liveband gerecht zu werden. Kurzum: Hansi K&uuml;rsch und seine W&auml;chter kommen, sehen und siegen. Mit Klassikern wie "Nightfall", "Lord Of The Rings", "Time What Is Time" oder dem brachialen "Imaginations From The Other Side" und einer fetten Lichtshow haben sie die im Infield versammelten Massen schnell f&uuml;r sich gewonnen. Die Musiker und vor allem Hansi am Mikro zeigen sich in Topform. Da wirkt die Leistung eines gewissen Herrn Dickinson vom gestrigen Abend fast ein wenig blass daneben. Dass Guardian-Fans zu den singst&auml;rksten &uuml;berhaupt geh&ouml;ren zeigt sich (wie gewohnt) beim "Bard's Song", aber auch im furios aufgespielten Finale aus "Mirror Mirror" und "Valhalla", dessen Chorus von den Fans ins Endlose gezogen wird, w&auml;hrend sie der Herr in der Schie&szlig;bude mit seinen Drum-Salven bestreicht. G&auml;nsehaut! Genial!<br />
  159. (Dagger) </p>
  160. <p>Vor ein paar Jahren noch h&auml;tte sich der brave Redaktion im Anschluss bestimmt noch den halben Gig von Ministry auf der Black Stage und den halben Gig von Unisonic auf der Party Stage angesehen. Aber der Zahn der Zeit beginnt offenbar von unten zu nagen und meine Fu&szlig;sohlen f&uuml;hlen sich an, als w&uuml;rden ein paar fiese Kobolde ein Lagerfeuer darunter sch&uuml;ren. Also Schluss f&uuml;r heute und zur&uuml;ck zum Camp. Wenigstens werden wir bei unserer beschwerlichen Reise durch den Schlamm noch von Ministrys m&auml;chtigen Industrial-Sounds begleitet.<br />
  161. (Dagger)</p>
  162.  
  163. <p><span class="strong">Samstag, 06.08.2016</span></p>
  164. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/116c woa2016.jpg" border="0" alt="WOA2016" /></p>
  165. <p>Schon ist wieder der letzte Festivaltag angebrochen! Recht kalt ist es drau&szlig;en, was fr&uuml;h morgens durchaus den Vorteil hat, dass man mal etwas l&auml;nger im Schlafsack liegen bleiben kann. Gegen 10:00 Uhr zieht dann allerdings eine Sturmfront auf das Gel&auml;nde zu. Der Himmel verdunkelt sich in rasender Geschwindigkeit und es folgen heftiger Wind, Starkregen und Hagel f&uuml;r etwa 20 Minuten, so dass wir unseren Pavillon festhalten m&uuml;ssen.</p>
  166. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/108 woa2016 year of the goat.jpg" border="0" alt="Year Of The Goat" /></p>
  167. <p>Mit dieser Wetterkapriole, die zum Gl&uuml;ck den ganzen Tag lang keine Wiederholung erfahren soll, kehrt nun der heimliche Hauptdarsteller, der sich gestern bereits angek&uuml;ndigt hat, endg&uuml;ltig auf das Festival zur&uuml;ck: der Schlamm... oder auch Modder, wie ihn die Einheimischen nennen. Endlich ist es wieder an der Zeit f&uuml;r die ausgelassenen Schlammschlachten im Infield, die ein beliebtes Fotomotiv der Boulevardpresse sind. Davon unbeeindruckt k&auml;mpfen wir uns um 14:35 Uhr aber erst einmal zum Bullhead City Circus, genauer zur W.E.T. Stage, wo nun die schwedischen Senkrechtstarter Year Of The Goat zu sehen sind. Mag sein, dass f&uuml;r deren d&uuml;steren Retro-Rock der fr&uuml;he Nachmittag die falsche Zeit ist, die melancholischen Songs kommen aber dennoch ausgesprochen intensiv her&uuml;ber. Schwerpunkt der Liedauswahl liegt auf dem aktuellen und wohl auch bislang st&auml;rksten Output The Unspeakable, dessen eindringliche Nummern von den zahlreich versammelten Fans dankend angenommen werden. Ein au&szlig;ergew&ouml;hnlicher und intensiver Start in den heutigen Tag. Auf diesem Qualit&auml;tslevel darf es gerne weitergehen!<br />
  168. (Dagger)</p>
  169. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/113 woa2016 devil driver.jpg" border="0" alt="Devil Driver" /></p>
  170. <p>W&auml;hrenddessen im Infield, genauer gesagt auf dem Weg zur Party Stage, habe ich mit den Widrigkeiten des Gel&auml;ndes zu k&auml;mpfen: ein Schritt nach vorne, zwei zur Seite geglitten. Irgendwann komme ich dann doch staksender Weise vor der Party Stage an, wo Devil Driver gerade mitten im Set sind und den Kater des Vortages vertreiben. Das Areal ist prall gef&uuml;llt, was angesichts der Abrissbirnen, die da durch die PA gedr&uuml;ckt werden, auch kein Wunder ist. Weit vorne kann ich auch einen Pit ausmachen, Respekt sag ich da nur. Der Energielevel ist schon sehr hoch zu dieser Uhrzeit, und das nicht nur auf, sondern auch vor der B&uuml;hne. Fronter Dez Fafara zeigt sich auch sichtlich beeindruckt und bringt es mit "It is a fucking honour for every fucking metal band to play this fucking festival" auf den Punkt. Schade nur, dass fast w&auml;hrende des gesamten Sets die linke Videowall zur H&auml;lfte ausgefallen ist, denn so bleibt f&uuml;r viele nur der Blick auf den Hinterkopf des Vordermannes.<br />
  171. (Ray)</p>
  172. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/115 woa2016 9mm.jpg" border="0" alt="9mm Assi Rock'N'Roll" /></p>
  173. <p>Zur&uuml;ck im Bullhead City Circus: Gleich im Anschluss an Year Of The Goat str&ouml;men die Menschenmassen nur so ins Zelt, denn auf der benachbarten Headbangers Stage zelebrieren nun 9mm Assi Rock'N'Roll ihre grobschl&auml;chtige Mixtur aus deutschsprachigem Schweinerock, Punk und Heavy Metal. Die Musik ist dabei so grob und h&auml;sslich wie die Musiker selbst - der Moderator im Zelt hatte mit einem Augenzwinkern ja schon eine ausgesprochen attraktive Band angek&uuml;ndigt. Aber die Leute stehen eben auf eing&auml;ngig Provokatives wie eben "Geh Mir Aus Den Augen", "Nitro Killers" oder "300 M&auml;nner". Live auf einer B&uuml;hne erlebt, macht die Mucke auch deutlich mehr Spa&szlig; als auf CD, das muss man schon einr&auml;umen. Genau der richtige Soundtrack, um sich die n&auml;chste Halbe am Tresen zu bestellen, auf ex zu st&uuml;rzen und die M&auml;hne zu kreisen! Prost!<br />
  174. (Dagger)</p>
  175. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/116 woa2016 monstagon.jpg" border="0" alt="Monstagon" /></p>
  176. <p>Wenn wir schon einmal da sind, begeben wir uns auch auf einen kleinen Spaziergang durch das benachbarte Wackinger Village, einen Mittelaltermarkt, der durch die Jahre eine Dimension erreicht hat, wie man es woanders erst einmal finden muss. An dessen Ende befindet sich die Wasteland Stage in postapokalyptischem Schrottdesign. Neben n&auml;chtlichen Feuershows spielen tags&uuml;ber dort auch einige Bands. Gerade donnern z.B. die Hannoveraner von Monstagon im Mad-Max-Look ihren brachialen, industriell angehauchten Metal durch die Boxen und liefern damit auch optisch eine coole Show. Wir sind aber auf der Suche nach etwas Essbarem und landen erst bei einem Fleischspie&szlig;, dann bei einem Barbarenspie&szlig;, wo noch ein bissl Brot mit dran h&auml;ngt. Komisch, irgendwie wird hier alles in Spie&szlig;form serviert - hatten die im Mittelalter denn kein Besteck? Na egal. Der Magen ist voll, die Motivation ist da und drum begeben wir uns auf den schlammigen Marsch zum Infield.<br />
  177. (Dagger)</p>
  178. <p>W&auml;hrend dessen versammeln sich im Pressezelt die Journalisten aus aller Herren L&auml;nder um der Pressekonferenz der Veranstalter beizuwohnen. Wie immer mit dabei sind die beiden Veranstalter Thomas Jensen und Holger H&uuml;bner, Produktionsleiter Thomas Hess sowie Vertreter der Polizei, der Feuerwehr, des Roten Kreuzes sowie des Ordnungsamtes. Das Festival verl&auml;uft in gewohnt-geordneten Bahnen, alle Beteiligten sind voll des Lobes. Der Vertreter des Ordnungsamtes bringt es dabei mit den Worten "ich wei&szlig; nicht, was ich hier soll, ich erz&auml;hle jedes Jahr den gleichen Kack, alles l&auml;uft super" auf den Punkt und sichert sich damit reichlich Beifall. Die &ouml;rtliche Polizei konnte zudem eine organisierte Bande dingfest machen, die bereits auf anderen Festivals aktiv war und vor denen gewarnt wurde. Da sieht man mal, wie vernetzt heutzutage alles ist. Nachdem auch keinerlei Fragen seitens der anwesenden Journalisten gestellt werden, ist die PK auch recht schnell durch. Zum Abschluss gibt es dann noch einen kleinen Trailer zum anstehenden Festival 2017, bei dem sich das Open Air sowohl optisch als auch lautstark in Szene zu setzen wei&szlig;. Da klingeln einem durchaus die Ohren.<br />
  179. (Ray) </p>
  180. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/121a woa2016 metal church.jpg" border="0" alt="Metal Church" /></p>
  181. <p>Meine Holde liefere ich im Biergarten ab, w&auml;hrend ich selbst weiter zur True Metal Stage stakse, um eine Bildungsl&uuml;cke zu schlie&szlig;en. Dort treten n&auml;mlich die altehrw&uuml;rdigen Metal Church, die ich noch nie live gesehen habe, eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit mit uns an. Chef-Gitarrist Kurdt Vanderhoof und seine Mitstreiter aus Seattle zeigen sich bei sonnig-sch&ouml;nem Wetter in bester Spiellaune und ballern uns ihren US-Power-Metal um die Ohren. Am Mikro brilliert kein anderer als Mike Howe, der schon 1988 bis 1994 der Kulttruppe seine Stimme lieh und seit 2015 wieder mit im Boot ist. "No Tomorrow" und "Killing Your Time" vom letzten Album f&uuml;gen sich daher v&ouml;llig nahtlos zwischen die alten Klassiker, von denen sp&auml;testens die riffgewaltige Powerballade "Watch The Children Pray" G&auml;nsehaut garantiert. Mission erf&uuml;llt. Bildungsl&uuml;cke geschlossen!<br />
  182. (Dagger)</p>
  183. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/117 woa2016 snowy shaw.jpg" border="0" alt="Snowy Shaw" /></p>
  184. <p>Irgendetwas sagt mir, dass ich zeitig zum Gig von Dritte Wahl im Zelt sein muss, und so begebe ich mich auch flugs dorthin. Drinnen angekommen bekomme ich noch den Set von Snowy Shaw mit. Die B&uuml;hne ist stimmungsvoll als Friedhofsgel&auml;nde dekoriert und die Musiker stehen mit ihren Kapuzenkutten regungslos da und &uuml;berlassen Mr. Shaw die Show. Dieser f&uuml;hlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle und tr&auml;llert sich durch Coverversionen von King Diamond und Dimmu Borgir. Den Fans vor der B&uuml;hne gef&auml;llt's, auch wenn das Zelt noch &uuml;bersichtlich bef&uuml;llt ist. Zum Abschluss gibt es noch das allseits bekannte "Fire", ehe der Vorhang zugezogen wird.<br />
  185. (Ray)</p>
  186. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/123 woa2016 dritte wahl.jpg" border="0" alt="Dritte Wahl" /></p>
  187. <p>Nun ist es also soweit, 18 Jahre nach ihrem ersten Gig auf dem Holy Wacken Land betreten die Rostocker Dritte Wahl wieder eine B&uuml;hne dieses Festivals. Ganz im Sinne von Men In Black ist das B&uuml;hnendesign gehalten, getreu ihrem aktuellen Album Geblitzdingst. Damit steigen die Jungs auch in ihr Set ein. Stefan (Bass; Gesang) nutzt dann auch gleich die Gunst der Stunde und post wie ein junger Gott vor den Fotografen, die im Graben umherwuseln. Da macht es auch keinen Unterschied, ob er dabei spielt oder nur so tut als ob... Die Stimmung im vollen Zelt ist sofort top, und auch der Pit l&auml;sst nicht lange auf sich warten. Dieser nimmt dann auch recht ansehnliche Ausma&szlig;e an und erstreckt sich des &Ouml;fteren &uuml;ber die komplette B&uuml;hnenbreite. Die Songauswahl reicht dabei von der Neuzeit ("Wo Ist Mein Preis?") bis zur&uuml;ck ins Jahr 1996 ("So Wie Ihr Seid"). Die Band hat sichtlich Spa&szlig;, auch wenn Gunnar (Gitarre, Gesang) verletzungsbedingt bewegungstechnisch eingeschr&auml;nkt ist, was ihm auch gleich ein allgemeines "ohhhhhhhhh" einbringt. Selten einen Gig gesehen, der so viel Spa&szlig; macht. Nur leider, ja leider ist auch dieser viel zu schnell wieder vorbei und mit "Fliegen" schallt auch schon der letzte Song durchs Zelt. Der Refrain hierzu wird dankend von den Fans aufgenommen und lauthals mitgesungen. Immer und immer wieder werden die Zeilen "Aber ich m&ouml;chte fliegen, Ganz weit oben &uuml;ber'm Meer, Und dann sehe ich all die Schei&szlig;e, All die Schei&szlig;e, Hier unten gar nicht mehr" von neuem angestimmt, dass selbst die Band auch nach dem Set durch den bereits zugezogenen Vorhang blicken muss. Da k&ouml;nnen einem die nachfolgenden (und bereits auch spielenden) Drone fast schon leidtun, denn diese Zeilen verstummen nicht zu schnell.<br />
  188. (Ray)</p>
  189. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/134 woa2016 drone.jpg" border="0" alt="Drone" /></p>
  190. <p>Die Wacken Metal Battle Gewinner 2006 Drone haben wie bereits erw&auml;hnt einen eher holprigen Start, denn w&auml;hrend sie ihren groovigen Thrash Metal bereits durch die PA der W:E:T Stage pr&uuml;geln, singen nebenan vor der Headbanger Stage noch die letzten &Uuml;berreste der Dritte Wahl-Fans weiter den Refrain zu "Fliegen". Doch am Ende siegt dann doch die Lautst&auml;rke... das Zelt ist jedoch deutlich leerer als noch bei den Rostockern. Das tut der Stimmung jedoch keinen Abbruch, denn die ist gut. Kein Wunder, besagte Mischung aus Thrash und Groove l&auml;uft ordentlich rein. Recht fr&uuml;h im Set greift man bei "Welcome To The Pit" bereits auf einen musikalischen Gast zur&uuml;ck, Britta von den (noch sehr viel) sp&auml;ter auftretenden Cripper gibt sich die Ehre. Schade nur, dass Fronter Mutz hier noch extra nachhelfen muss, um der Dame den n&ouml;tigen Empfang bereiten zu k&ouml;nnen. Langsam meldet sich dann doch wieder der Hunger bei mir, so dass ich das Set vorzeitig zur Nahrungsaufnahme verlassen muss.<br />
  191. (Ray)</p>
  192. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/139b woa2016 the goddamn gallows.jpg" border="0" alt="The Goddamn Gallows" /></p>
  193. <p>Bei acht B&uuml;hnen hat man in Wacken bekanntlich immer die Qual der Wahl. So hadere ich nun mit mir, ob ich mir nach vielen Jahren mal wieder die Metal-Symphoniker Therion auf der Black Stage oder doch lieber die hierzulande nahezu unbekannten Goddamn Gallows auf der Beergarden Stage ansehen soll. Ich entscheide mich f&uuml;r den Underdog und bereue meine Entscheidung zu keiner Sekunde. Mit ihrer wilden Mischung aus Country, Americana und Punk - vorgetragen mittels Kontrabass, Mandoline, Akkordeon und Banjo nebst den obligatorischen E-Gitarren - ist das schwer t&auml;towierte Kollektiv definitiv ein Exot auf dem diesj&auml;hrigen W:O:A. Der "Gutterbilly", wie die Musiker ihre einzigartige Mischung selbst nennen, kommt beim Publikum derma&szlig;en gut an, dass ein kleiner Moshpit im Schlamm vor der B&uuml;hne nicht lange auf sich warten l&auml;sst. Auf diese Situation scheint der kleine Akkordeonist der Band gewartet zu haben. Der steigt geradewegs &uuml;ber die Absperrung, hechtet in den Modder und zieht die verdutzten Pogot&auml;nzer gleich mit rein. Was f&uuml;r eine Gaudi! Davon abgesehen, machen verr&uuml;ckte Nummern, wie "Y'All Motherfuckers Need Jesus" oder "Raise The Moon" einfach nur einen Mordsspa&szlig; und sind genau die richtige Beschallung f&uuml;r diesen feuchtfr&ouml;hlichen Ort!<br />
  194. (Dagger)</p>
  195. <p>So, gest&auml;rkt kann es nun in den Festivalendspurt gehen. Zu diesem Zwecke begebe ich mich weider flugs vor die W:E:T Stage, um auf die Norweger Einherjer zu warten. Dabei komme ich noch in den Genuss der letzten Songs von Gloryhammer auf der Headbanger Stage. Deren Power Metal der Marke Manowar meets Grailknights kommt im sehr gut gef&uuml;llten Rund (viele stehen sogar drau&szlig;en noch an, anstatt den linken Eingang zu nehmen, bei dem man bis vorne marschieren kann) wahrlich vortrefflich an, jeder Song wird gefeiert. Lustig anzusehen sind dabei die beiden Fanlager: auf der rechten B&uuml;hnenseite schwingt eine Gruppe ihre aufgeblasenen Thorsh&auml;mmer, auf der linken B&uuml;hnenseite werden die aufgeblasenen Schwerter im Takt geschwungen... zum Showdown in der Mitte kommt es dabei jedoch nicht. Irgendwie schade... Vor "Universe On Fire" kommt es noch zum Wettsaufen zwischen Bassist James Cartwright (nein, nicht von der Ponderosa-Ranch) und S&auml;nger Thomas Winkler, das mit viel gutem Willen an den Vocalisten geht. Beim finalen "The Unicorn Invasion Of Dundee" werden dann noch die Crowdsurfer fast im Sekundentakt nach vorne gereicht. Na, wenn das mal kein gelungener Auftritt war...<br />
  196. (Ray)</p>
  197. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/141 woa2016 einherjer.jpg" border="0" alt="Einherjer" /></p>
  198. <p>Dass ich das noch mal erleben darf: Dragons Of The North live. In Farbe und (fast) voller L&auml;nge... doch der Reihe nach. Das Licht geht aus, der Vorhang auf und "Dreamstorm" schallt einem entgegen. Einherjer feiern auf dem diesj&auml;hrigen W:O:A den 20gsten Geburtstag ihres Debutalbums aus dem Jahre 1996. Neu an der Gitarre von Ole Sonstabo verst&auml;rkt, der den Altersschnitt nach unten dr&uuml;ckt, folgt "Forever Empire" sowie "Conquerer". Ja, diese Songs haben auch 20 Jahre nach Erscheinen nichts von ihrer Durchschlagskraft verloren. Das Zelt ist sehr gut gef&uuml;llt w&auml;hrend die Norweger diese Songs zelebrieren. Ohne viel Drumherum, einfach nur mitten in die Fresse. Die Band wirkt tight und hat sichtlich Spa&szlig; an ihrem Auftritt. Den lassen sie sich auch nicht gegen Ende verderben, als ihnen deutlich gezeigt wird, dass nur noch vier Minuten Spielzeit &uuml;brig sind. Also noch eine kurze Ansprache und den Titelsong des Albums (immerhin &uuml;ber vier Minuten Spielzeit) gezockt. Als die Zeichen seitlich der B&uuml;hne immer hektischer und energischer werden, dass sie zum Ende kommen sollen, wird eben dieses in bester Manowar-Manier noch einmal eindrucksvoll in die L&auml;nge gezogen. Kein Wunder, dass die Stagehands nach dem letzten Ton zornig gleich den Vorhang zuziehen, so bleibt Einherjer das obligatorische Foto verwehrt. Aber es hat Spa&szlig; gemacht.<br />
  199. (Ray)</p>
  200. <p>Wie man auf die Schnelle ein gerade erst noch volles Zelt leer spielen kann, demonstrieren die folgenden Steak Number Eight eindrucksvoll. Nach dem nordischen Hymnen ist der Sludge Rock / Metal auch eine schwer verdauliche Kost und so treibt es mich mit fast allen anderen aus dem Zelt.<br />
  201. (Ray)</p>
  202. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/157 woa2016 elvenking.jpg" border="0" alt="Elvenking" /></p>
  203. <p>Drau&szlig;en angekommen, beginnen gerade die Italiener Elvenking ihr Set auf der Wackinger Stage. Das Areal ist ziemlich voll und auch ich verweile noch f&uuml;r ein paar Songs. Der Melodic Power Metal l&auml;uft sehr gut rein und die Stimmung ist top. Songs wie "The Wanderer" verbreiten gute Laune und so l&auml;sst auch die Bewegung vor der B&uuml;hne nicht lange auf sich warten. Gut, es k&ouml;nnte mehr sein, aber angesichts des Modders und drei Tage Festival kann man nicht mehr allzu viel verlangen. F&uuml;r mich ein guter Ausklang des Festivals, denn nun geht es zum Schlummertrunk zur&uuml;ck zum Zelt, um morgen auch fit f&uuml;r die dann doch lange R&uuml;ckreise zu sein<br />
  204. (Ray)</p>
  205. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/159a woa2016 buffalo summer.jpg" border="0" alt="Buffalo Summer" /></p>
  206. <p>Der eine geht, der andere kommt. Nach einer Verschnaufpause am Zelt geht es f&uuml;r mich noch einmal aufs Gel&auml;nde. Erster Anlaufpunkt ist der Bullhead City Circus. Dort absolvieren gerade Dagoba das letzte ihrer mitgebrachten Groove-Monster und werden vom zahlreich anwesenden Publikum sauber gefeiert. Doch ich bin hier, um mir etwas ruhigere T&ouml;ne zu g&ouml;nnen. Die walisische Band Buffalo Summer stehen auf US-Southern-Rock der Marke Lynyrd Skynyrd und liefern uns einen entspannten, bluesigen, aber keinesfalls langweiligen Gig. Gut, der S&auml;nger mit seinem femininen Tanzstil macht schon zu sehr einen auf Hippie und ist mir irgendwie nicht ganz geheuer. Die Songs z&uuml;nden aber schnell bei den wenigen Verbliebenen im Zelt. Zwischen drin f&auml;llt dann mal die E-Gitarre aus, was die Band aber locker-l&auml;ssig mit einem ausgiebigen Bass-Solo &uuml;berspielt. Schlie&szlig;lich haben die Waliser mit "Neverend" noch ein kleines Classic-Rock-Juwel am Start. Aber es hilft ja nichts, ich muss weiter und zwar in Richtung True Metal Stage und zum Headliner des heutigen Abends.<br />
  207. (Dagger)</p>
  208. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/160 woa2016 twisted sister.jpg" border="0" alt="Twisted Sister" /></p>
  209. <p>Ich passiere gerade die Kontrollen am Infield-Eingang, als die Show auf der True Metal Stage beginnt. Zum Einstieg in ihr heutiges Programm feuern Twisted Sister mit "Stay Hungry" eine hei&szlig;e Rakete ab und legen mit "The Kids Are Back" gleich ordentlich nach. Der mittlerweile 61-j&auml;hrige Frontmann Dee Snider zeigt sich in k&ouml;rperlicher sowie stimmlicher Bestform und strotzt nur so von guter Laune. Dabei g&auml;be es ja eigentlich Grund genug zur Trauer. Denn das hier ist das letzte Deutschlandkonzert der verdrehten Schwestern. Wenn Twisted Sister sagen, dass sie in Rente gehen, dann ist das nicht dasselbe, wie wenn die Scorpions sagen, dass sie in Rente gehen, oder Judas Priest! Das ist Herrn Snider schon sehr wichtig. Weiter im Text mit dem n&auml;chsten gro&szlig;kalibrigen Hit und zwar "Burn In Hell", zu dem die B&uuml;hne verdunkelt wird und Snider mit b&ouml;sem Grinsen den Beelzebub mimt, wenn er alleine von einem roten Bodenspot beleuchtet wird. Gro&szlig;artig auch "You Can't Stop Rock'N'Roll" und schlie&szlig;lich "The Fire Still Burns", das dem Bandschlagzeuger A.J. Pero gewidmet wird, der letztes Jahr in bester Rockstar-Manier w&auml;hrend einer Tour mit seiner anderen Band Adrenaline Mob &uuml;berraschend im Nightliner verstorben ist. Snider versinkt an dieser Stelle aber nicht etwa in Sentimentalit&auml;t, nein das blonde Gro&szlig;maul bleibt provokativ und frotzelt gegen Country-Hinterw&auml;ldler und die aktuelle Castingshow-Tradition im Fernsehen. Schlie&szlig;lich wird kein einziges dieser Kinder jemals vergleichbare Fans haben, wie sie eben Twisted Sister haben und schon gar nicht f&uuml;r volle 40 Jahre im Rampenlicht bleiben. Amen. Dazu l&auml;sst sich noch sagen "We're Not Gonna Take It", bei dem das Publikum gefragt ist, mitzusingen und im Anschluss die leuchtenden Smartphones zur Powerballade "The Price" anstelle der ausrangierten Feuerzeuge hoch in die Luft zu halten!<br />
  210. (Dagger)</p>
  211. <p><img class="bildlinks" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/122b woa2016.jpg" border="0" alt="WOA2016" /></p>
  212. <p>Ja das war schon ein denkw&uuml;rdiger Abschied und guter Schlussstrich f&uuml;r das W:O:A 2016. Die Heavyhardes-Crew verabschiedet sich f&uuml;r diesen Abend ins Camp, wenngleich das musikalische Programm noch zwei Stunden weitergeht. Aber wir haben uns f&uuml;r morgen eine extra fr&uuml;he Abreise vorgenommen, um nicht im obligatorischen Stau auf der A23 in Richtung Hamburg zu enden. Daher verzichten wir auch schweren Herzens auf den Gig von Arch Enemy.</p>
  213. <p><img class="bildrechts" src="http://www.heavyhardes.de/bilder/vorschau.php?bild=wacken/woa2016/122 woa2016.jpg" border="0" alt="WOA2016" /></p>
  214. <p>Welche Bilanz l&auml;sst sich nun ziehen nach Ablauf des 27. Wacken Open Airs? Das Taschenverbot mag f&uuml;r viele &auml;rgerlich gewesen sein, hat aber den Durchlass bei der Kontrolle sicherlich beschleunigt. Wetterm&auml;&szlig;ig war alles dabei: Sonne, Regen, Wind, Sturm und Hagel. Die Schlammfans kamen auf ihre Kosten und die Atmosph&auml;re war einmal mehr friedlich und entspannt. Eine lange Reihe unsterblicher Rock- und Metalhits, wie "Number Of The Beast", "Juke Box Hero", "Here I Go Again" oder eben "We're Not Gonna Take It" schallten &uuml;ber das Gel&auml;nde. Maiden entt&auml;uschten leider etwas mit einem fehlerhaften Mikro-Sound (oder hat der gute Bruce seine besten Jahre halt einfach hinter sich?). Daf&uuml;r gab es gerade auf den kleineren B&uuml;hnen eine gro&szlig;e Zahl an Perlen und Newcomern zu entdecken. Mit unserer bescheidenen Crew ist es allerdings nicht m&ouml;glich stets vor allen acht B&uuml;hnen gleichzeitig zu sein. Daher kann dieser Bericht auch nur ein kleiner Auszug dessen sein, was man in Wacken erleben kann und zwar nicht nur vor den B&uuml;hnen, sondern auf den Zeltpl&auml;tzen, dem Moviefield, dem Schwimmbad oder all den anderen Locations, die Teil dieser gewaltigen Festival-Maschine sind. Sch&ouml;n war's und wir hoffen, auch 2017 wieder von hier erz&auml;hlen zu k&ouml;nnen!<br />
  215. (Dagger)<br />
  216. </p>
  217. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  218. <link>http://www.heavyhardes.de/live-659.html</link>
  219. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-659.html</guid>
  220. </item><item>
  221. <title>Summer Breeze u.a. mit Slayer &amp; Airbourne</title><description><![CDATA[<p>Das Summer Breeze 2016 sollte mit dem Auftritt von Mot&ouml;rhead etwas ganz Spezielles werden, woraus aus bekannten Gr&uuml;nden leider nichts wird. Dennoch atmet das Festival den Geist des Rock'n'Roll und vor allem den Geist des verstorbenen Mot&ouml;rhead-Fronters Lemmy Kilmister wie vielleicht noch nie zuvor, was sich auch im Merch ausdr&uuml;ckt, denn hier gibt es speziell an Mot&ouml;rhead angelehnte Motive zu erwerben.<br />
  222. Wie im Vorjahr bereits bew&auml;hrt, reisen viele G&auml;ste am Dienstag an, um sich die besten Pl&auml;tze zu sichern. Diese Praxis wird sich wohl auch in Zukunft durchsetzen. Neu dagegen ist der auf dem Camping Areal platzierte sog. Campsite Circus, in dem es zum einen eine Ausstellung diverser K&uuml;nstler und ber&uuml;hmt-ber&uuml;chtigter Albumcover zu sehen gibt und zum anderen finden dort immer wieder kleinere Auftritte im famili&auml;ren Rahmen statt. H&ouml;hepunkt hierbei d&uuml;rfte sicherlich der Auftritt der Kinderrockband Randale sein, zu dem Eltern mit Kindern freien Eintritt haben.<br />
  223. Ebenfalls neu ist die erweiterte Soundanlage auf dem Festivalgel&auml;nde, die auch Besuchern im hinteren Bereich des Rund ordentliche Klangqualit&auml;t bieten soll.<br />
  224. Im Hinblick auf die kurz vorher stattgefundenen Terroranschl&auml;ge werden die Zuschauer aufgerufen, Taschen und Rucks&auml;cke m&ouml;glichst im Camping Areal zu lassen, aber auch sonst f&uuml;hren die Ordnungskr&auml;fte deutlich sorgf&auml;ltigere Kontrollen durch, wodurch aber die entspannte Atmosph&auml;re nicht beeintr&auml;chtigt wird.</p>
  225. <p><span class="strong">Donnerstag, 18.08.2016</span></p>
  226. <p>Allzu viel habe ich mir von Omnium Gatherum nicht erwartet, zumindest was die Zuschaueranzahl anbelangt. Aber weit gefehlt, die Finnen ziehen erstaunlich viele Zuh&ouml;rer an, so dass der Platz vor der B&uuml;hne durchaus kuschelig gef&uuml;llt ist. Musikalisch sind Omnium Gatherum erhabenst, die Truppe um Fronter Jukka Pelkonen wei&szlig;, wie sie ihren melodischen Death Metal zu servieren hat. Hart aber mit Gef&uuml;hl, melodisch aber mit ausreichender H&auml;rte. Kein Wunder also, dass das Sextett schon bald lautstark gefeiert wird und mit der originellen Omnium Gatherum-Pommesgabelhaltung belohnt wird. Dufte Band mit duften Songs, die dufte Stimmung verbreitet und der man gerne wieder Tribut zollt!</p>
  227. <p>Einen richtig schlechten Exodus-Gig habe ich bisher noch nicht erlebt. Somit ist die Vorfreude auf die Bay-Area-Recken ziemlich gro&szlig; und damit bin ich wahrlich nicht alleine. Von Beginn an werden Steve "Zetro" Souza und Co. abgefeiert und mit jedem weiteren Song steigert sich die Stimmung: "Body Harvest", "A Lesson In Violence", "The Toxic Waltz" oder das Finale "Strike Of The Beast" lassen dann auch kaum W&uuml;nsche &uuml;brig. Irgendwie komisch, dass Exodus ohne Gary Holt auftreten, der ja mit Slayer ebenfalls auf dem Summer Breeze gastiert. Egal, das h&auml;lt jedenfalls keinen davon ab, die Matte nach allen Regeln der Kunst zu sch&uuml;tteln und Exodus mit den obligatorischen "Horns" zu feiern, die Zetro so vehement einfordert.</p>
  228. <p>Wer sie schon mal gesehen oder geh&ouml;rt hat, der wei&szlig; woher all die neuartigen Melodic Death Metal-Bands ihre Inspirationen beziehen, n&auml;mlich von At The Gates. Die Schweden, denen mit Slaughter Of The Soul ein Genre-Meilenstein gelungen ist und der eine Art Prototyp f&uuml;r modernen melodischen Death Metal darstellt, zeigen sich allerbester Laune, vor allem Fronter Tomas Lindberg spr&uuml;ht geradezu vor Energie und huscht energisch &uuml;ber die B&uuml;hne. Diese Energie verfehlt neben den Songs ihre Wirkung nicht und &uuml;bertr&auml;gt sich z&uuml;gig auf das Publikum, das Kracher der Marke  "Suicide Nation", "Blinded By Fear", "Under A Serpent Sun" oder "Slaughter Of The Soul" gierig aufsaugt und entsprechend euphorisch reagiert. Aber was soll man auch gro&szlig; tun, wenn einem Gro&szlig;kaliber um Gro&szlig;kaliber um die Ohren geblasen wird? Nix, au&szlig;er m&auml;chtig abhotten.</p>
  229. <p>Airbourne sind an mir bisher immer irgendwie vorbei gegangen, liefen als mehr oder weniger guter AC/DC-Klon. Nun, man kann ihnen auch nach diesem Auftritt eine gewisse &Auml;hnlichkeit zu den australischen Rock-Dinos nicht absprechen, aber ebensowenig l&auml;sst sich dar&uuml;ber diskutieren, dass Airbourne einfach eine schweinegeile Live-Band sind. Das liegt nicht nur an den Gute-Laune-Riffs- und Melodien, die quasi im Sekundentakt in den &Auml;ther geblasen werden, sondern auch an der Band selber, die mit Hummeln im Hintern die B&uuml;hne und das Festival rockt. Allen voran nat&uuml;rlich S&auml;nger und Gitarrist Joel O'Keeffe, der die gute Laune f&uuml;r sich gepachtet hat und vor Energie nur so spr&uuml;ht. Da reicht es dann auch nicht, auf der durchaus imposanten B&uuml;hne von links nach rechts und wieder zur&uuml;ck zu sprinten, nein, die H&ouml;he l&auml;sst sich auch vortrefflich nutzen und so klettert der gute Mann w&auml;hrend des Gigs ungesicherterweise am B&uuml;hnenrand in schwindelerregende H&ouml;hen und zockt mit dem wohl besten &Uuml;berblick des Festivals ein lockeres Solo. Das ist mal Einsatzfreude pur! Klar, dass ganz Dinkelsb&uuml;hl von dieser Performance fasziniert ist und die Band entsprechend feiert. Airbourne sollte man mal gesehen haben!</p>
  230. <p>Kleinere Br&ouml;tchen aber nicht minder geile Mucke backen dagegen Entombed A.D., die dazu verdonnert sind, auf der T-Stage Alarm zu machen. Verdonnert trifft es ganz gut, denn just zu diesem Zeitpunkt beginnt es drau&szlig;en zu regnen, was den Zuschauern im Zelt aber v&ouml;llig schnurz ist. L.G. Petrov und Co. geben einfach nur Gas und genie&szlig;en das Spektakel, das sich ihnen vor der B&uuml;hne pr&auml;sentiert. Nicht nur der Fronter ist st&auml;ndig in Bewegung und genie&szlig;t jede Minute des Auftritts, nein auch das Publikum wei&szlig;, wie man eine ordentliche Death Metal-Party schmei&szlig;t, was angesichts solcher Klassiker wie "Revel In Flesh", "Wolverine Blues" oder "Left Hand Path" auch einfach ist. W&auml;hrend also Publikum und Band um die Wette moshen, verrinnt die Zeit wie so oft bei starken Auftritten viel zu schnell und Entombed A.D. verabschieden sich mit einem gro&szlig;en Ausrufezeichen namens "Supposed To Rot".</p>
  231. <p>Exodus waren irgendwie schon gut, was sich aber nach diesem Auftritt etwas relativiert, denn Testament legen noch eine Schippe drauf. Auch hier pr&auml;sentiert sich die Band &auml;u&szlig;erst spielfreudig, was sich nicht nur in einem gutgelaunten Chuck Billy wiederspiegelt, sondern auch in Form eines h&ouml;chst motivierten Alex Skolnik, der bei diesem Gig wohl Geld f&uuml;r jeden abgerissenen Kilometer bekommt. Es ist schon erstaunlich, wie exzessiv der Gute die B&uuml;hne beackert. Das Publikum geht von Anfang an steil, feiert die Band ohne Unterlass und unterst&uuml;tzt sogar die Mitsingspielchen, die Chuck gelegentlich einflicht. "The Preacher", "Into The Pit", "Practice What You Preach" oder "Disciples Of The Watch" sorgen bei alteingesessenen Fans f&uuml;r feuchte H&ouml;schen w&auml;hrend Fans j&uuml;ngerer Alben mit "Dark Roots Of Earth" oder "The Formation Of Damnation" versorgt werden. So ist f&uuml;r jeden Geschmack etwas dabei und am Ende ziehen Band und Publikum mit leuchtenden Augen von dannen.</p>
  232.  
  233. <p><span class="strong">Freitag, 19.08.2016</span></p>
  234. <p>Undertow mal anders.  Nachdem die Band ja quasi Stammgast auf dem Summer Breeze OA ist, darf sie auch diesmal eigentlich nicht fehlen. Aber anstatt auf der Pain oder Main Stage zu rocken, nehmen Undertow stattdessen im Campsite Circus Zelt Platz. Neu an der Stelle auch, das Undertow als Duo auftreten. Neben Fronter Joschi Baschin sitzt Markus "Brandy" Brand w&auml;hrend Bassist Tom und Schlagwerker Oliver Rieger im Publikum zu finden sind, denn Undertow zeigen sich diesmal von ihrer ruhigen Seite und zocken ihre Songs im Akustikgewand. Leider gibt es einige technische Schwierigkeiten, von denen sich aber weder Band noch Publikum aus dem Konzept bringen lassen und so kann man im famili&auml;ren Rahmen Schmankerl der Marke "Boxshaped Heart", "Smoke Garden" oder "In Deepest Silence" genie&szlig;en und zwar auf eine Art, wie man es vorher noch nicht zu h&ouml;ren bekommen hat. Gro&szlig;es Ohrenkino!</p>
  235. <p>H&ouml;ren und Staunen war bei Dying Fetus angesagt. Und ausrasten nat&uuml;rlich. Aber der tobende Mob ist nicht nur ein laues L&uuml;ftchen, wie bei manch anderer Band, hier wird Vollgas abgegangen. Kein Wunder, denn mit ihrem brutalen wie technischen Death Metal heizen Dying Fetus den Zuschauern ordentlich ein. Wer die Band kennt, und das sind wohl einige am heutigen Tage, der genie&szlig;t die brutalen Kl&auml;nge und tobt wahlweise im Circle Pit oder &uuml;bt sich als Crowdsurfer. Beide M&ouml;glichkeiten werden von sehr vielen Leuten wahrgenommen. In den hinteren Reihen ist manch zustimmendes Kopfnicken und auch der ein oder andere ungl&auml;ubige Gesichtsausdruck zu finden angesichts des technischen Feuerwerks, das das Trio abzieht. Saubere Leistung, die sich dauerhaft im Gehirn der Anwesenden eingebrannt haben d&uuml;rfte.</p>
  236. <p>Queensryche k&ouml;nnen sich nicht nur mit ihrem Ex-Fronter Geoff Tate streiten, sondern ganz im Gegenteil auch fulminante Rock-Shows liefern. Die Voraussetzungen in Dinkelsb&uuml;hl sind eigentlich ganz gut, das Wetter passt, die Laune ist bierselig und die Band in guter Stimmung als sie die B&uuml;hne betritt. Statt einer opulenten Show lassen Queensryche lieber einen Klassiker nach dem anderen f&uuml;r sich sprechen, doch trotz aller Bem&uuml;hungen, trotz verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig gutem Sound und eigentlich optimalen Rahmenbedingungen will der Funke nicht so recht auf das Publikum &uuml;berspringen. Die Stimmung ist, sagen wir, m&auml;&szlig;ig gut, den meisten Beifall ernten "Operation: Mindcrime", "Empire" oder das finale "Eyes Of A Stranger", aber so richtig viele Zuschauer k&ouml;nnen Queensryche am heutigen Tage nicht vor die B&uuml;hne locken. Das haben wir schon deutlich enthusiastischer auf Publikumsseite gesehen. Schade, denn die Band ist wirklich bem&uuml;ht, spielt ein astreines Set mit starken Songs und ist auch sonst bem&uuml;ht, die Stimmung hoch zu halten, was aber nur bedingt gelingt. Da merkt man dann leider doch, dass das typische Summer Breeze-Publikum nicht auf derart klassischen Stoff steht. Schade.</p>
  237. <p>Wer sie vor zwei Jahren bereits gesehen hat, wei&szlig; eigentlich schon, was jetzt kommt. Carcass in Bestform, unaufgeregt aber dennoch m&ouml;rderisch, humorlos aber dennoch publikumsnah. Auf gro&szlig;artige Ansagen lasst sich Jeff Walker auch in diesem Jahr nicht ein, egal, wie sehr das Publikum tobt oder jubelt, Gef&uuml;hlsausbr&uuml;che bleiben eine Seltenheit bei den britischen Urgesteinen des gepflegten Gemetzels. Stattdessen gibt es ein deutlich ge&auml;nderte Setlist im Vergleich zum letzten Mal, aber auch hier d&uuml;rfen sich Fans neuer und alter Kl&auml;nge in gleichem Ma&szlig;e freuen, wobei die Reaktionen gerade auf die Heartwork-Songs mit Abstand am enthusiastischsten ausfallen. Wer die Jungs hier zu Geh&ouml;r bekommt, bekommt dann auch eine grunds&auml;tzliche Ahnung, warum Carcass zu den ganz Gro&szlig;en des Genres geh&ouml;ren (wenn schon nicht im kommerziellen Sinne, dann aber im musikalischen). Selig derjenige, der sie auf ihre alten Tage noch sehen darf.</p>
  238. <p>Wenn jemand die Massen auf diesem Festival motiviert, dann sind es zweifellos Slayer, die das Summer Breeze an diesem Abend beehren. Das Rund vor der B&uuml;hne ist mehr als gut voll, die zus&auml;tzlichen Boxen am Soundturm bekommen jetzt endlich mal Sinn und als das Quartett of Hell endlich untermalt von AC/DC-Kl&auml;ngen die B&uuml;hne betritt, gibt es vor selbiger kein Halten mehr. Tom Araya ruht in sich und ist guter Stimme, Kerry King und Gary Holt rechts und links von ihm moshen sich die Seele aus dem Leib, ebenso wie das Publikum vor der B&uuml;hne. Was soll man aber auch anderes tun, wenn einem Hit um Hit mit u.a. "Repentless" als Opener, "War Ensemble", "Mandatory Suicide" oder "Seasons In The Abyss" um die Ohren geblasen wird. (Schlafen? - Kara) Spannend finde ich auch die Pausen zwischen den Songs, in denen Tom in sch&uuml;chterner und bed&auml;chtiger Manier den Jubel des Publikums genie&szlig;t und die ein oder andere z&ouml;gerliche Ansage macht. Ich glaube, einen gr&ouml;&szlig;eren Kontrast zur brutalen Musik hat man an diesem Wochenende wohl kaum zu h&ouml;ren bekommen.<br />
  239. Einen besonderen H&ouml;hepunkt erreicht die Show nach "South Of Heaven", als das Backdrop gewechselt und dem 2013 verstorbenen Gitarristen Jeff Hannemann gehuldigt wird. Dies geschieht dann in Form des Abschlusstrios "Raining Blood", "Black Magic" und "Angel Of Death", bei dem alle Beteiligten nochmals besonders Gas geben. Wo Slayer drauf steht ist Slayer drin und Slayer hinterlassen auch hier nur verbrannte Erde.</p>
  240. <p>Einfach nur gro&szlig;artig, so muss man das 1996 erschiene Satyricon-Album Nemesis Divina umschreiben. Weil das Langeisen inzwischen 20 Jahre auf dem Buckel hat, tingeln Satyricon mit einer Special-Show durch die Lande, bei der das Album in voller L&auml;nge ins Publikum gefeuert wird. Vor der B&uuml;hne ist es proppevoll, aber trotz eines Highlights nach dem anderen will der Funke nicht so recht &uuml;berspringen. Gebannt lauschen die Anwesenden den harschen T&ouml;nen, die da durch die PA schallen, aber so richtig Bewegung und Enthusiasmus will nicht aufkommen und das obwohl die Band um Satyr und Frost wahrlich M&uuml;he gibt und versucht, die Meute durch Dauerheadbangen zu animieren. Vielleicht liegt es auch an der sp&auml;ten Uhrzeit, zu der nicht mehr jeder ultimativ feierw&uuml;tig ist. Erst bei "Mother North" hebt sich die Stimmung und mit mit dem Schlusstrio "Black Crow On A Tombstone", "Fuel For Hatred" und "K.I.N.G." taut das Publikum (leider etwas sp&auml;t) deutlich auf. Schade, denn die Band und vor allem Fronter Satyr kommt mit seinen Ansage durchaus authentisch und ehrlich r&uuml;ber, so dass Satyricon an diesem Abend weit bessere Reaktionen verdient gehabt h&auml;tten.</p>
  241.  
  242. <p><span class="strong">Samstag, 20.08.2016</span></p>
  243. <p>Disneyland After Dark, kurz D*A*D beehren das Summer Breeze auf der Pain Stage und nicht gerade wenige Leute wollen dem Gute-Laune-Rock der D&auml;nen lauschen. Es ist durchaus kuschelig vor der B&uuml;hne und als D*A*D mit ihrem blickfangenden Outfit loslegen geht auch das Publikum steil. Neben den famosen Partyhymnen wissen die D&auml;nen auch mit ihren kauzigen Ansagen zu punkten. Wer eine gro&szlig;artige Party erleben will, schaut sich D*A*D bei n&auml;chster Gelegenheit an, beim Summer Breeze jedenfalls kann das Quartett auf voller L&auml;nge &uuml;berzeugen. </p>
  244. <p>F&uuml;r jede Menge Spa&szlig; sorgen dieses Jahr mal wieder Pain auf der Pain Stage. Im Laufe ihrer Karriere haben sich Peter T&auml;gtgren und Co. einen sehr guten Ruf als Live-Combo erarbeitet und entsprechend motiviert warten die Zuschauer auf den Beginn des Konzertes. Mit "Same Old Song" greifen die Mannen um den charismatischen Fronter T&auml;gtgren auch gleich den ersten Hit und freuen sich &uuml;ber enthusiastische Reaktionen. Auf die Grabenschlampen wartet deshalb auch jede Menge Arbeit, denn an Crowd-Surfern mangelt es w&auml;hrend dieses Auftritts nicht. Mit "Suicide Machine", "End Of The Line", "It's Only Them" oder "On And On" lassen Pain es im weiteren Verlauf richtig krachen und das Publikum dankt es der Band, indem es trotz beginnenden Regens weiterhin f&uuml;r Stimmung vor der B&uuml;hne sorgt. Leider reicht es nicht f&uuml;r neues Studiomaterial, denn der Etat-m&auml;&szlig;ige Keyboarder muss krankheitsbedingt passen, weshalb die Keyboards diesmal vom Band kommen. Das st&ouml;rt aber niemanden und beim finalen "Shut Your Mouth" ticken alle nochmal richtig aus.</p>
  245. <p>Wo Illdisposed drauf steht, ist jede Menge Humor drin. Und Death Metal. Der feinsten Sorte. Merklich angeschlagen starten die Mannen um Bo Summer in ihr Set, aber dennoch sitzt jeder Groove perfekt und f&auml;hrt sofort in die Nackenmuskulatur um dort f&uuml;r Vollalarm zu sorgen. Zwischen den St&uuml;cken l&auml;sst Bo es sich nat&uuml;rlich nicht nehmen, &uuml;ber die swulen Nutten aus D&auml;nemark zu l&auml;stern oder die ein oder andere Tourstory vom Stapel zu lassen, sehr zum Am&uuml;sement des Publikums. Das geht ganz ordentlich mit und feiert die Band geb&uuml;hrend. Schade nur, dass nach einer Dreiviertelstunde wie so oft viel zu fr&uuml;h Schicht im Schacht ist.</p>
  246. <p>Seit beinahe unz&auml;hligen Jahren gibt es im Death/Grind-Bereich eine Konstante, die sich auch in Zukunft hoffentlich noch lange halten wird: Napalm Death.<br />
  247. Vor gar nicht allzu langer Zeit durften Barney Greenway und Co. bereits auf dem Summer Breeze vorspielen, 2012 war das, damals aber noch auf einer der gro&szlig;en B&uuml;hnen. Diesmal m&uuml;ssen die Briten auf die T-Stage ausweichen, damit die Spandex-Flummis von Steel Panther die Main-Stage vergewaltigen k&ouml;nnen. Wer sich aber im Zelt tummelt, der wird mit einer erwartungsgem&auml;&szlig; feinen Grind-Show versorgt. Napalm Death, allen voran S&auml;nger Barney, der permanent wie von der Tarantel gestochen &uuml;ber die B&uuml;hne fegt, liefern was des Grinders Herz begehrt: eine fulminante Show und Highlights aus mehr als 35 Jahren Musikgeschichte: "Suffer The Children", "Scum", "Nazi Punks Fuck Off" und "You Suffer" fehlen selbstverst&auml;ndlich nicht und werden entsprechend gefeiert, aber auch "Timeless Flogging", "Social Sterility" oder "Breed To Breathe" sorgen f&uuml;r ordentlich Bewegung vor der B&uuml;hne. Zwischen den Songs l&auml;sst es sich Barney nat&uuml;rlich nicht nehmen diverse politische, religi&ouml;se und soziale Missst&auml;nde anzuprangern. Napalm Death kommen, sehen und siegen, und liefern erneut einen &uuml;berragenden Auftritt ab, der eine gr&ouml;&szlig;ere B&uuml;hne verdient.</p>
  248. <p>Am Ende kann man wie in den vergangenen Jahren wieder konstatieren, dass das Summer Breeze Open Air ein voller Erfolg war. Gef&uuml;hlt waren 2016 weniger Zuschauer vor Ort, vielleicht hatten die unsch&ouml;nen Ereignisse der vorangegangenen Wochen und Monate doch Auswirkungen, was den Zustrom betraf. Wettertechnisch kann man sich ebenfalls kaum beschweren, sieht man von vereinzelten Schauern ab, passte das Wetter zur sp&auml;tsommerlichen  und entspannten Atmosph&auml;re. Auch aus polizeilicher Sicht verlief das Summer Breeze sehr friedlich, abgesehen von den &uuml;blichen Delikten kam es zu keinen gravierenden Sicherheitsst&ouml;rungen, was wieder einmal das gute Miteinander auf diesem Festival zeigt.<br />
  249. In dieser Form darf es beim kommenden Jubil&auml;umsfestival definitiv weitergehen.</p>
  250. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  251. <link>http://www.heavyhardes.de/live-666.html</link>
  252. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-666.html</guid>
  253. </item><item>
  254. <title>Zakk Wylde</title><description><![CDATA[<p>Ein historischer Abend soll es werden. Historisch deshalb, weil <span class="strong">Zakk Wylde</span> zum ersten Mal mit seinem Soloprojekt zu uns auf Konzertreise gekommen ist und historisch auch aufgrund des Austragungsortes. Aber eines nach dem Anderen!<br />
  255. <span class="strong">Zakk Wylde</span> kennen die meisten als langj&auml;hrigen Ozzy-Gitarristen und Co-Songwriter, zuletzt als Chef der Black Label Society. Insider wissen noch um sein Southern-Rock-Projekt Pride &amp; Glory Mitte der 1990er und au&szlig;erdem hat der Rauschebart Ende der 90er sein Soloalbum Book Of Shadows auf den Markt gebracht, zu dem nun der Nachfolger Book Of Shadows II vom Stapel gelassen wurde. Letztes Album ist schlie&szlig;lich der Aufh&auml;nger der aktuellen Europatournee, die an diesem Freitag in N&uuml;rnberg halt macht. Genau genommen N&uuml;rnberg / Reichsparteitagsgel&auml;nde / Kongresshalle und dort ein kleiner Seitenhof, genannt Serenadenhof, in dem sonst die N&uuml;rnberger Symphoniker tagen. Was f&uuml;r eine ungew&ouml;hnliche St&auml;tte! Dann ist das Ganze auch noch als bestuhlte Veranstaltung angek&uuml;ndigt... Sachen gibt's!</p>
  256. <p>Schon aus diesem Grund sind meine bessere H&auml;lfte und ich mehr als p&uuml;nktlich vor Ort und reihen uns brav in die Schlange der Wartenden, um am Ende mit einem prima Sitzplatz im edel gestalteten Hof belohnt zu werden. Zur Verk&uuml;rzung der Wartezeit nimmt ein armenischer Musiker, mit Akustikklampfe bewaffnet, seinen Platz auf der B&uuml;hne ein und unterh&auml;lt uns mit angenehmer Musik - armenische Folklore mal in Englisch, mal in der Muttersprache. Zwischendurch witzelt er, dass wir keine Angst vor ihm haben m&uuml;ssen. Er hat keinen Rucksack dabei, versprochen! Auch als fr&uuml;heren Metalfan outet er sich - sein erstes Konzi war 1988 bei Ozzy, wohin ihn sein Papa mitgenommen hat. Was'n Zufall! Damals stand n&auml;mlich auch ein gewisser <span class="strong">Zakk Wylde</span> zu No Rest For The Wicked zum ersten Mal f&uuml;r Ozzy mit auf der B&uuml;hne!</p>
  257. <p>Nun hei&szlig;t es aber erst mal geduldig sein, denn der Sound-Check zieht sich wie Kaugummi. Man r&auml;tselt noch, worauf man sich nun gefasst machen muss. Sitzt der olle Zakk auch gleich auf einem Stuhl auf der B&uuml;hne? Schlie&szlig;lich zeigen die beiden Soloalben den wilden Recken von seiner ruhigen Seite. Endlich ist es soweit! Um 21:00 Uhr marschiert der b&auml;rtige Muskelprotz mit seiner Klampfe im Bull's-Eye-Look auf die B&uuml;hne, gefolgt von seinen Mitstreitern, die wie alle aus der Black Label Society kennen, und... gibt Gas! Von wegen Akustik-Show! "Sould My Soul" hei&szlig;t der Einstieg (Klassiker von Book Of Shadows I), der in gef&uuml;hlt doppelter Geschwindigkeit gezockt wird, als man es vom Album her gewohnt ist! Den Vogel schlie&szlig;t Wylde endg&uuml;ltig ab, als er sich gleich beim ersten St&uuml;ck von der B&uuml;hne ins Publikum, mitten unter die Reihen, begibt und hier ein endloses Gitarren-Solo gibt. Die Folge: was vor f&uuml;nf Minuten als bestuhlte Veranstaltung begann, hat sich nun in ein Chaos verwandelt. Sofort ist der Ausnahmegitarrist mit der R&ouml;hre eines Grizzlyb&auml;ren von Dutzenden Schaulustigen umringt, die ihm seine Smartphones ins Gesicht halten. Oh, wie ich diese Dinger hasse! Auch als er auf die B&uuml;hne zur&uuml;ckgekehrt ist, herrscht im Hof noch gro&szlig;e Unordnung. Ein Teil der G&auml;ste sitzt noch, ein anderer Teil steht auf den St&uuml;hlen und gut ein Viertel hat sich direkt vor der B&uuml;hne positioniert. Zum Gl&uuml;ck gelingt es den Ordnern ganz elegant das Chaos zu l&ouml;sen und allm&auml;hlich kehren alle auf ihre Pl&auml;tze zur&uuml;ck, von wo aus wir Zeuge so gro&szlig;artiger Nummern wie "Road Back Home" mit Wylde am Piano, "Tears Of December" oder "Between Heaven And Hell" - grandios in Szene gesetzt - werden d&uuml;rfen. Dabei erweist sich der H&uuml;ne als eher wortkarger Zeitgenosse. Lieber l&auml;sst er seine Gitarre sprechen und das umso lauter, umso heftiger. Zwischen drin - als &Uuml;bergang zwischen "Throwin It All Away" und "Darkest Hour" - macht er es noch einmal, marschiert f&uuml;r ein etwa 8-min&uuml;tiges Solo (grandios!) zwischen die St&uuml;hle, steht zuletzt auf zweien davon und spielt sich, die Klampfe zum Teil hinter dem Kopf haltend, regelrecht die Finger wund. Wieder nimmt der Smartphone-Wahnsinn seinen Lauf! Hab ich schon erw&auml;hnt, wie sehr ich die Dinger hasse? Die Dumpfbacken, die den gesamten Abend nichts Besseres zu tun haben, als ihr Spielzeug hoch in die Luft zu halten, hasse ich noch mehr! Die Dinger sollten auf Konzerten wirklich verboten werden!<br />
  258. Wir haben nun etwa Halbzeit. Nach ein paar ruhigeren Nummern hat sich <span class="strong">Zakk Wylde</span> das Beste vom aktuellen Album f&uuml;r den Schluss aufgehoben. "Lost Prayer" und "Sleeping Dogs" bilden das finale Doppel. Doch zuvor muss die Band im Detail vorgestellt werden und zwar im selben Stil wie man es eben von den BLS-Shows her kennt - stehen ja auch dieselben Musiker auf der B&uuml;hne. </p>
  259. <p>Schade, dass Herr Wylde keine Songs von Pride &amp; Glory mit im Gep&auml;ck hatte - zu h&ouml;ren gab es in den etwa 90 Minuten tats&auml;chlich ausschlie&szlig;lich Material von Book Of Shadows I und II. Ebenfalls schade, dass es trotz der lautstarken Rufe aus dem Publikum f&uuml;r keine Zugabe reichte. Aber dar&uuml;ber sieht man gerne hinweg. Von meiner Warte aus das bisherige Konzert-Highlight dieses Jahres, das sicherlich auch nicht so leicht zu toppen sein wird!<br />
  260. </p>
  261. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  262. <link>http://www.heavyhardes.de/live-658.html</link>
  263. <guid>http://www.heavyhardes.de/live-658.html</guid>
  264. </item><item>
  265. <title>Rockavaria u.a. mit Iron Maiden &amp; Sabaton</title><description><![CDATA[<p>Die beste Band der Welt! Gnadenlose Sonne! Mindestens zwei B&uuml;hnen! Eine "Kinovorf&uuml;hrung" auf der Suche nach Publikum und ein Teil des Publikums auf der Suche nach dem Samstagsheadliner!  Weltuntergang mit kriegerischer Begleitung von <span class="strong">Sabaton</span>! All das und noch viel mehr war geboten, als das Rockavaria dieses Jahr in die zweite Runde ging. Wir nehmen es gleich vorweg (in der Anzugtr&auml;gerwelt hei&szlig;t das executive management summary): Es gab viele traumhafte Momente, die bef&uuml;rchteten Probleme (keine Olympiahalle? Wie soll das bitte gehen?) blieben aus, aber daf&uuml;r gab es bekannte (epischer Weg zur Toilette, dann hinten stehen [oder auch nicht gehen und Muskulatur trainieren, man will ja was sehen vom Headliner - Kara]) und auch andere, wahrhaft elementare Herausforderungen (ein bisschen Regen gef&auml;llig?). Aber: Wir waren da! Mit uns nach offiziellen Zahlen 38.500 andere fr&ouml;hliche Besucher. Ein Erfolg also. Ganz wichtig dabei: Das Rockavaria 2016 war unterm Strich herausragend. Danke f&uuml;r Ihre Aufmerksamkeit. Ausf&uuml;hrlicher? Bitte sehr:  </p>
  266. <p>Der Unkenrufe waren nicht wenige, als Ende letzten Jahres die wichtigsten Informationen zur zweiten Ausgabe des veritablen M&uuml;nchner Rockfestivals durchsickerten: Es durfte wieder nicht gezeltet werden (die ganze "Ich will nicht duschen"-Zottelfraktion im Chor: ooohhh, schade - na, so ein &Auml;rger), die Olympiahalle als Spielst&auml;tte wurde komplett gestrichen (letztes Mal war die allzu schnelle Schlie&szlig;ung der Halle schon bei nur m&auml;&szlig;ig gef&uuml;lltem Zustand in der Tat ein &Auml;rgernis), stattdessen sollte es im Stadion zwei B&uuml;hnen nebeneinander geben. Da kamen selbst bei mir leichte Zweifel auf - sollte man nun stetig hin- und herhuschen? Hm. Das im letzten Jahr offenbar schon bei drei Besuchern &uuml;berf&uuml;llte Theatron sollte durch eine gro&szlig;z&uuml;gigere Seeb&uuml;hne ersetzt werden (verstanden). Dann das Lineup. Fr&uuml;h k&uuml;ndigte sich Gro&szlig;es an: Mit <span class="strong">Iron Maiden</span> (vgl. oben, beste Band etc.) und <span class="strong">Nightwish</span> ging die Eliteklasse des Metiers an den Start und mit <span class="strong">Slayer</span>, <span class="strong">Anthrax</span>, Ghost, <span class="strong">Powerwolf</span> und <span class="strong">Sabaton</span> gab es genug weitere klingende Namen, um f&uuml;r wohlige Vorfreude zu sorgen. Tag zwei allerdings sorgte dann f&uuml;r Kopfsch&uuml;tteln: einen Film wollte man uns vorf&uuml;hren anstelle eines Co-Headliners f&uuml;r den Samstag. Der sollte dann noch von einem Auftritt von Iggy Pop gekr&ouml;nt werden, der wohl f&uuml;r das Nicht-Metal-Element sorgen sollte, das letztes Jahr noch die Britrocker von Muse beisteuerten. Verwirrung allenthalben, und drollig die Eintr&auml;ge in den einschl&auml;gigen Foren, als man ernsthaft diskutierte, wer denn nun wirklich der Samstags-Headliner werden w&uuml;rde. Sei's drum, wenn Maiden "dahoam" aufspielt, ist das schlichtweg alternativlos, die g&ouml;ttliche Floor gab\x91s noch mit dazu, mehr &Uuml;berzeugung bedurfte es nicht...</p>
  267. <p>Eine ausf&uuml;hrliche Bildergalerie gibt es &uuml;brigens unter <a href="http://www.kuehleszeug.de">www.kuehleszeug.de</a></p>
  268. <p><span class="strong">Der Freitag: Ein rosa Auftakt, Werw&ouml;lfe, Cellos, Mittelaltermarkt und endlose Formen (wundersch&ouml;n)</span></p>
  269. <p>...und so laufen wir (w&auml;hrend ein Teil unserer Besetzung noch auf dem Comicsalon in Erlangen letzte Zeichnungen ergattert) am Freitag rechtzeitig zu den Kl&auml;ngen der Erlanger Lokalmatadoren von J.B.O. ins weite Runde des Olympiastadions ein. Ah, so ist das also mit der Doppelb&uuml;hne: in der Tat zwei Spielst&auml;tten in traditioneller Wackenmanier nebeneinander, dazwischen keine Absperrung, also kann man wirklich einfach hin- und herpilgern. Das klappt im Verlauf des Festivals denn auch &uuml;berraschend gut und das bef&uuml;rchtete Gerammel [Gerangel? Gerammel habe ich Gott sei Dank keines gesehen! - Kara] zwischen den Acts bleibt komplett aus. Wir sind ja schon zufrieden und sagen: Konzept gelungen! Eine schon mehr als nur beachtliche Menge feiert einstweilen mit den fr&auml;nkischen Comedy-Metallern (mit denen wir dann noch ein ebenso lustiges wie informatives Gespr&auml;ch f&uuml;hren konnten) das gewohnte pinke Fest der guten Laune, spa&szlig;igen Coverversionen, eigenem J.B.O.-Bier und durchaus kompetenter musikalischer Darbietung. Bei strahlendem Sonnenschein, der meinem mitgereisten Schlachtenbummler in seinem schwarzen Leibchen durchaus zu schaffen macht (ich dagegen habe mich f&uuml;r die klassische Metal-Farbe blau entschieden), laufen Nummern wie "I Don't Like Metal", "Geh'n Mer Halt Zu <span class="strong">Slayer</span>" und "Verteidiger Des Wahren Bl&ouml;dsinns" bestens rein und auch die Klassiker "Ein Guter Tag Zum Sterben" (wie gewohnt fein akustisch) und der ultimative Rausschmei&szlig;er "Ein Fest" ziehen die Butter heute durchaus vom Brot. Top Auftakt, immer wieder gerne!</p>
  270. <p>Dank Doppelb&uuml;hne geht es nun nahtlos weiter mit den immens popul&auml;ren Recken von <span class="strong">Powerwolf</span>, die live immer eine Bank sind und vor allem auf Festivals &uuml;blicherweise zu den Gewinnern z&auml;hlen. So ist das auch heute: die energiegeladene Show von Attila Dorn, Falk Maria Schlegel und Co. wei&szlig; auch heute zu begeistern und mobilisiert trotz der fr&uuml;hen Stunde eine stattliche Besucherzahl. Den Einstieg machen sie erwartungsgem&auml;&szlig; mit "Blessed And Possessed", Herr Dorn dr&auml;ut finster und brilliert stimmlich, Meister Schlegel macht uns den Animateur, und die Gitarrenfraktion steht wie eine Eins. Der Sound kracht ordentlich, die B&uuml;hne zieren die &uuml;blichen Devotionalien, und Sangesmeister Dorn fragt in seinem pseudoungarischen Akzent: "seid ihr bereit, mit uns die einzig wahre Heavy Metal-Messe zu feiern?" Wenn man bedenkt, dass der Herr im wahren Leben Leiter eines Baumarkts im Saarland ist (kein Gag!), macht das schon Laune. "Coleus Sanctus" und der Kracher "Amen And Attack" sorgen f&uuml;r Stimmung, die bei "Army Of The Night" und dem wie stets mit einer beschaulichen Geschichte ("Biene hat Roadie gestochen in Pipi") eingeleiteten "Resurrection By Erection" zu K&ouml;cheln beginnt. Beim hervorragenden "Let There Be Night" zeigt Herr Dorn mit bester stimmlicher Leistung, dass er nicht umsonst schon in Musicals aufgetreten ist (auch kein Gag!), bevor dann "Werewolves Of Armenia" (mit hu! ha!-Rufen) und "We Drink Your Blood" das Set beschlie&szlig;t. Na, wenn das mal kein Doppelhammer nach Ma&szlig; ist! Wir freuen uns und sehen weiter.</p>
  271. <p>Auf der B&uuml;hne zwei springen ohne Zeitverzug die ja durchaus kultigen Hardcore/Thrasher von Suicidal Tendencies auf die Bretter, aber der Bollersound der Amis (komplett mit Baseball-Caps und wei&szlig;en Socken, die man als Hardcore-J&uuml;nger offenbar ganz nach oben ziehen muss, anders als auf der Wies'n also) f&auml;llt im Vergleich zum melodischen Power Metal von eben doch sp&uuml;rbar ab. Politische, sozialkritische Texte hin, ein agiler Mike Muir am Mikro her: Nummern wie "Trip At The Brain", "I Saw Your Mommy" und "Cyco Vision" krachen zwar amtlich, aber die Stimmung ist deutlich verhaltener als bei den deutschen Vertretern. Mike Muir schwelgt in Erinnerungen an den Auftritt, den man im hiesigen Stadion mit Guns n'Roses 1993 absolvierte, holt haufenweise Kinder auf die B&uuml;hne und bietet ein Skateboard-Lied dar - lobenswert, aber nicht mehr. Nun denn.</p>
  272. <p><span class="strong">Apocalyptica</span> geb&uuml;hrt ja die seltene Ehre, ein Genre mehr oder weniger erfunden zu haben: die Idee, Metallica auf dem Cello zu spielen, hatte vor ihnen niemand, und dass dieses Konzept auch zwanzig Jahre (ja, man glaubt es kaum) nach dem Deb&uuml;t <span class="strong">Apocalyptica</span> Plays Metallica By Four Cellos noch famos z&uuml;ndet, davon d&uuml;rfen wir uns jetzt &uuml;berzeugen. Die drei Herrschaften um den ziemlich blonden Eicca Toppinen legen sich wie gewohnt ins Zeug, zers&auml;gen ihre Instrumente f&ouml;rmlich, aus denen sie dank einiger elektronischer Effekte Kl&auml;nge herausholen, die man in einem Cello gar nicht vermuten w&uuml;rde. Schlagwerker Mikko Siren liefert dazu die passende Rhythmik (ganz in wei&szlig; gekleidet, aber Bef&uuml;rchtungen, hier folge nun der gleiche Unfug wie letztes Jahr bei Faith No More, sind nat&uuml;rlich vollkommen unbegr&uuml;ndet, auch wenn <span class="strong">Apocalyptica</span> diese Herren schon gecovert haben). Am Start ist wie immer eine gute Mischung aus Covers und Eigenkompositionen: mit "Refuse/Resist" kommt Sepultura zu Ehren, und bei den Eigengew&auml;chsen "I'm Not Jesus" und "House Of Chains" kann dann auch Live-Gast-S&auml;nger Frankie Perez seine Qualit&auml;ten unter Beweis stellen. Aber nat&uuml;rlich d&uuml;rfen beim 20j&auml;hrigen Jubil&auml;um auch die Klassiker nicht fehlen: "Master Of Puppets" zeigt wieder einmal, dass ein begeistertes Publikum einen S&auml;nger durchaus ersetzen kann. Da l&auml;sst man sich nat&uuml;rlich nicht lumpen und schiebt mit "Seek And Destroy" noch einen Metallica-Klassiker nach, der die Kuh abheben l&auml;sst. Herr Toppinen informiert uns jetzt, nun wolle man uns mit ein wenig Klassik bestrafen, aber wenn das darin besteht, eine furiose Version des Grieg-Meisterst&uuml;cks "Halle Des Bergk&ouml;nigs" (bekannt aus Fritz Langs legend&auml;rem Film M - und aus der gleichnamigen Scheibe von Savatage) zu erleben, dann nehmen wir diese Bestrafung doch gerne hin. Dann ein wenig Ratlosigkeit: "it seems we fucked up the setlist - we have ten minutes left! " Man ber&auml;t kurz, was zu tun sei, aber nachdem wir ja Jubil&auml;um feiern, f&uuml;hrt an Metallica kein Weg vorbei: ein episches "One" liefert den Schlusspunkt eines mehr als gelungenen Ausflugs in die Welt der klassischen Saiteninstrumente. Kolossal!</p>
  273. <p>Atemlos nicht durch die Nacht, sondern durchs Stadion geht es weiter, denn schon stehen die deutschen Mittelalter-Freunde von <span class="strong">In Extremo</span> mit Dudelsack und Schalmei bereit. "Mein Rasend Herz" sorgt f&uuml;r einen famosen Auftakt, der die Stimmung ohne Unterbrechung hoch h&auml;lt, was sich auch bei "Horizont" nicht &auml;ndert. Ein fetter B&uuml;hnenaufbau komplett mit Pyro-Inferno, Schlagzeug-im-Schiff-Konstruktion, die geballte Macht der Bl&auml;ser-Fraktion und die raue Stimme des Letzten Einhorns Michael Rhein formieren sich zu einer formidablen Wand, die beim geisterhaft-melodischen "Vollmond" hervorragend zum Tragen kommt. Auch der alte Rei&szlig;er "Erdbeermund" funktioniert pr&auml;chtig, auch wenn Herr Rhein teilweise leicht unlustig wirkt. Sei's drum, "Himmel Und H&ouml;lle" setzt den Reigen fort, Dr. Pymonte darf die Harfe vorf&uuml;hren, "Belladonna" bringt den witzigen Text vom M&auml;dchen auf dem Besen, bevor dann der "S&auml;ngerkrieg" ziemlich abr&auml;umt. Mit dem Trink-Schunkel-Lied "Sternhagelvoll" bieten sie eine kleine Vorschau auf das neue Album Quid Pro Quo, das am 24. Juni erscheint, und dann ist mit der altbew&auml;hrten Bandhymne "Verehrt And angespien" Schicht im Schacht. Meiner Treu!</p>
  274. <p>Sodala, meine Damen und Herren, jetzt wird es dann richtig interessant. Wie brillant <span class="strong">Nightwish</span> mit ihrer nicht mehr ganz so neuen Front-Holden (diverse Regionalpostillen reporten danach von S&auml;ngerin Tarja - immer lustig, wenn man vollkommen Unkundige zum Berichten entsendet [zumindest den Wikipedia-Artikel k&ouml;nnten sie ganz lesen! - Kara]) sind, davon konnten wir uns ja schon auf der letzten Hallentournee im Dezember im gar nicht so weit entfernten Zenith &uuml;berzeugen. Freudig aufgeregt wandere ich mit meinem Kumpanen mal ganz entspannt in die erste Reihe und klinke mich dort ein. Das funktioniert auch bestens, und so kommen wir in einen ganz besonderen Genuss: n&auml;mlich die g&ouml;ttliche Floor und ihre Mitstreiter aus n&auml;chster N&auml;he erleben zu k&ouml;nnen. Das lohnt sich erwartungsgem&auml;&szlig;: mit "Shudder Before The Beautiful" er&ouml;ffnet der erste Song des aktuellen Albums den Reigen. Das geht gleich nach vorne, der Opernmetal der Finnen ist eben wie gemacht f&uuml;r die gro&szlig;e B&uuml;hne, auf der diese Spielart ordentlich inszeniert werden kann. Mastermind Tuomas besetzt die linke Seite mit Vogel-Keyboard inklusive obligatorischer Weinflasche (kein Fusel, der Mann ist ein Feinschmecker!), Bassist Marco (irgendwie wird der immer d&uuml;nner) im Lederrock daneben, und zusammen mit dem Rest der Formation liefert man einen astreinen Bombast-Sound, der in den sternenklaren Nachthimmel aufsteigt und f&uuml;r wahrhaft magische Atmosph&auml;re sorgt.</p>
  275. <p>Floor, die gro&szlig;e, die g&ouml;ttliche, &uuml;berragt wieder einmal alles, sowohl an Statur als auch an Stimmgewalt: bestens aufgelegt, zelebriert sie die H&ouml;henfl&uuml;ge, an denen ihre Vorg&auml;ngerin am Ende scheiterte, in berauschender Qualit&auml;t. "Yours Is An Empty Hope" ger&auml;t zum Headbang-Fest, bei dem Floor ihre beeindruckende Haarpracht rotieren l&auml;sst, und das mit feuriger Unterst&uuml;tzung - die massiven Pyroeffekte versengen uns fast die Haare, von dem herabregnenden Spiritus mal abgesehen: wenn jetzt einer ein Feuerzeug anmacht, explodieren wir... aber nichts passiert. Die eingespielten Filmsequenzen untermalen die Songs jeweils stimmig, das geniale "Storytime" entlockt der verz&uuml;ckten Masse Begeisterungsst&uuml;rme, bevor uns Dudelsack-Recke Troy Donockley in den n&auml;chsten Song begleitet: "For this one, we will go deep into the woods, with Wordsworth, Shelley, Byron... and Stan and Ollie". Nun, die zwei haben zwar bei den englischen Romantikern nichts verloren, aber "My Walden" besticht dennoch durch feine Melodie und elegische Stimmung. Die Single "Élan" liefert dann folkig-eing&auml;ngige Momente, bei denen Floor ihre ganze Bandbreite wieder unter Beweis stellen kann. "Weak Fantasy" ballert dann wieder ordentlich, bevor mit "Sahara" ein St&uuml;ck aus der eher ungl&uuml;cklichen Anette Olzon-&Auml;ra [hey! - Kara] folgt, das in dieser Interpretation aber auch ordentlich daherkommt. Bei "I Want My Tears Back" zeigt Marco, dass er nicht nur gut Bass spielt und einen lustigen Zottelbart hat, sondern auch famos singt, bevor dann das wie immer wunderbar-einf&uuml;hlsame "Nemo" f&uuml;r Zauber sorgt. Komplett aus dem H&auml;uschen gerate ich dann bei meinen Mit-Favoriten "Last Ride Of The Day", nach meinen Daf&uuml;rhalten einer ihrer besten Songs, und auch heute schrecken sie als Abschluss vor dem episch-&uuml;berlangen "Greatest Show On Earth" nicht zur&uuml;ck, diesem parforce-Ritt durch die gesamte Menschheitsgeschichte von den Anf&auml;ngen in der Ursuppe bis hin zur neuzeitlichen Umweltzerst&ouml;rung. Breitwand-Musik im besten Sinne, eine Inszenierung wie ein filmisches Werk - wir sehen und staunen. Dann ist, wie schon in der Halle im November, unvermittelt Schluss. Das ist ein wenig schade und gibt Punktabzug, denn wir h&auml;tten noch ganze zehn Minuten Spielzeit und somit mindestens einen weiteren Song gehabt. Aber das ist Krittelei auf sehr hohem Niveau und kann der Grandiosit&auml;t keinen Abbruch tun. Ganz gro&szlig;es Kino unter dem M&uuml;nchner Nachthimmel, meine Herren. F&uuml;r so etwas wurden Open Air-Konzerte erfunden! Wir sehen uns morgen und entschwinden selbst, gl&uuml;cklich aber kaputt von der pausenlosen Beschallung, mit den bereitgestellten Stahleseln der MVG in einer schier endlosen R&ouml;hre.</p>
  276.  
  277. <p><span class="strong">Rockavaria-Samstag: Grazien, Tigerhemdchen, Thrash-Veteranen und Seeb&uuml;hnenpunk</span></p>
  278. <p>Wie keifte schon Alexi Laiho: Wake up, rise and shine! Nach einer (etwas kurzen) Nacht mit spontanem Whisky-Tasting und anderen Eskapaden schaffen wir es entgegen unserer eigenen Erwartung, p&uuml;nktlich um 14 Uhr zum Interview mit J.B.O. zu erscheinen und dort ein witziges Gespr&auml;ch unter Franken zu f&uuml;hren. Danach geht es allerdings gleich wieder in die Arena, wo die deutschen Senkrechtstarter von Beyond The Black den Reigen er&ouml;ffnen. Auf Konserve klingt die Chose schon sehr deutlich nach Within Temptation, live k&ouml;nnen die S&ouml;hne Mannheims (also, der musste jetzt sein) um Frontelfe Jennifer Haben durchaus &uuml;berzeugen. Mit "In The Shadows" steigen sie gleich mit der aus Funk und Fernsehen bekannten Single ein - die Stimmung ist f&uuml;r die fr&uuml;he Stunde gut, die Herren sehen zwar eher aus, als ob sie bei einer Thrash-Band anheuern wollten, aber der orchestral-symphonische Sound l&auml;uft bei "When Angels Fall" und "Beyond The Mirror" gut rein, wobei sich Gitarrero Chris Hummels bisweilen als kompetenter Frontgrunzer verdingt. Nicht fehlen darf nat&uuml;rlich die Titeltracks des Deb&uuml;ts "Songs Of Love And Death" und der aktuellen Scheibe "Lost In Forever" - stilistisch wird hier das Rad nicht neu erfunden, aber wie schon im letzten Jahr bieten die Kollegen eine achtbare Show, die durchaus goutiert wird. Fein!</p>
  279. <p>Das Rockavaria zeichnete sich schon 2015 durch eine etwas eigenwillige Mischung aus Metal und eher kommerziellem Rock aus, und mit Prime Circle stehen nun die ersten Vertreter der zweiteren Gangart ins Haus. Die Jungs aus S&uuml;dafrika um Fronter Ross Learmonth fahren eine h&ouml;chst eing&auml;ngige Mischung aus Creed und REM auf - typischer Mainstream-Festival-Sound, der niemand schmerzt, aber auch nicht wirklich begeistert. Titel wie "Blast Off" sind sicherlich gut gemachter Radio-Poprock, aber f&uuml;r die hier in der Mehrzahl befindlichen Metaller ist das nicht wirklich ein gefundenes Fressen.</p>
  280. <p>Das &auml;ndert sich allerdings schlagartig beim n&auml;chsten Act: die erst in letzter Sekunde engagierten Ruhrpott-Thrasher von <span class="strong">Sodom</span> (b&ouml;se Zungen behaupten, die im Billing an deren Stelle noch genannten T.B.A. h&auml;tten abgesagt, und die auch gerne gebuchten special guest hatten keine Zeit) lassen die Axt massiv kreisen. Sie erwischen mit "In War And Pieces" allerdings einen ungl&uuml;cklichen Start, mit matschigem Sound und einem Song, der sich als Opener nicht gerade anbietet. Aber mit der launigen Begr&uuml;&szlig;ung "Hallo, deutscher Meister!" zieht Onkel Tom  - heute ohne den obligatorischen Patroneng&uuml;rtel, ein wahrlich ungewohntes Bild - die beachtliche Menge auf seine Seite, und sp&auml;testens nach "M 16" wird mit dem Knaller "The Saw Is The Law" der Moshpit offiziell er&ouml;ffnet. "Wir sind <span class="strong">Sodom</span> aus dem Ruhrpott!", informiert uns Herr Angelripper nun gut gelaunt, man sei ja ganz kurzfristig aufs Billing gekommen und man habe schon etwas Sorge gehabt, ob man da so richtig hineinpasse, als doch etwas heftigere Kombo. Aber die zunehmende Menge feiert die Urgesteine so richtig ab, und Onkel Tom nebst Zottel Bernemann hat sichtlich Spa&szlig;, so dass auch "Sacred Warpath" formidabel knallt. Nat&uuml;rlich ist auch der alte Rei&szlig;er "Agent Orange" am Start, der der wilden Horde vor der B&uuml;hne endg&uuml;ltig die Vollbedienung verabreicht. Hossa, was ein Ausrufezeichen bei helllichtem Tage!</p>
  281. <p>Jetzt geht es wieder in die andere Richtung, das scheint am Samstag Programm zu sein: den nach dem ruppigen Ruhrpott-Thrash kommen mit den 90er-K&ouml;nigen von Garbage Vertreter des Post-Grunge-Pops an die Reihe. Das sieht man schon am Backdrop - eben noch tiefschwarz, d&uuml;rfen wir da jetzt pinke Leoparden bewundern. Ah ja. Zu den Kl&auml;ngen von "Empty" beobachten wir staunend, wie sich die wie stets mit rosa Haaren (aha!) gesegnete Shirley Manson in einem etwas zu knappen Leoparden-Kleidchen &uuml;ber die B&uuml;hne windet, auf den Boden wirft, uns freim&uuml;tig demonstriert, dass sich das Leoparden-Thema auch auf der Unterw&auml;sche fortsetzt, und dabei auch noch eine durchaus ordentliche Gesangsleistung abliefert. Die stets f&uuml;r eine Provokation gute Shirley schimpft wie ein Rohrspatz &uuml;ber das Wetter ("I am not used to the fucking sun!") und dar&uuml;ber, dass viel zu wenig Frauen auf dem Billing seien (jaja). Gitarrist Steve Marker kommt daher wie eine Mischung aus den Blues Brothers und Elvis Costello, Bassist Eric Avery k&ouml;nnte auch als U2-Stand in durchgehen - aber insgesamt schafft es die Kombo, einen gar nicht mal so unspannenden Klangteppich zu legen, den man sich auch als Nichtfan gerne anh&ouml;rt. Nummern wie "Stupid Girl" und "Push It" setzen mit den gr&ouml;&szlig;ten Erfolgen der Band Ausrufezeichen, die Discobeats und Samples laufen dem Publikum durchaus wohlig &uuml;ber den R&uuml;cken, w&auml;hrend Shirley gut bei Stimme ank&uuml;ndigt, jetzt w&uuml;rde man uns einen Song vom Soundtrack des Buz Luhrman-Spektakels "Romeo and Juliet" von 1996 vorf&uuml;hren, was dann mit "Nr 1 Crush" auch der Fall ist - kein Wunder, war die Band in den 90ern doch in zahlreichen Filmen und TV-Serien zu h&ouml;ren, wobei heute leider die James Bond-Nummer "The World Is Not Enough" nicht zum Einsatz gelangt. Bei "Why Do You Love Me" zeigt Shirley bekleidungstechnisch dann wieder alles vor was geht, ahmt auf dem Boden durchaus explizite Handlungen nach - und wer sagt hier noch, der Pop sei brav und anst&auml;ndig (unsere spa&szlig;hafte Bezeichnung lautet sp&auml;testens jetzt gar bitch)? Weiter im Text geht es mit "I Think I'm Paranoid", bevor dann mit der allerersten Hitsingle "Only Happy When It Rains" der Zauber ein Ende hat. Als Vertreter der nichtmetallischen Fraktion nach dem Totalausfall von Faith No More [hey! - Kara] im letzten Jahr durchaus achtbar, ein Farbtupfer und ein am&uuml;santer noch dazu - auch wenn Frau Manson sich doch etwas mehr benehmen sollte. Das tut man doch nicht, meine Dame!</p>
  282. <p>Gerade rechtzeitig zur feierlichen Er&ouml;ffnung des <span class="strong">Gotthard</span>-Basistunnels entern jetzt die gleichnamigen eidgen&ouml;ssischen Hardrocker (nur <span class="strong">Gotthard</span>, ohne Tunnel) die B&uuml;hne zwei. Schon die B&uuml;hnenkreation mit dem Schlagzeug auf der Karosserie eines massiven Stra&szlig;enkreuzers, mit dem sich auch James Dean wohlgef&uuml;hlt h&auml;tte, macht die Attit&uuml;de klar: jetzt regiert der Ami-Hard Rock, dass es eine Art hat. Als ob man sie gerade eben vom sunset strip gepfl&uuml;ckt h&auml;tte, steigen die Kollegen mit "Bang", dem Titeltrack vom nach wie vor aktuellen Album, in ihr Set ein und zelebrieren dabei ihren h&ouml;chst traditionellen Hardrock nach allen Regeln der Kunst. Microphone-Controller Nic Maeder, dem die schwere Aufgabe zuteil wurde, den 2010 tragisch verstorbenen Steve Lee zu ersetzen, schwingt sich mit authentischem US-Akzent und Vince Neil-Gestus durchs Programm, das mit "Get Up \x91N\x91 Move On" und "Sister Moon" nahtlos weiterl&auml;uft. Bei "Right On" schnappt sich Herr Maeder dann auch selbst die Gitarre und h&auml;lt bestens mit dem Rest der Saitenfraktion mit, bei der Leo Leoni auf der rechten Seite den Ton angibt und einen tighten, erdigen Sound fabriziert. "Master Of Illusion" und "Feel What I Feel" setzen den Reigen fort, der allerdings weniger durch Originalit&auml;t gl&auml;nzt als durch solides Handwerk - Schweizer Zuverl&auml;ssigkeit eben, wobei mich die Landsleute von Krokus live schon einen Zacken mehr &uuml;berzeugen konnten. "The Call" bringt dann feine akustische Balladen-Stimmung, und nach "Remember It's Me" und "Starlight" setzt es dann doch noch einen Rei&szlig;er: das alte Schlachtross "Hush" (oft gecovert, landauf landab bekannt vor allem in der Version von Deep Purple) z&uuml;ndet die Menge ordentlich an, "nanana"-Ges&auml;nge allenthalben - na also, das geht ja doch! Nach "Lift U Up" gibt's noch "Anytime Anywhere" auf die Geh&ouml;rg&auml;nge, dann winken uns die Herrschaften nochmals zu und entlassen uns in Richtung der kommenden Attraktionen. Ordentlich.</p>
  283. <p>Nach <span class="strong">Gotthard</span> passiert dann das Unvermeidliche und der Teil von www.kuehleszeug.de, der die Nacht durchgesoffen hat - yes, mittendrin statt nur dabei - , muss aufgeben und verl&auml;sst das Gel&auml;nde, um sich f&uuml;r den Sonntag und Maiden h&uuml;bsch zu machen [na, also so war das nicht... naja vielleicht so &auml;hnlich... - Holgi] Also muss der Fotograf jetzt ran und weiter berichten... Auf der B&uuml;hne nebenan wird Mando Diao angek&uuml;ndigt, der verbliebene Rest schaut sich in die Augen und wir entscheiden, dass jetzt der richtige Zeitpunkt w&auml;re, das Abendessen einzunehmen. Gesagt, getan und schon entschwinden wir &uuml;ber die gro&szlig;e Stadiontreppe dem Geschehen in der Arena und setzen unseren Weg auf der Suche nach Nahrung in Richtung Seeb&uuml;hne fort. So wirklich viele Fressbuden sind hier aber ebenfalls nicht zu finden: Wurst rot oder wei&szlig;, Pizza, D&ouml;ner und ein Asia-Stand - viel mehr gibt es nicht zu entdecken, daf&uuml;r ist aber vor jedem dieser St&auml;nde eine beachtliche Schlange, gerade vor dem von uns favorisierten D&ouml;nerstand. Also dann eben Asia, mit einem Becher Nudeln und einem Bier bewaffnet marschieren wir los Richtung Seeb&uuml;hne, wo gerade Serum 114 ihr Unwesen mit l&auml;ssigen Punkriffs und -melodien treiben und von der Stadt, die sie lieben, erz&auml;hlen, dass sie keine Rechten m&ouml;gen und dass Menschen einander helfen sollten. Richtig so! Eine perfekte Umrahmung f&uuml;r unser Mahl... Langsam sollten wir uns allerdings mal merken, dass man Bierbecher voll schlecht auf schr&auml;gen Grash&auml;ngen abstellen kann. Zum Thema Bier... Viel zu sp&auml;t haben wir alten Sparf&uuml;chse rausgefunden, dass man f&uuml;nf Bier f&uuml;r 20 Euro im Festivalspecial bekommt, anstatt f&uuml;r jeden Becher f&uuml;nf Euro hinzul&auml;ppern. Das f&uuml;nfte Bier l&auml;sst sich dann normalerweise auch noch gut auf die restlichen vier Becher verteilen, so dass diese eine gute Oberfl&auml;chenspannung bekommen. Wer braucht schon Schaum?!</p>
  284. <p>Ges&auml;ttigt marschieren wir zur&uuml;ck ins Stadion, um den gro&szlig; angek&uuml;ndigten "Co-Headliner" Gutterd&auml;mmerung - ein Stummfilm mit Rockbanduntermalung und lyrischen Einsprengseln von Henry Rollins himself - zu bestaunen. W&auml;hrend wir die Treppe herunterkommen, erleben wir gerade noch, wie Mando Diao dem wild gestikulierenden Publikum ihre Hitsingle "Dance With Somebody" im wahrsten Sinne um die Ohren hauen. In Sachen Gestikulieren stehen die Protagonisten auf der B&uuml;hne, die sich eines Gro&szlig;teils ihrer Kleidung inzwischen entledigt haben, ihren Zuh&ouml;rern in nichts nach. Mann, da tropft richtig Schwei&szlig; von der B&uuml;hne. Was uns auf Konserve kaum wirklich beeindruckt, wird hier auf dieser B&uuml;hne zu einem kraftvollen Powerakt. Unfassbar! </p>
  285. <p>Jetzt aber zu Herrn Rollins... Im Hintergrund startet der in schwarz-wei&szlig; gehaltene Film, den man wegen der Sonne im R&uuml;cken von unserem Standort aus hinter dem zweiten Wellenbrecher nur sehr schwer erkennen kann. Als flankierende Ma&szlig;nahme stolziert eine eingeh&uuml;llte Dame in M&ouml;nchskost&uuml;m auf die B&uuml;hne und tr&auml;gt eine Art Arie vor. Herr Rollins kommt noch dazu und liest irgendwas aus einem Buch vor und dann darf die Band eine rockig atmosph&auml;rische Soundkulisse zu dem Film im Hintergrund aufbauen. Das Problem ist, dass wir eigentlich in Feierlaune sind, gerade haben wir Serum 114 und Mando Diao erleben d&uuml;rfen... und jetzt? Eine Zeitlang versuchen wir uns einzureden, dass das ja nur das Intro sei, aber gute f&uuml;nfzehn Minuten sp&auml;ter erm&uuml;det uns das Dargebotene eigentlich nur noch und wir suchen das Weite: "Zur&uuml;ck zur Seeb&uuml;hne" lautet der gemeinsame Konsens. Als wir oben an der Treppe ankommen, scheint noch ein S&auml;nger auf der B&uuml;hne aufgetaucht zu sein, und es wird Black Sabbaths "War Pigs" kredenzt. Aber auch das kann uns jetzt nicht mehr zur&uuml;ckholen. Kann sein, dass das Ganze zu sp&auml;terer Stunde besser gemundet h&auml;tte, aber so war Gutterd&auml;mmerung hier eher ein Stimmungskiller. </p>
  286. <p>Leider hat das Programmkomittee aber auch nicht wirklich daf&uuml;r gesorgt, dass auf der Seeb&uuml;hne als Alternative der Punk abgeht, denn dort liefern gerade die witzigen isl&auml;ndischen Cowboys von Solstafir eine ebenfalls mystisch-athmosph&auml;rische Show ab. Ok, dann setzen wir uns halt, wie viele andere auch, auf das Wiesenrund und genie&szlig;en den Blick auf den Olympiasee und die Kl&auml;nge der Isl&auml;nder. Das ist zwar jetzt kein wirkliches Samstagabendprogramm, aber irgendwie nett, insbesondere, da wir neben uns den dunklen Parabelritter von Youtube samt Redaktion entdecken, der sich ebenfalls mit Rumliegen und Schmusen besch&auml;ftigt. Nat&uuml;rlich reden wir kurz &uuml;ber die besten Magazine der Welt - www.heavyhardes.de und www.kuehleszeug.de - , wobei sich der mitgereiste Kumpel vom Parabelritter beschwert, dass unsere Redaktion l&auml;ssig am Bier nuckelt, w&auml;hrend dem in der Parabelritterredaktion gerade nicht so ist. Eigentlich ein recht sympathischer Haufen. Wie dem Parabelritter Rockavaria gefallen hat, k&ouml;nnt ihr &uuml;brigens in seinem Video begutachten.</p>
  287. <p>So langsam wird es dunkel an diesem Samstagabend und nach kurzer &Uuml;berlegung - Iggy Pop oder Betontod - bleiben wir an der Seeb&uuml;hne, da wir der Meinung sind, dass uns die Punkrecken um Oliver Meister besser die Ohren durchpusten als der Popk&ouml;nig Iggy. Tats&auml;chlich geht in der n&auml;chsten Stunde auf der Seeb&uuml;hne gewaltig die Post ab. Schon bei dem ersten Song "Mein Letzter Tag" entsteht vor der B&uuml;hne ein riesiges Durcheinander aus pogenden Punkfans und dabei ist dort f&uuml;r sowas &uuml;berhaupt kein Platz. Aber Betontod g&ouml;nnen der feiernden Masse vor der B&uuml;hne keine wirkliche Pause, denn mit treibenden Krachern wie "Kinder Des Zorns" oder dem plakativen "Keine Popsongs" bis hin zu dem prolligen Mitsingschunkler "Wir M&uuml;ssen Aufh&ouml;ren Weniger Zu Trinken" wird die Stimmung eher noch weiter eingeheizt, so dass der Pit vor der B&uuml;hne irgendwann auf die kompletten zwanzig Meter B&uuml;hnenbreite anw&auml;chst. Insgesamt kommen die Jungs aus Rheinberg auch noch sympathisch r&uuml;ber, danken brav, dass, obwohl keine 500 Meter weiter eine der gr&ouml;&szlig;ten Rocklegenden der Welt auf der B&uuml;hne steht, hier das komplette Rund bis auf den letzten Platz voll ist. Nat&uuml;rlich bekommen auch Rechtsextremismus, Pegida und Co. eins drauf und w&auml;hrend Basser Adam Dera noch meint, dass das eventuell in M&uuml;nchen nicht so ganz gut ankommt, teilt sich das Publikum in Buhrufe und Applaus. Einige sind sich noch nicht mal zu schade daf&uuml;r, auf die Ansage, Rassisten m&ouml;gen doch bitte ihre Hand heben und gehen, dann auch wirklich den Arm in die Luft zu strecken. Selbst wenn das nur Spa&szlig; war, es bleibt ein kleiner schwarzer Schatten &uuml;ber einem ansonsten gro&szlig;artigen Konzert, den man der Band sicher nicht anlasten kann. Ekelhaft! Egal, Betontod ziehen ihr Programm weiter durch und beenden dieses mit dem absoluten Ohrwurm "Ich Bereue Nichts", der vom Publikum wieder frenetisch mitgesungen wird. Sicher, Betontod ist alles andere als anspruchsvolle Musik, aber man muss ihnen lassen, dass sie den Punk noch leben wie kaum eine andere Band und dass sie einen ganzen Berg treffsichere Melodien und Texte im Gep&auml;ck haben, die man auf dem R&uuml;ckweg zur U-Bahn noch an verschiedensten Stellen aus vielen Kehlen h&ouml;ren kann.</p>
  288. <p>Immer noch mit dem Gef&uuml;hl im Bauch, dass das Gebotene f&uuml;r einen Samstagabend insgesamt etwas lau war, suchen wir das total &uuml;berf&uuml;llte RAW am Stiglmaierplatz - in dem man die Luft wirklich schneiden kann - auf, um den Abend mit <span class="strong">Sodom</span>videos und einem Potpourri aus <span class="strong">Slayer</span>-, Testament-, Metallica- und Panterasongs ausklingen zu lassen. Insgesamt war auch heute ein sch&ouml;ner Tag, der erstens total anders und zweitens komplett festivaluntypisch war. Leider mit einem Durchh&auml;nger Gutterd&auml;mmerung, der ganz sch&ouml;n runtergezogen hat. Da w&uuml;rden wir uns dann doch lieber eine Band, die Stimmung bringt, w&uuml;nschen, liebes Rockavaria.</p>
  289.  
  290. <p><span class="strong">Rockavaria-Sonntag - Wir atmen Blitze, es regnet Blut und andere Sachen, und Captain Bruce startet durch...</span></p>
  291. <p>Gut erholt und erfrischt steht uns am n&auml;chsten Tag ein nicht unbedeutendes Abenteuer bevor - was wir allerdings noch nicht wissen, als wir uns, mittlerweile zu voller Mannschaftsst&auml;rke gewachsen, auf der Wiese vor der Seeb&uuml;hne niederlassen. Zu den Kl&auml;ngen der Doom/Stoner/Grunge-Formation Black Vulpine aus Dortmund ("das sind ja lauter Kindergartenm&auml;dchen! Aber die sind echt gut!", urteilt ein neu angereister Fachmann, der bis gestern noch Messehallen in Erlangen unsicher machte) beobachten wir, wie sich das Publikum doch ein wenig &auml;ndert: heute regieren die Mot&ouml;rhead-, <span class="strong">Slayer</span>-und <span class="strong">Iron Maiden</span>-Shirts, es ist der Tag der gro&szlig;en Namen und somit auch der Tagesticket-Nutzer. Am Devotionalien-Stand allerdings hei&szlig;t es aufgemerkt: von den drei Festival-Shirts tr&auml;gt nur eines auch den Namen der eisernen Jungfrauen auf dem R&uuml;cken, bei den beiden anderen m&ouml;chte man glauben, Captain Bruce habe abgesagt. Auf Nachfrage informiert man uns: die Namensrechte seien so teuer, dass man sie nur f&uuml;r ein Leibchen habe erwerben k&ouml;nnen. Business is business. Nun denn. Wir genie&szlig;en einstweilen die Sonne, die wirklich idyllische Seeb&uuml;hne, die zum Verweilen einl&auml;dt und sich als hervorragendes Forum f&uuml;r "kleinere" Bands erweist, zumal Songs wie "Demons Of Future" und "Twisted Knife" durchaus zu gefallen wissen. Wir diskutieren noch, dass uns die zwei Damen und der Gastherr an die Breeders und auch 7 Day Diary erinnern, dann wandern wir dann doch mal vorsichtshalber Richtung Arena - immerhin ist vorne stehen heute vollkommen alternativlos.</p>
  292. <p>Dort beenden gerade The Raven Age ihr Set, die letzten Momente klingen sehr melodisch, und die Band kann sich &uuml;ber regen Zuspruch freuen. Die Franzosen von Gojira (Preisfrage - was bedeutet der Name? Man denke an einen japanischen Monsterfilm eines gewissen Herrn Honda...) legen auf B&uuml;hne eins los und bereiten zumindest mir dann eine kleine Entt&auml;uschung. Allzu einfallslos und stumpf kommt der progressive Death Metal daher, mit viel Energie, daf&uuml;r aber wenig Struktur und Melodie ballern die Herren um Joseph Duplantier ihre Geschosse ins weite Rund, das zu den Kl&auml;ngen von "Toxic Garbage Island" (doch sicherlich keine Anspielung auf die Kombo von Frau Manson gestern??), "L'Enfant Sauvage" oder "Stranded" sicherlich wackelt, aber zumindest aus unserer Sicht nicht vor Begeisterung bebt. Vielleicht ist es einfach noch zu fr&uuml;h am Tag. [Ihr solltet einfach nicht so viel saufen. Ich fand die Jungs &auml;u&szlig;erst cool und mitrei&szlig;end! - Kara]</p>
  293. <p>Da tritt uns Mark Tremonti doch reichlich melodischer und eing&auml;ngiger entgegen. Was uns kaum wundert, lieferte der Herr doch zusammen mit einem gewissen Scott Stapp unter dem Namen Creed Anfang des Jahrtausends mit Human Clay einen Jahrhundertkracher des melodischen Hard Rock ab, wobei "Arms Wide Open" sogar einen Grammy abr&auml;umte. Nachdem Stapp aufgrund seiner Eskapaden nicht mehr tragbar war, gr&uuml;ndete Tremonti 2004 mit S&auml;nger Myles Kennedy die Folgeformation Alter Bridge; seit der Creed-Reunion 2009 werkelt Herr Tremonti somit in zwei Bands, was allerdings noch nicht genug scheint: seit 2012 zeigt er sich auch noch mit seinem Soloprojekt unter eigenem Namen auf Konserve und auf der B&uuml;hne, so eben auch hier und heute. Der aus unterschiedlichsten Rock- und Metal-Stilen beeinflusste Sound pr&auml;sentiert grunds&auml;tzlich den von den genannten Kapellen zelebrierten, breithosigen, selbstbewusst-ausladenden Klang, wobei sich der Meister hier nicht nur als Gitarrero, sondern auch als durchaus brauchbarer Sangesk&uuml;nstler verdingt. Nummern wie "My Last Mistake", "You Waste Your Time" und "Radical Change" r&uuml;cken allerdings bewusst vom altbekannten Strickmuster ab und lassen sich wohl als metallisch inspirierten Post Grunge bezeichnen - harte Riffs, Soli und ruppige Ausritte kommen ebenso zu Ehren wie bed&auml;chtigere Momente. Wieder ein Beitrag f&uuml;rs breitere Publikum, wobei die Masse jetzt eher wieder in Richtung links zu B&uuml;hne Eins str&ouml;mt...</p>
  294. <p>...denn hier k&uuml;ndigen sich die wieder erstarkten <span class="strong">Anthrax</span> an, die mit ihrer aktuellen Scheibe For All Kings den ihnen zweifelsohne geb&uuml;hrenden Erfolg feiern. Live immer ein energiegeladener Hochgenuss, mit einem musikalischen Katalog der Extraklasse, und bis unter die (bei einigen sehr kurzen Haarspitzen) motiviert, pr&auml;sentieren sich die US-Thrasher seit dem Wiedereinstieg von Oberindianer Joey Belladonna in Hochform. Das wissen offenbar auch die Schlachtenbummler, die sich schon vor Beginn des Gigs derartig vor der B&uuml;hne dr&auml;ngen, dass erstmals der Abriegelungsmechanismus greift. Sprich: wer vor dem ersten Wellenbrecher steht, ist drin - wer rausgeht, stellt sich dann in der Schlange hinten an und muss auf das Gl&uuml;ck hoffen, denn nach dem Nachtclub-Prinzip gilt: nur wenn einer rausgeht, darf wieder einer rein. Dar&uuml;ber kann man nun viel diskutieren, zumal es in der Arena (im Gegensatz zu Bozen) erneut keinerlei separate Waschr&auml;ume gab - aber es ist nun mal so, die Sicherheit vor der B&uuml;hne wird so zweifelsohne gew&auml;hrleistet, und nach einer kurzen, aber bangen Wartezeit schaffen wir es gerade noch so, zu den Kl&auml;ngen von "Caught In A Mosh" ganz vorne mit dabei zu sein. Dort f&uuml;hrt Scott Ian wie gehabt seinen wilden Watscheltanz auf, "The Frank" Bello springt wild gestikulierend &uuml;ber die Boxen, und ein zunehmend gesichtsledrig wirkender Herr Belladonna zeigt, dass man auch bei mehrfachem Durchmessen der B&uuml;hne klassische Thrash-H&auml;mmer wie das nun folgende "Got The Time" &uuml;berzeugend auff&uuml;hren kann. Aber, aber, da nimmt die Unbill ihren Lauf: auf den Bildschirmen, die doch eigentlich das B&uuml;hnengeschehen &uuml;bertragen sollten, erscheint urpl&ouml;tzlich ein Menetekel. Eine konkrete Unwetterwarnung habe man erhalten, komplett mit Gewitter, Hagel und Starkregen. Die Besucherschar m&ouml;ge sich doch bitte unter den Schutz des Daches begeben, auch Arena-Ticket-Inhaber d&uuml;rfen ausnahmsweise auf die R&auml;nge. Tja, und da beginnt das Dilemma, das wir eben schon durchlebt haben: da hinten, unter dem Dach, da mag es ja im Fall der F&auml;lle vielleicht lauschig und trocken sein - aber eben nur auf Fernglas-Distanz, die wir nat&uuml;rlich in keinster Weise akzeptieren k&ouml;nnen. So schlie&szlig;en wir uns dem Tross, der nun in der Tat aus der Arena hinaus auf die R&auml;nge wandert, nicht an - solange uns keiner vertreibt, bleiben wir hier und feiern mit <span class="strong">Anthrax</span> weiter Rei&szlig;er vom Kaliber eines "Antisocial" ab. Das neue "Evil Twin" gef&auml;llt ebenso gut, aber unsere Taktik scheint zunehmend gewagter: ab 17:02 Uhr gibt es keinen Einlass mehr in die Arena, wo eigentlich immer reges Kommen und Gehen herrscht. Fast schon passend wie der sprichw&ouml;rtliche five finger death punch aufs Auge passt da das ebenso neue "Breathing Lightning" - nach neuem <span class="strong">Anthrax</span>-Stil weniger Gehoppel und mehr fl&uuml;ssiges Riffing, aber hoffentlich inhaltlich heute nicht zutreffend. Mit einem gewaltigen "Indians", komplett mit Wardance, beschlie&szlig;en die Amis ihren Set vor einer begeisterten Menge - alles gut gegangen bislang, kann man da nur sagen, zumal gegen Ende die Unwetterwarnung aufgehoben ist und auch auf der Seeb&uuml;hne das Programm wieder aufgenommen wird. Schade nur, dass mit "I Am The Law", "Among The Living" und "Efilnikufesin" einige Klassiker fehlten - aber dennoch bestens. Schon str&ouml;mt die Menge wieder zur&uuml;ck. Wir stehen vorne!</p>
  295. <p>Mit viel Spannung durfte man auch der nun folgenden Darbietung entgegensehen: sp&auml;testens seit die mysteri&ouml;sen Schweden von Ghost mit ihrem Album Meliora einen Grammy f&uuml;r die Beste Metal-Performance abr&auml;umte, hat sie auch eine breitere Zuh&ouml;rerschaft auf dem Zettel. Auch beim heutigen Stelldichein zelebrieren die Herrschaften ihr Konzept in aller gruseligen Sch&ouml;nheit: die anonymen Musiker - auf den Scheiben stets nur als "nameless ghouls" bezeichnet - erscheinen allesamt gekleidet in schwarze Roben, das Gesicht verborgen hinter metallenen Masken. Auch der unter dem Pseudonym Papa Emeritus III firmierende S&auml;nger will nicht erkannt werden und hat zu diesem Zwecke eine Bemalung aufgelegt, die irgendwo zwischen Black Metal und Gene Simmons angesiedelt ist. Wer nun denkt, uns erwarte nun eine Stunde Schlagetot-Gewurzel, sieht sich get&auml;uscht: vielmehr erleben wir eine Mischung aus Rockkonzert und Theaterauff&uuml;hrung, bei der es musikalisch eine zutiefst eing&auml;ngige Melange aus Doom, Psychedelic und klassischem 80er-Heavy Metal zu bestaunen gibt. Auch wenn man rein optisch einem satanischem Habitus fr&ouml;nt (umgedrehte Kreuze, griechische Symbole wie Alpha und Omega, au&szlig;erdem Phantasie-Zeichen), &uuml;berzeugen sowohl die Instrumentenfraktion als auch der Vokalist bei "From The Pinnacle To The Pit" und "Ritual" durch Atmosph&auml;re und melodisches Gesp&uuml;r. Auch einen gewissen hintersinnigen Humor kann man ihnen nicht absprechen, als Herr Emeritus uns in Kenntnis setzt, der n&auml;chste Song "Cirice" verfolge den Zweck "to celebrate the female orgasm". Das kann man ja im Grundsatz durchaus guthei&szlig;en, und so begleiten wir auch Nummern wie "Absolution" und "Monstrance Clock" wohlwollend, wobei sich die ganz eigene Atmosph&auml;re dieses Gesamtwerks immer mehr entfaltet. Mit einem dr&auml;uenden "good bye, and don't forget to fuck each other" werden wir dann aus dieser Zelebration entlassen - wir werden daran denken, wie auch immer die Umsetzung ausfallen mag. Das war... anders. Und gut. [*g&auml;&auml;&auml;&auml;&auml;hn* Sind sie fertig? Ja? Gut. - Kara]</p>
  296. <p>Ganz und gar nicht anders, sondern zuverl&auml;ssig schn&ouml;rkellos sind dann <span class="strong">Slayer</span>, die die Massen mobilisieren wie bislang niemand an diesem Tag. Schmackig steigen die nach <span class="strong">Anthrax</span> zweiten der heute anwesenden "Big Four" des Thrash mit "Repentless" in ein Set ein, zu dem man nur sagen kann: wo <span class="strong">Slayer</span> draufsteht, sind sie auch drin (auch wenn es sich dabei um einen extrem verbreiteten Schreibfehler handelt, Eingeweihte wissen, das sollte eigentlich Sailor hei&szlig;en und wurde auf dem ersten Demo nur verhunzt...NOT!). Wie gehabt die Anordnung: der gute Onkel Tom Araya mit zunehmend wei&szlig;em Rauschebart in der Mitte, rechts Kurzhaarfetischist Kerry King, dem offenbar permanent die Geldb&ouml;rse entwendet wird (warum sonst sollte man seine Hose mehrfach anketten?), und links ex-Exodus-Recke Gary Holt. Das ist wuchtig, massiv, eine wall of sound, die sich gewaschen hat, auch wenn die Abmischung die Gitarren ein wenig arg kategorisch rechts und links separiert. Tom ist stimmlich bestens aufgelegt, br&uuml;llt und gurgelt die Vocals wie nichts Gutes, und die sirrenden Wespen-Soli fliegen den Herren King und Holt nur so aus den Fingern. "God Hates Us All" hei&szlig;t der n&auml;chste Steuerkn&uuml;ppel, gefolgt vom m&auml;chtigen "Mandatory Suicide", bei dem auch langsam der Regen einsetzt. Nicht weiter schlimm, das werden wir schon &uuml;berstehen, wenn uns weitere Perlen wie "War Ensemble" kredenzt werden. <span class="strong">Slayer</span> zeigen sich dabei effizient, kompromisslos und auch seltsam disparat: wenn der wortkarge Herr Araya mal etwas sagt, dann sind es h&ouml;fliche, nette Worte: "Thank you very much! You gotta love the rain, don't you?" Wo uns an ungef&auml;hr gleicher Stelle letztes Jahr Mille Petrozza kreischend aufforderte, wahlweise uns selbst umzubringen, das Olympiastadion zu zerst&ouml;ren oder die Toilettensch&uuml;sseln abzumontieren, begleitet der g&uuml;tige Tom uns weiter charmant durchs Programm, bei dem es nach "You Against You" mit "Raining Blood" einen der formativsten Kracher der Bandhistorie, ach was sag ich des Metal &uuml;berhaupt zu beklatschen gilt. Das nimmt sich auch der lacerated sky zu Herzen, der uns immer mehr begie&szlig;t. Aber jetzt kommt ein "love song - <span class="strong">Slayer</span> style": "Dead Skin Mask" wird apokalyptisch zelebriert, "Hell Awaits" walzt alles nieder, bevor dann das schleppende, unheilsk&uuml;ndende Riff des epischen "South Of Heaven" erschallt. Meine Herren, das ist wahrhaft grandios - und jetzt kommt (nat&uuml;rlich) der verstorbene Jeff Hanneman zu Ehren: beim abschlie&szlig;enden, explosiven "Angel Of Death" ziert das "Hanneman - still reigning"-Backdrop die B&uuml;hne wie schon beim Wacken-Auftritt im letzten Jahr. Aus, Schluss, die Kn&uuml;ppelfraktion r&uuml;ckt ab, wir sind beeindruckt.</p>
  297. <p>Das w&auml;ren wir sicherlich auch bei <span class="strong">Sabaton</span> gewesen, die nun noch zwischen uns und dem Hauptact stehen. Denn das Tarnhosen-Kommando unter F&uuml;hrung von Joakim Broden hat mit seinen episch-melodischen Hymnen genau das richtige Futter f&uuml;r hungrige Festival-Geher am Start. Dabei gibt es nur ein Problem: die Unwetterwarnung lag nicht so ganz falsch. Just zu Beginn des <span class="strong">Sabaton</span>-Sets beginnt ein Sturzbach, der mehr oder weniger apokalyptische Ausma&szlig;e annimmt. Die Schlachtenbummler, die sich eigentlich schon f&uuml;r Maiden positioniert hatten, fliehen in Scharen auf die Trib&uuml;ne, pl&ouml;tzlich gibt es gar keine Schlange mehr zum Einlass f&uuml;r den Bereich ganz vorne. Wir schauen uns kurz an und beschlie&szlig;en: wir bleiben. Klar. Auch wenn das Wasser aus der kurzen Hose l&auml;uft und der Wams in k&uuml;rzester Zeit seinen Sinn verfehlt und eher f&uuml;r K&auml;lte sorgt. So kauern wir also da und beobachten, wie sich <span class="strong">Sabaton</span> dennoch m&auml;chtig ins Zeug legen: komplett mit Panzer als Drum-Riser, Maschinengewehren und Helmen fahren sie genau die feurige Show auf, die man von den Kollegen erwarten darf. Den Anfang macht ein glorioses "Ghost Division", und beim anschlie&szlig;enden "Gott Mit Uns" wird nat&uuml;rlich wieder die in Deutschland gern genommene "Noch ein Bier"-Version zum Einsatz gebracht. Insgesamt muss sich Fronter Broden (dessen J&auml;ckchen mit den Metallplatten auch immer mehr spannt) doch &uuml;ber die Deutschen wundern: "In Sweden, no one would stand outside in this rain! But there you are, demanding more beer - incredible!" Pyros sind massiv zu Gange, als man sich mit "Carolus Rex" und dem gefeierten "The Art Of War" weiter durchs Programm-Man&ouml;ver schwingt. Der Regen wird allerdings mittlerweile grenzwertig, so dass der Genuss doch ein wenig eingeschr&auml;nkt ist, aber daf&uuml;r k&ouml;nnen die Artisten auf der B&uuml;hne ja nichts - wobei Herr Broden zugestehen muss: "They had warned us about the weather..." Gehen wir mal in Ruhe davon aus, dass die ganze Chose auf der Kippe, sprich auf Abbruch stand - aber wird es da hinten etwas heller? Scheint so, denn gegen Ende des Sets scheint die Sintflut nachzulassen, und so k&ouml;nnen wir dann zumindest noch das wunderbare "Primo Victoria" geb&uuml;hrend abfeiern. Respekt vor allen, die vorne durchgehalten haben, und auch vor der Band, die durch ihre Energie allen Wettereskapaden zum Trotz f&uuml;r gute Stimmung zu sorgen verstand.</p>
  298. <p>Tja, und dann ist es endlich soweit. The main event of the evening steht bevor. Gestern um 15:20 Uhr sind sie gelandet, man konnte das auf der Rockavaria-Website beobachten, als Captain Bruce die Ed Force One auf dem Flughafen M&uuml;nchen aufsetzte. Dass <span class="strong">Iron Maiden</span> live Jahr f&uuml;r Jahr an Qualit&auml;t gewinnen, dass es ihnen wie kaum einer Band gelingt, generations&uuml;bergreifend die Massen zu enthusiasmieren, dass sie immer wieder Ma&szlig;st&auml;be setzen in Sachen musikalischer Klasse (herrje, sogar einen Echo haben sie gewonnen f&uuml;r das neue Album, wo soll das hinf&uuml;hren?) und spektakul&auml;rer Inszenierung - dar&uuml;ber muss man nicht mehr viele Worte verlieren. Die Frage ist also eigentlich immer nur: wie gut sind sie heute? Wie grandios wird die Show? Wie oft kommt Eddie? Wie oft k&ouml;nnen wir Nico hinter seinem Drumkit ersp&auml;hen? Wie hoch springt Bruce? Und f&auml;llt Herr Gers wieder von der B&uuml;hne (das passierte allerdings bislang nur einmal)? Als das mittlerweile etablierte "Doctor Doctor" als Intro aus den Boxen schallt, gebe ich offen zu, dass ich mich f&uuml;hle wie ein kleines Kind an Weihnachten. Man wei&szlig; genau, in den kommenden zwei Stunden ist man exakt auf dem richtigen Platz in der Welt, und das kann man niemand erkl&auml;ren, der diese Mischung aus Gitarrenharmonien, literarischen Texten und exaltiertem Tenorgesang nicht sch&auml;tzt - aber diese verlorenen Seelen sind heute ja auch nicht da. Viel mehr versammeln sich die aus den Live-Videos bestens bekannten Fahnentr&auml;ger, Kuttenfreunde und auch T-Shirt-K&auml;mpfer (wobei ich mir nach wie vor die Meinung erlaube, bei Maiden tr&auml;gt man kein Maiden-Shirt, aber das sei mir gestattet), als zu den ersten Kl&auml;ngen des neuen Albums ein riesiger Kochtopf hinter dem Drumset beginnt zu dampfen. Insgesamt ist die B&uuml;hne thematisch gehalten wie immer - gem&auml;&szlig; dem Thema der aktuellen Scheibe geht es um die Mayas und ihr zerbr&ouml;selndes Imperium, das wir in angedeuteten Tempelbauten und lustigen Stricken an der Seite erkennen. Da steht er pl&ouml;tzlich, der beste Flugkapit&auml;n der Welt, reckt seinen Kopf in die Inhaliermaschine - die nat&uuml;rlich einen irgendwie gearteten Schamanen-Zaubertank darstellen soll, schon verstanden - und bietet uns in bester Manier den episch-getragenen Start von "If Eternity Should Fail" vor. G&auml;nsehautfaktor Hoch 10! Dann steigt die gesamte Mannschaft ins Geschehen ein, Nico haben wir beim Betreten seiner Schlagzeugwohnung kurz erhascht, Dave war bei einem ordentlichen Friseur und sieht nicht mehr aus wie Prinz Eisenherz, Cheffe Harris wird wohl ewig in Fu&szlig;ballshorts auftreten, Adrian umschifft die modischen Eskapaden der 80er gekonnt, und Herr Gers f&uuml;hrt seinen seltsamen Ausdruckstanz auf, an den wir uns &uuml;ber die Jahre zwar gew&ouml;hnt haben, der aber immer noch seltsam wirkt. Alles in bester Ordnung also, der Sound ist von Anfang an glasklar [was leider nicht immer so war, viele andere Bands haben unter massiver Basslastigkeit gelitten - Kara], die b&uuml;hnentechnische Inszenierung &auml;hnelt mit atmosph&auml;rischer Beleuchtung, Detailaussstattung und pro Song wechselnden Backdrops einer szenischen Auff&uuml;hrung, Bruce schwingt sich heldenhaft in die h&ouml;chsten H&ouml;hen - und die Menge ist dabei, vom Start weg. Weiter geht's (nat&uuml;rlich, wie immer) mit Song zwei der neuen Scheibe, das krachige "Speed Of Light" bollert ordentlich voran, und Bruce meistert auch diese exaltierten Momente gekonnt. Wenn einen dabei der Gedanke an die Zungenkrebserkrankung des Herren beschleicht, die gerade einmal zwei Jahre her ist, wirkt es umso bemerkenswerter, dass er hier und heute das Mikro schwingt, auf die Boxen springt, offenbar sehr ausgelassener Stimmung ist - und als einziger Metal-Fronter &uuml;berhaupt in Wanderschuhen, Pluderhosen [Cargohose, Cargo! - Kara] und Kapuzenpulli vollkommen &uuml;berzeugend ist. Bruce darf das. Sonst eigentlich keiner. In maximaler Plauderlaune informiert er uns, dass wir uns um das Wetter keine Sorgen machen sollen ("I will dry you up!"), und dass man heute auch einige Klassiker am Start habe ("We have old songs, but we like to call them legacy. Well, I am old, so I am legacy as well.") Nun, dann geh&ouml;ren auch wir wohl zum Verm&auml;chtnis, aber wenn wir - viele von uns erstmals - das immer noch strahlende "Children Of The Damned" live in einer solchen Qualit&auml;t erleben d&uuml;rfen, dann sind wir das mehr als gerne. Die B&uuml;hne wird zutiefst theatralisch beleuchtet, Steve springt wie auf dem Sportplatz hin und her, und Bruce kr&ouml;nt alles - selbst in ihrer eigenen Liga spielen sie heute auf den vorderen Pl&auml;tzen. Die Robin-Williams-Gedenkhymne "Tears Of A Clown" bringt dann den ersten nicht essentiellen Beitrag - ordentliches St&uuml;ck, aber nicht unbedingt die erste Garnitur. Das &auml;ndert sich dann allerdings flugs wieder: bei "The Red And The Black" schwelgt vor allem Meister Harris in seinem Element, bearbeitet den Bass wie eine Flamenco-Gitarre, zelebriert die Hoppelrhythmen ebenso wie die Mitsing-"hohoho"-Parts, und Bruce mittendrin. Ein Epos neueren Datums, aber ganz die alte Maiden-Schule. Sauber!</p>
  299. <p>Dann ist aber gleich wieder Klassiker-Alarm: Eddie erscheint im Backdrop in roter Uniform, Bruce schwenkt einen zerfetzten Union Jack, und zum nicht mehr z&auml;hlbaren Male schwelgen wir in der harmonischen Gewaltattacke der leichten Brigade, die uns schon die Nadel des M&auml;rchenplattenspielers im Kinderzimmer ruinierte. "The Trooper" ist ein unkaputtbares, unverzichtbares Schlachtross - das nun folgende "Powerslave" dagegen ein lange nicht mehr live erlebtes Juwel aus ihrer ersten artistischen Hochphase Mitte der 80er. Die d&uuml;stere M&auml;r des sterbenden Pharao geh&ouml;rt zweifelsohne zu ihren Glanzlichtern und wird hier und heute effektvoll aufgef&uuml;hrt, wobei Bruce die lustige Federmaske aus den Live After Death-Zeiten gegen eine seltsame Plastik-Kappe austauscht. Egal, das Kino hier ist unangreifbar gro&szlig; und breitwandig. Zu "Death Or Glory", einem ruppig vorauspreschenden Headbanger von der aktuellen Scheibe, springt der Captain dann gar mit einem Affenp&uuml;ppchen um den Hals umher und animiert uns, Kletterbewegungen zu vollf&uuml;hren - die Aufl&ouml;sung f&uuml;r Unkundige liefert er selbst: im Song gehe es ja bekanntlich um den "Roten Baron" Manfred von Richthofen, der &uuml;ber seinen Dreidecker sagte, das Flugzeug klettere wie ein &Auml;ffchen und drehe sich wie der Teufel. In S&uuml;dafrika habe man dazu das Affenp&uuml;ppchen auf die B&uuml;hne geschmissen, und die Tradition nimmt ihren Lauf. Insgesamt f&auml;llt auf, dass man entgegen der Metal-Konventionen alles andere als verbissen, sondern gut gelaunt und teilweise selbstironisch vorgeht, was allerdings der Gravitas des nun folgenden zentralen neuen Gro&szlig;werks "The Book Of Souls" in keinster Weise Abbruch tut. Klar das gesangliche Highlight des Abends, unfehlbar in allen H&ouml;hen, ausladend in der Darbietung, eine Elegie auf untergehende Imperien. Wunderbar. Eddie stakst dazu als w&uuml;tender Maya-Krieger &uuml;ber die B&uuml;hne und macht Jagd auf Herrn Gers und auch Bruce, was ihm allerdings schlecht bekommt... Zwischendurch plaudert Bruce eifrig, einer "Dame", die ihr Oberteil offenbar nur symbolisch mitgenommen hat und freim&uuml;tig alles vorzeigt, ruft er im besten upper class Oxford Englisch zu: "Oh madam, what lovely breasts you have! And there's even two of them!" Das in den 90ern niedergeleierte "Hallowed Be Thy Name" erstrahlt in neuem Glanz, Zeremonienmeister Bruce macht uns komplett mit Strick den Kandidaten in der Todeszelle, der in dieser stockfinsteren Ballade auf sein Ende wartet, die Jubelmenge befolgt die wiederholten "scream for me M&uuml;nchen!"-Aufforderungen allzu gerne, bevor dann ein brillantes "Fear Of The Dark" als moderner Klassiker die Arena in einen kollektiven Gesangsraum verwandelt. Wenn es einen Signatur-Song der neueren Maiden-Historie gibt, dann ist es der hier: lang, hart, melodisch, mit Solo-Einlagen, die so eing&auml;ngig sind, dass sie begeistert mitgesungen (!) werden. Aber wer hat denn an der Uhr gedreht?</p>
  300. <p>Kann es sein, dass wir schon den alten Rei&szlig;er von der "<span class="strong">Iron Maiden</span>" vernehmen m&uuml;ssen, der ja traditionell das regul&auml;re set beendet? Ja, es kann, der Song knallt mit seiner vergleichsweise einfachen Struktur wie immer massiv daher - und jetzt alle Augen auf das Drumkit, hinter dem, so will es die Tradition, nun eine riesige Eddie-Figur erscheint, wieder im schicken Maya-Look. Nochmal Vollgas in Sachen Licht, Kamera, Aktion, dann ist der Zauberspuk vorbei. Aber nicht f&uuml;r lange: das von den Allgemeinbildungslevel-Fans vor allem herbeigesehnte "Number Of The Beast" er&ouml;ffnet den Zugabe-Reigen, ebenso begleitet von einer dr&auml;uenden Riesenfigur, die aussieht wie der Leibhaftige aus dem Christopher-Lee-Vehikel The Devil Rides Out. Soll er auch, immerhin geht es um Tod und Teufel, und ebenso traditionell &uuml;berzeugt das St&uuml;ck zwar durch die schiere Energie und das frenetische Mitsingen der offenbarten Zahlenfolge durch die brodelnde Menge, aber stimmlich und musikalisch ist das wie immer nicht unbedingt das Glanzlicht. Egal, den Schlachtenbummlern sagt es mehr als zu, und mit der &uuml;blichen Vorrede &uuml;ber die grenzen-, rassen- und geschlechter&uuml;bergreifende Macht der Musik ("no matter what gender you are - I thought there were only two, but I'm not so sure anymore" - immer wieder sch&ouml;n) ger&auml;t dann das hymnische "Blood Brothers" zur umjubelten Feierstunde. Ja, und jetzt fehlt nur noch ein Song... nat&uuml;rlich, hier kommt "Run To The" nix da! Dankenswerterweise lassen sie diesen &Uuml;berhit, den sie live partout nicht hinkriegen, weg. Richtig. Ich fand das gut. Ich habe n&auml;mlich viel lieber das wundersame Stakkato von "Wasted Years" wieder einmal vernommen, auch wenn Adrian an den Backing-Vocals ein wenig schr&auml;g ist und Bruce stimmlich nun das Ende der Fahnenstange erreicht hat - dennoch l&auml;sst er sich den Spa&szlig; nicht nehmen, Adrian st&auml;ndig den Mikrost&auml;nder wegzudrehen. Aus, vorbei, wunderbar, ein kr&ouml;nender Abschluss ist erbracht. Nico wirft zum Rausschmei&szlig;er "Always look on the bright side of life" ein paar Drumfelle in die Menge, die wie ein Frisbee bis nach hinten schweben, man verbeugt sich und entschwindet. <span class="strong">Iron Maiden</span> is going to get all of you. So schaut's aus. Und Herr Gers fiel gar nicht runter.</p>
  301. <p>So schlagen wir den Bogen zur&uuml;ck ganz zum Anfang: nat&uuml;rlich k&ouml;nnte man am Rockavaria einiges bem&auml;ngeln: das Wettrennen zum Klo, das seltsame Lineup am Samstag (das mit dem Zelten lassen wir nicht gelten - reimt sich sogar) - aber entgegen der im Vorfeld h&auml;ufig ge&auml;u&szlig;erten Vermutung, das sei mit diesem Jahr ein f&uuml;r alle Mal vorbei, darf man sich angesichts der Zuschauerzahlen, der &uuml;berraschend guten Idee mit der Doppelb&uuml;hne und der traumhaft gelegenen Seeb&uuml;hne und auch der Einsicht des Wettergottes wohl doch auf eine Ausgabe drei freuen. Wir bitten darum am besten dann mit Rock- und Metaldisko in der Olympiahalle, damit man ab 23:00 Uhr noch was zu tun hat. Schlie&szlig;lich haben wir es ja nicht weit, und unsere Zaung&auml;ste scharren schon. Bis n&auml;chstes Jahr, meine Herrschaften. Wir sind wieder dabei! </p>
  302. <p>UP THE IRONS!!!<br />
  303. </p>
  304. ]]></description><author>[email protected] (Heavyhardes.de - Live-Berichte)</author>
  305. <link>http://www.heavyhardes.de/live-657.html</link>
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  307. </item></channel></rss>

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