Congratulations!

[Valid Atom 1.0] This is a valid Atom 1.0 feed.

Recommendations

This feed is valid, but interoperability with the widest range of feed readers could be improved by implementing the following recommendations.

Source: http://www.heavyhardes.de/feeds/atom/heavyhardes_live_atom.xml

  1. <?xml version="1.0" encoding="ISO-8859-1" ?>
  2. <feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom">
  3. <updated>2017-05-29T02:00:01+02:00</updated>
  4. <title>Heavyhardes.de - Live-Berichte für Bayern und den Rest der Welt</title>
  5. <link rel="self" href="http://www.heavyhardes.de/feeds/atom/heavyhardes_live_atom.xml" />
  6. <author>
  7. <name>Heavyhardes.de - Live-Berichte für Bayern und den Rest der Welt</name>
  8. </author>
  9. <id>http://www.heavyhardes.de/</id><entry>
  10. <title type="html"><![CDATA[ Children Of Bodom, Forever Still &amp; Oni]]></title>
  11. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-670.html" />
  12. <id>http://www.heavyhardes.de/live-670.html</id>
  13. <updated>2017-05-17T10:00:21+02:00</updated>
  14. <published>2017-05-17T10:00:21+02:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>"Twenty Years down and dirty" - ja, man mag ungl&auml;ubig staunen, aber seit 20 Jahren kredenzt Alexi Laiho mit seiner Rasselbande nun schon melodisches Geschredde auf h&ouml;chstem Niveau. Wenn die Kinder mit einem Klassiker-Set anr&uuml;cken und dabei auch noch unsere Freunde von <span class="strong">Forever Still</span> mit im Tross fahren, dann steigen wir auch gerne ein. T&uuml;ren schlie&szlig;en und festhalten!</p>
  15. <p>Die Theaterfabrik in M&uuml;nchen gleicht einem Tollhaus, der Platz vor der B&uuml;hne scheint eine Art Dauer-Durchreiche f&uuml;r verwegene Gesellen zu sein - und die entr&uuml;ckte Menge sucht dabei permanent lautstark nach dem Zentralen Omnibusbahnhof M&uuml;nchen. So klingt es zumindest, wobei die Sprechch&ouml;re wohl doch eher "COB" intonieren als nach dem ZOB zu verlangen, wie das Personenfernverkehrsexperte Sebbo konstatiert. Aber wir eilen voraus, springen wir doch zur&uuml;ck zum Beginn und kehren dann gerne wieder zu dieser Szene zur&uuml;ck.</p>
  16. <p>Lange ist es her, dass Alexi Laiho und seine Bodenkinder uns beehrten, die Jubil&auml;umstournee f&uuml;hrt durch mehrere Ansetzungen in deutschen Landen (neben unserer sch&ouml;nen Landeshauptstadt tritt die Krabbelgruppe noch in Hannover, Stuttgart, Dresden und Berlin an), und die Setlist l&auml;sst gro&szlig;es vermuten: so sind wir doch ein wenig &uuml;berrascht, dass zu Beginn des Geschehens eine eher &uuml;berschaubare Menge in der Theaterfabrik in den Optimolwerken eintrudelt. Sei's drum, wir am&uuml;sieren uns noch ein wenig &uuml;ber den Zettel-Abriss, der aussieht wie ein Eintrittskarte zum &ouml;rtlichen Schwimmbad, als die Kanadier von <span class="strong">Oni</span> ganz massiv loslegen. Die sechs w&uuml;sten Gesellen preschen ordentlich nach vorne und legen dabei relativ wenig Wert auf Eing&auml;ngigkeit: angesagt ist eine Art progressiver Death, der mal ballert, mal melodisch wirkt und technisch immer auf h&ouml;chster Komplexit&auml;tsstufe abl&auml;uft. Neben Frontgrunzer/s&auml;nger Jake <span class="strong">Oni</span> bietet dabei Johnny D den Blickfang, der mit ca. zehn bommelbewehrten Kl&ouml;ppeln auf ein Xylophon (ja genau, das Ding, das wir in der Grundschule bedienen mussten) eindrischt, als ob er Themen zu verarbeiten h&auml;tte. Das groovt zweifelsohne, klingt bisweilen ein wenig nach Five Finger Death Punch, die Darbietung mit kollektiven H&uuml;pfattacken hat man bei Slipknot gesehen, und die Saitenfraktion frickelt sich regelm&auml;&szlig;ig den Wolf. "Einfach m&ouml;gen die es nicht", stellt Musiktheoretiker Sebbes treffend fest, als nach 25 Minuten der progressive Sturm vor&uuml;ber ist. Ach ja, und meine beliebte Frage, wer oder was ein <span class="strong">Oni</span> ist, l&auml;sst sich auch beantworten: das ist in der japanischen Mythologie wohl ein boshafter gestaltwandlerischer D&auml;mon. Again what learned.</p>
  17. <p>In der kurzen Umbaupause fragen wir uns, wie denn unsere Bekannten von <span class="strong">Forever Still</span> da hineinpassen sollen: Maja Shining, die wir im Vorfeld zu einem Plausch trafen, und ihr Kollege Mikkel r&uuml;hren ja keinen Schlagetot-Sound, sondern eher eine Mischung aus melodischem Metal an. W&auml;hrend die Herrschaften selbst beim Aufbau Hand anlegen, konstatieren wir, dass sich die Lokalit&auml;t nun doch zusehends f&uuml;llt, so dass zu den ersten Takten von "The Last Day" eine ansehnliche Zuschauerschar notiert werden darf. Nach einer bemerkenswerten Transformation (eben noch unsere sehr h&ouml;fliche Interviewpartnerin, jetzt Fronterin mit massiver B&uuml;hnenpr&auml;senz, Kriegsbemalung und Oberteil direkt importiert aus Senkelhausen) steigt Maja Shining beherzt ins Geschehen ein, ihr Partner Mikkel Haastrup tigert und springt &uuml;ber die gesamte B&uuml;hne, und auch insgesamt scheint der Sound und die Darbietung dr&uuml;ckender und aggressiver als bei ihrem Gastspiel mit Lacuna Coil im wohnzimmergro&szlig;en Strom letztes Jahr. "Wie geht's M&uuml;nchen?", begr&uuml;&szlig;t die Dame nun die Schlachtenbummler, die das Geschehen nach anf&auml;nglicher Zur&uuml;ckhaltung zunehmend goutieren und sich die durchaus einzigartige Kreation aus groovigem Metal, kraftvollem Gesang, elektrischen Elementen und teilweise erheblich verzerrten Bass-L&auml;ufen immer mehr gefallen lassen. "Miss Madness" brilliert wie stets, ebenso wie das fast zerbrechliche, atmosph&auml;rische "Tied Down", bei dem sich auch der Gastgitarrist, den sich Maja und Mikkel an Bord geholt haben, gut in Szene setzen kann. "How do you feel we speed things up a bit?" Diese Frage kann man sich bei diesem Publikum eigentlich sparen, und so l&auml;uft "I'm Out" mit massive Bass-Linien bestens rein. Nach dem hervorragenden "Once Upon A Nightmare" biegen sie dann langsam in die Zielgerade ein - "We love you!", schallt es da aus der Menge, Maja antwortet h&ouml;flich "We love you too!" und legt dann zu "Scars" (elektronische Einsprengsel inklusive) eine illustre Choreographie auf die Bretter (H&auml;nde hoch, H&auml;nde runter). Nach 30 Minuten ist die Sause vor&uuml;ber, man verabschiedet sich und eilt zum Merchandise-Stand, wo noch gute Gespr&auml;che und Foto-Gelegenheiten warten. Wie immer eine famose Leistung dieser Kombo, dessen kommende zweite Platte man unbedingt im Auge behalten sollte.</p>
  18. <p>Jetzt gibt es dann doch ein gr&ouml;&szlig;eres Neuarrangement, man rollt ein neues Schlagzeug herbei, die Reihen verdichten sich merklich, und nach kurzer K&uuml;nstlerpause setzt dann ein dr&auml;uendes Gewitter-Intro ein. Fast schon gen&uuml;sslich marschiert Klassensprecher Alexi dann auf die B&uuml;hne, postiert sich mittig, wir k&ouml;nnen gerade noch die wie gewohnt schwarz lackierten Fingern&auml;gel bestaunen, als es dann mit "Deadnight Warrior" sofort von null auf hundert losgeht. Sofort ist der typische COB-Sound  im Raum, die Kreiss&auml;gen-Riffs, die unglaublich pr&auml;zisen Melodie-Attacken und &uuml;ber allem Alexis w&uuml;tendes Keifen. Die Menge geht sofort steil, und nach "In the Shadows" begr&uuml;&szlig;t uns Zeremonienmeister Laiho wie gehabt sch&uuml;chtern: "How the fuck are we doing tonight?" Das sei ein spezieller Abend, erstens sei man schon lange nicht mehr da gewesen, und zweitens seien sage und schreibe zwanzig Jahre ins Land gezogen, seit man den Erstling Something Wild auf die Welt losgelassen habe. Das muss gefeiert werden, so viel steht fest, und womit k&ouml;nnte man das besser als mit dem nun folgenden "Needled 24/7"? Mit dieser Nummer haben sie ja seinerzeit sogar mich vereinnahmt, der ich ja nun wirklich nicht auf die extreme Gangart spezialisiert bin - aber eine derartig versierte Technik, aggressive Hochgeschwindigkeitspr&auml;zision und dabei noch unentrinnbare Eing&auml;ngigkeit, das konnte selbst ich dann nicht mehr links liegen lassen. Auch heute &uuml;berschl&auml;gt sich das St&uuml;ck fast, die Sympathisanten drehen am kollektiven Rad, und Alexi zelebriert die rasenden Soloeinlagen wie gehabt mit aufgest&uuml;tzter Gitarre und verbl&uuml;ffender Leichtigkeit. </p>
  19. <p>Seine Formation versieht die Dienste genau und zuverl&auml;ssig, Daniel Freyberg bearbeitet seinen 6-Saiter virtuos, w&auml;hrend Basser Henkka Sepp&auml;l&auml; irgendwie dreinschaut, als ob er das Ganze aus der Distanz beobachtet. Zupfen tut er aber ordentlich, keine Frage. Zur&uuml;ck in der Zeitmaschine geht es nun zum Hatebreeder-Album, mit einem St&uuml;ck, den man "in your city" noch nie live gespielt hat: "Black Widow" gef&auml;llt dennoch auf Anhieb mit flirrenden Soli und Melodien. War die Stimmung bislang schon gut, fliegt der Deckel sp&auml;testens jetzt vom Schnellkochtopf: bekanntlich darf man sich bei dieser Kombo bei jedem Song, der den Bandnamen im Titel tr&auml;gt, auf ein Glanzst&uuml;ck freuen, und als die ersten Takte von "Lake Bodom" ert&ouml;nen, rastet die Gemeinde folgerichtigerweise vollst&auml;ndig aus. Der Moshpit nimmt mehr oder weniger den gesamten Innenraum ein, die Crowdsurfer werden quasi auf dem Laufband durchgereicht und springen kurz danach wieder munter ins Geschehen. Oben zelebrieren Alexi und Konsorten den Signatur-Song vom Debut regelrecht, mit allen Markenzeichen, die auch nach zwanzig Jahren frisch wie am ersten Tag klingen. Neben "Needled 24/7" ganz klar das Glanzlicht des Abends. Auch bei dem im Vergleich eher getragenen, aber dennoch tonnenschwer groovenden "Angels Don't Kill" fliegen die Haar-Rotore, die Darbietung ist auf den Punkt, Alexi marschiert zu den Harmonie-Teilen zu Keyboarder Janne Wirman (der im Verlauf des Geschehens diverse Bouteillen eines seltsamerweise hierzulande popul&auml;ren Biers mit angeblichem Tequila-Geschmack leert) und feiert die Melodien standesgem&auml;&szlig;. Nach "Red Light In My Eyes" (einem weiteren R&uuml;ckgriff auf den Erstling) ballert dann "Hate Me!" alles nieder, w&auml;hrend Alexi uns den astreinen Metal-Paginini macht. Dabei geht er sogar einen Zacken zu virtuos vor, da er nach einem Schlenker ordentlich auf dem B&uuml;hnenboden landet. Der Meister nimmt\x91s mit Humor: "Well, I knew it was going to be a special night. What I did not know is that I was going to land on my ass." </p>
  20. <p>Da l&auml;sst sich das Publikum nicht lumpen und trumpft zu "Downfall" mit einer astreinen Wall of Death auf: einfach Mixer einschalten, Leute hineinwerfen, und los geht die wilde Reise. Puh! Das bei einer durchaus beachtlichen Anzahl holder Weiblichkeit, die auch Keyboarder Janne konstatieren muss (und die mich immer wieder zur Frage bringt, wo die Damen denn fr&uuml;her waren, da waren die Lager ja klar geteilt in M&auml;nner/Metal und Frauen/Disco): "Danke an die M&auml;dchen!", ruft er in passablem Deutsch, und f&uuml;gt gleich an: "Sagt dem Lichtmann mein Popo brennt. Licht zu hei&szlig;!" Ob wir denn jetzt noch Lust auf etwas wirklich heavy h&auml;tten, fragt uns Alexi, als ob das bisher nur ein laues L&uuml;ftchen gewesen sei. Aber klaro, wir sind dabei, und mit der Hymne von der Hate Crew Deathroll (was ist eigentlich eine Missgunstvereinigungstodesrolle?) bekommen wir dann auch prompt die Vollbedienung. Brachialit&auml;t mit Stil, gewisserma&szlig;en. Krass. So rast die Sause langsam ihrem Ende entgegen, "Bed Of Razors" und das absolut herausragende "Children Of Decadence" beenden den regul&auml;ren Set, aber zu "The Nail" und "Towards Dead End" kommen sie nochmal wieder. Wir eilen geschwind zum Merchandise-Tischlein, wechseln noch einige Worte mit Maja und Mikkel und stellen fest: ein rundum gelungender Abend, der ganz gepflegt in den Allerwertesten getreten hat. Die Rasselbande ist fast schon erschreckend frisch, das Material rostfrei - finnische Ma&szlig;arbeit eben.               </p>
  21. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.</p>
  22. ]]></content></entry><entry>
  23. <title type="html"><![CDATA[ Battle Beast &amp; Majesty]]></title>
  24. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-669.html" />
  25. <id>http://www.heavyhardes.de/live-669.html</id>
  26. <updated>2017-05-15T09:19:57+02:00</updated>
  27. <published>2017-05-15T09:19:57+02:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Schier unaufhaltsam galoppiert, st&uuml;rmt und donnert es, das finnische Schlachtross: <span class="strong">Battle Beast</span> machen einfach alles richtig. Nicht nur hauen sie mit Bringer Of Pain ein berauschendes neues Album heraus, nein, auch auf den B&uuml;hnen &uuml;berzeugen die Herrschaften nachweislich immer auf ganzer melodischer Linie. Wenn man uns als alte Weggef&auml;hrten somit zum Tanztee auffordert, dann sagen wir dazu nur: Enter the metal world of doom!</p>
  28. <p>Also, ein gutes Ged&auml;chtnis hat er ja schon, der gute Eero Sipil&auml;, seines Zeichens Battle-Beast-Basser: man sei ja mittlerweile zum vierten Male hier im Backstage, referiert er irgendwann im Set - zuerst als Support von Sonata Arctica, dann als Opener f&uuml;r Powerwolf, anschlie&szlig;end ein paar Meter weiter im kuschligen Club vor 300 Leuten (na, das ist durchaus wohlwollend aufgerundet, aber lassen wir das mal so stehen - immerhin war das erstmals als Headliner und somit achtbar), und jetzt hier und heute im Werk vor einer ausverkauften Bude mit mehr als 800 Nasen. Was er leider nicht erw&auml;hnt: mit Ausnahme des ersten Ausritts waren wir immer dabei und haben mithin den mehr als verdienten Aufstieg dieser Kombo hautnah verfolgt. Grade weil es immer so sch&ouml;n ist mit ihnen und weil die neue Scheibe Bringer Of Pain wieder diese unversch&auml;mt eing&auml;ngige Variation des 80er-Hard Rock-Sounds in Reinkultur serviert, sind wir geradezu hibbelig, als wir ins Werk marschieren. </p>
  29. <p>Dort ist noch durchaus gut Luft, als die erste handfeste &Uuml;berraschung auf uns wartet. Denn die Japaner von Gyze (ausgesprochen Gi-ze, also wie die Pyramiden) r&uuml;hren keinesfalls einen exotischen Klang-Reiswein an, sondern ballern eine energetische Mischung aus melodischem Death und Power Metal in die Reihen. Da schaut man sich kurz verdutzt an und reibt sich die Augen, aber die technische Pr&auml;zision und Spielfreude der drei Herren rei&szlig;t die erstaunten Anwesenden zunehmend mit. An der Gitarre macht uns Ryoji den astreinen Alexi Laiho, mit flirrenden Soli, bezaubernden Melodien und kr&auml;ftigem Keifgesang. Ein wenig Englisch und Deutsch hat er wohl einstudiert, obgleich man die Ansagen au&szlig;er "Dankesch&ouml;n" kaum versteht - dennoch ist klar, dass er vehement m&ouml;chte, dass wir mitmachen, und das tun wir ja auch gerne. Sein Mitstreiter Aruta am Bass gibt sich weniger agil, gl&auml;nzt daf&uuml;r aber mit Kajal-Schminke a la Adam Ant und von Charlotte Wessels entliehenem roten Haarschopf, bevor er dann doch ins Synchron-Banging einschwingt. Das Material - vermutlich vorzugsweise vom aktuellen Album Northern Hell Song - changiert einstweilen zwischen ruppig-melodischen Death-Attacken und Guitar-Hero-Power-Metal-Material mit folkigen Einsprengseln, das in jeder Sekunde zu &uuml;berzeugen wei&szlig;. Die Menge ger&auml;t derart aus dem H&auml;uschen, dass wir uns kaum erinnern k&ouml;nnen, bei einer vollkommen unbekannten Support-Band derart enthusiastische Reaktionen erlebt zu haben. Am Ende wirft man CDs aus, Verz&uuml;ckung allenthalben. Arigatou gozaimasu f&uuml;r diese drei&szlig;ig Minuten, meine Herren!</p>
  30. <p>Uns schwirrt noch der Kopf nach dieser verwirrend vorz&uuml;glichen Darbietung, so dass wir kaum wahrnehmen, wie die B&uuml;hne nun flugs mit einem "Rebels"-Backdrop f&uuml;r die deutschen Wahrmetaller <span class="strong">Majesty</span> hergerichtet wird. Kurz nehmen wir noch verwundert zur Kenntnis, dass ein paar gut beleibte Zaung&auml;ste das mit der Garderobe offenkundig nicht ganz verstanden haben (da soll man seine Jacke abgeben, nicht T-Shirt nebst Hirn), als das Kommando die Bretter st&uuml;rmt. Emanuel Knorr und Robin Hadamovsky an den Gitarren nebst Basser Alex Voss steigen mit "Die Like Kings" gleich massiv aufs Gaspedal, und sp&auml;testens als Fronter Tarek "MS" Maghary (das MS steht nicht f&uuml;r Motorschiff, sondern f&uuml;r Metal Son) mit ins Geschehen eingreift, wird klar: der Kajal scheint heute zum obligatorischen Accessoire zu geh&ouml;ren. Das soll uns nicht weiter st&ouml;ren, wir konstatieren wie stets bei diesen Kollegen einen beherzten Auftritt, der in Optik und Sound bekanntlich eine deutsche Version der mittlerweile zu Zirkusartisten verkommenen ehemaligen selbst ernannten Kings Of Metal bietet. Heute kommt die Darreichung durchaus gut an, inklusive der H&uuml;pf-Einlagen zur Bandhymne "<span class="strong">Majesty</span>" (wobei das Publikum deutlich h&ouml;her hinaus will als die Vort&auml;nzer auf der B&uuml;hne) und synchroner Ballett-Schritte, die wir schon weiland bei Accept bewundern durften. </p>
  31. <p>"The Final War" kredenzt dann eine schnelle, dank keyboard-Eins&auml;tzen Sabaton-artige Nummer vom aktuellen Album, bevor der gute Tarek uns nun warmherzig begr&uuml;&szlig;t, wir feststellen, dass sein Wams wieder etwas besser sitzt, und er mit dem nun folgenden neuen "Yolo HM" das Motto festlegt: Spa&szlig; an der True Metal-Freude ist angesagt, und mit den Augen darf man dabei auch mal zwinkern. Als ich noch erkl&auml;ren darf, was es denn mit dem omin&ouml;sen "Yolo" auf sich hat (Jugendwort des Jahres 2012, damit schon l&auml;ngst wieder mausetot, hie&szlig; "you only live once" und stand f&uuml;r eine Attacke-Attit&uuml;de), stellt Lokalkulturhistoriker Sebbo fest: das ist hier wie auf dem Jahrmarkt, zackige Sounds und z&uuml;nftige Unterhaltung - quasi die Metal-Version von Auf geht's zum Schichtl! Dort gibt man bekanntlich Enthauptungen t&auml;glich, so weit geht der gute Metal Son Tarek nat&uuml;rlich nicht, sondern teilt die Menge in rechts und links, wir m&uuml;ssen schreien, und weiter geht's mit der getragenen Ballade "Across The Lightning" (ebenfalls vom aktuellen Langeisen), zu der wir brav nach rechts und links winken. Sch&ouml;n. Bei der wahrlich-Metall-Hymne "Metal Law" (ein R&uuml;ckgriff auf das Hellforces-Album von 2006) bricht der kollektive Mitsing-Alarm aus, die Gitarren blinken hell, und Tarek erkl&auml;rt uns, dass man hier und heute Szenen f&uuml;r das n&auml;chste Video mitschneiden wolle. Was auch erkl&auml;rt, warum ein emsiger Techniker permanent umher huscht und mitfilmt, so auch zu "Heroes In The Night" (n&auml;chster Strich auf der Rebels-Trackliste). Mit "Thunder Rider" biegt der schwarz gewandete Tross auf die Zielgerade ein, bevor dann "Rebels Of Our Time" (eingeleitet mit dem Hinweis auf den eigens daf&uuml;r produzierten Kurzfilm, zu bestaunen auf dem Youtube-Kanal der Majest&auml;ten) nach einer knappen Stunden den Schlusspunkt setzt. Kurzweilig keine Frage, energisch wie die Duracell-Trommler, und ausgelassene Stimmung wie auf dem Volksfest. Siehe oben. Man sieht sich am Merchandise-Stand.</p>
  32. <p>Wir ketten uns einstweilen an unserem neuen Stammplatz vorne links fest, denn immerhin kann es nun ja nicht mehr lange dauern, bis wir in die Metallwelt von <span class="strong">Battle Beast</span> eintreten d&uuml;rfen. Siehe da, hinter dem Drumkit (man verwendet den ganzen Abend das selbe mit durchsichtigen Trommeln, sieht schick aus und beschleunigt die Umbauten enorm) krabbelt in lustig gemusterten Strumpfhosen alsbald Schlagwerker Pyry Vikki hervor - anschnallen und los geht die Sause mit "Straight To The Heart", dem Opener des aktuellen Albums. Hossa, welche eine Atmosph&auml;re von Anfang an: die Menge zeigt sich sofort begeistert, der vormals noch hoffnungslos &uuml;berrannte Bierstand ist verwaist, der Sound ist astrein (nicht &uuml;berzogen laut, vielen Dank), und die Spielfreude der Kombo &uuml;bertr&auml;gt sich augenblicklich. Aber da kommt sie zu weiteren Jubelst&uuml;rmen nun endlich daher: Noora Louhimo macht uns mit langem schwarzen Ledermantel, blonder M&auml;hne und - richtig geraten - massiver Augenschminke eine veritable Metal Queen. Der Mixer wei&szlig; offenbar, was er tut, und bringt im Klangteppich den Gesang laut und deutlich nach vorne, was ja nicht jeder Kombo gut zu Gesichte steht. Hier geh&ouml;rt das Organ allerdings dazu wie die Spiegelkugel an die Disco-Decke, wobei Noora kr&auml;ftig und treffsicher brilliert. Auch in Sachen B&uuml;hnenpr&auml;senz sp&uuml;rt man, dass diese Kollegen auf zunehmend gro&szlig;en B&uuml;hnen zu Hause sind: die Instrumentalfraktion zeigt sich agil, w&auml;hrend Noora l&auml;ssig-&uuml;berzeugend die B&uuml;hne dominiert. "Bringer Of Pain" schie&szlig;t als Judas-Priest-Hommage in H&ouml;chstgeschwindigkeit vorbei, und Noora sinniert dar&uuml;ber, dass die <span class="strong">Battle Beast</span> Family stetig wachse - von 300 bis auf 800 heute, und diese 800 geraten aus dem kollektiven H&auml;uschen, als nun die Single-Auskopplung "Familiar Pain" an den Start geht. Ein ordentlicher Stampfrhythmus verbindet sich da mit einem waschechten Pop-Metal-Refrain - damit kommen nicht viel davon, aber hier macht es die W&uuml;rze aus. Der ganze Laden h&uuml;pft (h&ouml;her als vorher) und singt beseelt mit, wir halten schon jetzt fest: das wird richtig gut heute. </p>
  33. <p>Janne Bj&ouml;rkroth verbeugt sich auch optisch mit Umh&auml;nge-Keyboard in Richtung 80er, das passt ins Gesamtgef&uuml;ge, denn sp&auml;testens mit "Into The Heart Of Danger" f&uuml;hle ich mich wie stets zur&uuml;ckversetzt in so ziemlich alle Soundtracks von Action-Spektakeln dieser Dekade aus der Feder eines gewissen Harold Faltermeyer. Fast m&ouml;chte man mit Maverick die Hundemarke von Goose ins Meer schleudern, so wundersam ist das, was nun mit "We Will Fight" ein kollektives F&auml;usterecken zeitigt. "I am almost speechless!", zeigt sich Basser Eero von den Reaktionen entz&uuml;ckt: "This seems like a pointless question, but are you ready to get this party started?" Dann versucht er, auf Deutsch diejenigen Songs der Setlist zu z&auml;hlen, die vom aktuellen Album stammen, scheitert erst bei "f&uuml;nf", und sagt dann kurzerhand lieber das &auml;ltere "Let It Roar" an. Dieser Up-Tempo-Stampfer geht in die Vollen, Noora f&uuml;hrt einen wilden Tanz auf, und im Publikum ist sogar ein Crowdsurfer zu erkennen (vielleicht ist der ja vom letzten Mittwoch &uuml;brig, als Arch Enemy das Surfer-Flie&szlig;band anwarfen). Ebenfalls wie die gute Alissa verschwindet auch Noora nach jedem Song kurz hinter den Kulissen - die Wurst-Fraktion bleibt heute aber vermutlich ungeschoren, oder? Egal, wir sind hier ja beim Metal, "and here it is erlaubt to go apeshit crazy", meint Eero jetzt, und das tun wir dann auch gerne nur immer wieder absolut herausragenden, mit einem gut gelaunten "from the land of Pokemon" angek&uuml;ndigten "Black Ninja", die Noora mit schwarzem Lederfummel zelebriert (daher also der Abstecher nach hinten). "Far From Heaven" bringt dann als getragene Ballade wundersch&ouml;ne Atmosph&auml;re, zu "Lost In Wars" macht uns Noora in schwarzem Umhang und Zauberstab die dunkle Fee Maleficent, als man uns dann per Gitarre ein Star Wars-Thema kredenzt und Keyboarder Janne ein Fl&auml;schchen Bier in einem Zug leeren muss. Was er auch mit Bravour schafft. Bei "Iron Hand" vom Debut Steel, auf dem sie noch wesentlich traditionell-metallischer klangen, sch&uuml;ttelt Noora ihre M&auml;hne derart, dass sie danach nicht mehr unbedingt in der Drei Wetter Taft-Werbung auftreten k&ouml;nnte, aber das ist uns bei dieser Vokal-Leistung herzlich egal. </p>
  34. <p>"Well, you have heard a lot of types of metal tonight", plaudert die Gute nun mit uns, "you have heard Power Metal, Speed Metal, True Metal... but you haven't heard - Disco Metal!" Danke, dass ihr das selbst zu bezeichnet, so k&ouml;nnen wir endlich offiziell betonen, dass "Touch In The Night" und auch andere Nummern knietief im Sumpf des 80er-Europop vom Schlage einer Sandra und Konsorten stehen, dass es eigentlich unerkl&auml;rlich ist, warum die ganze kutten- und mattenbewehrte Meute hierzu steil geht. Uns inklusive. Vielleicht, weil es einfach genial ist, wie diese Kompositionen funktionieren und die Melodien einfach untentrinnbar sind? Das n&auml;mliche gilt f&uuml;r die folgende Attraktion, f&uuml;r das man laut Eero alle "Viking Warriors in Munchen, Deutschland" ben&ouml;tige: da sind wir hier ja richtig, und wir feiern das schmackige "Bastard Sons Of Odin" standesgem&auml;&szlig; ab. Auf dem Papier klingt das genauso nach Kirmes wie <span class="strong">Majesty</span>, funktioniert aber irgendwie besser. Noora in Nietenwams macht massiven Eindruck, beim Refrain tritt man kollektiv in imagin&auml;re Hintern - wir sind entz&uuml;ckt. Das Stakkato von "Enter The Metal World" f&uuml;hrt zum Kollektivrausch, und die Setlist neigt sich bedrohlich dem Ende entgegen. Wo ist dieser verflixte pinke Panther, der hier die Zeitmessung manipuliert?? "This ist the last show of this tour", informiert uns Noora nun, "we would like to go on, but we have to go to America. I do not know why Sabaton wanted us". Meine Liebe, das ist in Deutschland ein Fehler, diese Kombo zu erw&auml;hnen: sofort setzt es die &uuml;blichen "noch ein Bier"-Sprechch&ouml;re, zu denen dann alle beherzt prosten d&uuml;rfen. Ein furioses "Out Of Control" bringt das regul&auml;re Set zu Ende, sie verschwinden kurz, und wir protestieren lauthals. Sie kommen nat&uuml;rlich noch einmal zur&uuml;ck, man dankt f&uuml;r die "biggest show in Germany" und stellt fest, das m&uuml;sse nat&uuml;rlich mit einem "tribute to Manowar" gefeiert werden - hoch die F&auml;uste zum Kings Of Metal-Gru&szlig;, und los geht's mit der Keyboard-Melodie von...."Last Christmas". Von Wham. Ein Schelm, wer B&ouml;ses (etwa einen Seitenhieb auf die True Metal Fraktion?) dabei denkt - wir nicht, wir freuen uns an einem wunderbaren "King For A Day", auf das mit "Beyond The Burning Skies" das unerbitterlich letzte St&uuml;ck folgt. Aus? Nein! Wir fordern eine Resolution! Wir wollen eine Spielzeit von vier Stunden, die Setlist bitte mindestens dreimal komplett durchspielen, und dann nochmal von vorne - allein, es wird nicht stattfinden, da hilft es auch nicht, dass ich Noora die Hand dr&uuml;cke und sage, dass das alles "wonderful" war. Sie m&uuml;ssen heim, es nutzt ja nichts, zum "Top Gun"-Thema von der Konserve verschwinden sie. Wie passend. Was ein Fest der sch&ouml;nen Melodien, Freunde. Wir sind noch v&ouml;llig benommen, halten fest, dass dies definitiv eines der Highlights des bisherigen Jahres war, und gehen noch ein wenig in den kleinen Club. Dort setzen wir uns auf die B&uuml;hne, auf der wir vor weniger als zwei Jahren noch die gleichen <span class="strong">Battle Beast</span> bestaunten, und schauen jungen Damen in Kniestr&uuml;mpfen noch ein bisschen zu, wie sie zu Schlagetot-Musik umherspringen. Aber zu Noora ist das nat&uuml;rlich kein Vergleich. </p>
  35. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.<br />
  36. </p>
  37. ]]></content></entry><entry>
  38. <title type="html"><![CDATA[ Anthrax &amp; The Raven Age]]></title>
  39. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-671.html" />
  40. <id>http://www.heavyhardes.de/live-671.html</id>
  41. <updated>2017-05-10T12:10:36+02:00</updated>
  42. <published>2017-05-10T12:10:36+02:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>"I'm the walking dude!" Mit dieser markersch&uuml;tternden Weisheit zementierten <span class="strong">Anthrax</span> vor sage und schreibe 30 Jahren ihren Ruf als Institution im Thrash. Das muss geb&uuml;hrend gefeiert werden: mit dem grandiosen letzten Streich For All Kings und der gesamten Among The Living-Langspielplatte im Gep&auml;ck zerlegen die Herren derzeit die Spielst&auml;tten rund um die Welt. Die Frage, ob wir hier dabei sein mussten, er&uuml;brigt sich wohl.</p>
  43. <p>Julius-Echter-Gymnasium, irgendwo in Unterfranken, 1987. Ein junger Herr betritt das Kollegstufenzimmer, bestaunt das neue Wandornament und fragt anerkennend: "Wer hat denn die Mosher aufgeh&auml;ngt?" Da war n&auml;mlich Joey Belladonna in vollem Federschmuck zu sehen, inmitten seiner Kollegen, wie sie gerade die Hymne von den Indianern live darbieten. Pioniere waren sie damals und auch lange danach - die ersten, die den Crossover zum Rap wagten ("I'm the Man" war immerhin die B-Seite der "I Am The Law"-Single) und, viel wichtiger, die mit kurzen Skateboard-Hosen auftraten: vollkommen undenkbar in Zeiten des durchgestylten Hair-Metal - 1988 bei Monsters of Rock in Schweinfurt wurden die Shorts sogar als Merchandise feilgeboten, und die deutschen Rabauken von Tankard behaupteten per T-Shirt: "We can't skate, but we drink!" Aber auch wenn Alben wie Persistence Of Time Anfang der 90er noch f&uuml;r Anerkennung bei den Kritikern sorgten, fielen auch diese Recken der finsteren Dekade letztendlich zum Opfer und meldeten sich so richtig erst 2003 mit We've Come For You All zur&uuml;ck. Seitdem haben sich die Herrschaften um Rauschebart Scott Ian stetig wieder hochgearbeitet - dank wahrhaft berauschender Scheiben, einem immer besser aufgelegten, wieder eingestiegenem Fronter und vor allem unerm&uuml;dlicher Dauerpr&auml;senz (Vorschlag an Tankard f&uuml;r ein neues Shirt: "Ist da eine Steckdose? Dann warte nur ein wenig, dann spielen <span class="strong">Anthrax</span>!").  Auch wenn sie also eigentlich gar keine Tour brauchen, ziehen sie derzeit unter dem Motto "Among the Kings" durch die Welt - geboten wird dabei eine Mischung aus St&uuml;cken, die per online-Voting von den Sympathisanten gew&uuml;nscht werden durften, plus die klassische Among The Living-Scheibe in voller glorioser L&auml;nge. </p>
  44. <p>Das zieht doch jede Menge Schlachtenbummler ins Backstage-Werk, das sich allerdings erst nach und nach f&uuml;llt, so dass die Briten von <span class="strong">The Raven Age</span> mit noch ein wenig lichten Reihen konfrontiert sind. Den Namen kennen wir aber doch - richtig, und zwar von den Ank&uuml;ndigungen der derzeit auf Hochtouren laufenden Book Of Souls-Reise von Iron Maiden, wo man auch als Support gebucht ist. Ganz sch&auml;dlich ist es im Musik-Business eben doch nicht, wenn man George Harris hei&szlig;t und der Sohnemann von Maiden-Basser Stevo himself ist. Mr Harris jr. bedient in Shirt nebst umgedrehter Baseballm&uuml;tze allerdings zwei Saiten mehr als der Herr Vater: nach einem langsamen, getragenen, sehr melodischen Intro steigen die Londoner mit "Uprising" in ihr Set ein, das dann ebenso sehr melodisch weitergeht. Die Klassifizierung als Metalcore unterst&uuml;tzen wir eher so &uuml;berhaupt gar nicht: vielmehr wirkt das teilweise wie angerockter Britpop, was die Mannen da fabrizieren. Shouter Tony Maue, der erst seit 2016 in Diensten steht, bringt dabei neben einem fantasievollen Haarschopf eine streckenweise etwas d&uuml;nne Vokalleistung, die allerdings von den durchaus gef&auml;lligen Kompositionen glattgeb&uuml;gelt wird, die vereinzelt an Linkin Park und Konsorten erinnert. Das etwas schnellere "Eye Among The Blind" kommt da noch am besten r&uuml;ber, w&auml;hrend die aktuelle Single "Salem's Fate" (auch in den einschl&auml;gigen Du-R&ouml;hre-Kan&auml;len als Video zu bestaunen) f&uuml;r K&uuml;chenprofi Sebbes eher weniger trefflich klingt, der sich dabei an einen mit Steinen gef&uuml;llten Mixer gemahnt f&uuml;hlt. Na, so &uuml;bel ist es doch gar nicht, mit "Angel In Disgrace" verabschieden sich die Mannen dann nach einer Dreiviertelstunde auch schon wieder von uns, und wir stellen fest, dass die kompositorische Qualit&auml;t durchaus besser ist als die Live-Pr&auml;senz - aber dazu haben sie ja noch gen&uuml;gend Zeit, und wir k&ouml;nnen das Ende April nochmals &uuml;berpr&uuml;fen. Dann spielen sie wieder vor Harris sen.</p>
  45. <p>Jetzt wird es dann doch allm&auml;hlich voller, wir wundern uns &uuml;ber das Publikum, das deutlich j&uuml;nger ist als vermutet und auch &uuml;berraschend viel holde Weiblichkeit beinhaltet, die beim Thrash seinerzeit ja einen Anteil von relativ genau null Prozent ausmachte. Popul&auml;r scheinen sie in der Tat wieder zu sein, auch bei den ebenso anzutreffenden &auml;lteren Semestern, die allerdings kaum explodiert und abgebrannt aussehen, sondern fast ausnahmslos aufger&auml;umt und gut situiert - am Montag sitzen die wieder alle im B&uuml;ro oder in der Amtsstube (wir ja auch, das ist nicht sch&auml;ndlich), aber heute Abend wird gemosht. Der B&uuml;hnenaufbau nutzt die Dimensionen der R&auml;umlichkeit kaum aus ("die sind nicht mehr so fit, die k&ouml;nnen nicht mehr so viel laufen!", erkl&auml;rt Altersforscher Sebbes kenntnisreich), das Schlagzeug thront erh&ouml;ht und geschm&uuml;ckt mit einem "For All Kings"-Schriftzug. Ebenso deutlich drapiert sind diverse Dosen eines zweitklassigen Energy-Drinks - kurios, f&uuml;r was man alles Promotion-Auftr&auml;ge ergattern kann, aber sei's drum. Schlag 20:45 Uhr hei&szlig;t es dann Licht aus, Spot an: von der Konserve kommt als Intro "Impaled", dann gibt es kein Halten mehr. Und zwar w&ouml;rtlich. Denn mit den ersten Takten des alten Rei&szlig;ers "A.I.R." offenbaren die Angereisten vor der B&uuml;hne, dass man heute anscheinend den ernsthaften Versuch unternehmen m&ouml;chte, die Halle zu demontieren. Der Innenraum gleicht einer Waschmaschine im Schleudergang, so beherzt geht es im Moshpit zur Sache, in dem sich auch eben jene Herrschaften tummeln, die wir eben noch als respektable B&uuml;rog&auml;nger klassifiziert hatten. Fett! Auf der B&uuml;hne steht man der Bewegungsfreude dabei in nichts nach: "the Frank" Bello f&uuml;hrt seinen Derwisch-Tanz auf, wie wir ihn kennen, Charlie verdrischt die Felle nach allen Regeln der Thrash-Kunst, und Scott Ian (Haare - schon lange keine mehr, Hose - immer noch kurz, als einziger!) greift so beherzt in die Saiten, dass er mitten im Lied die Gitarre wechseln muss. Dann h&uuml;pft der Springteufel des Abends hervor: Joey Belladonna mag zwar aussehen, als ob er regelm&auml;&szlig;ig unter der Sonnenbank n&auml;chtigt - an seiner Stimmgewalt und vor allem seinem Aktionsradius gibt es kein Deuteln. </p>
  46. <p>Ohne Pause geht es weiter mit einem m&auml;chtigen "Madhouse", das die Zust&auml;nde in der Halle durchaus treffend beschreibt. Scott Ian zeigt einstweilen bei "Evil Twin", wie Riffing der alten Schule auszusehen hat: messerscharf, pr&auml;zise, auf den Punkt. "Der spielt wie ein Uhrwerk!", kommentiert Wahlschweizer Sebbo, w&auml;hrend Joey sich nun auch einmal kurz an uns wendet: man freue sich hier zu sein, in M&uuml;nchen habe man &uuml;ber die Jahre schon viele Feste gefeiert. Obwohl das an jeder Spielst&auml;tte &auml;hnlich aufgesagt werden d&uuml;rfte, gereicht es doch zur Freude, zumal sich die Herrschaften im Laufe des Abends durchaus publikumsnah geben: &Uuml;bungsleiter Joey schneidet lustige Grimassen, sucht den Blickkontakt, klatscht mit den vorderen Reihen ab (sogar seitlich hinter der B&uuml;hne, wenn er mal kurz pausiert) und reicht schlie&szlig;lich ein Plektrum direkt an einen Schlachtenbummler, der auf dem Flugweg partout keines zu erhaschen vermag. Das epische "Blood Eagle Wings" beweist, wie <span class="strong">Anthrax</span> ihren Stil &uuml;ber die Jahre verfeinert haben: anstelle des permanenten Stakkatos, das auf "State Of Euphoria" streckenweise erm&uuml;dend wirkte, kredenzen sie mit diesem neuen St&uuml;ck eine pechschwarze Ballade voller finsterer Melodie. Wunderbar und von Scott sichtlich mit Herz vorgetragen. Herausragend. An der Schuhfront k&ouml;nnen wir heute zwar nichts Witziges vermelden (ordentliche Turnschuhe sind das Mittel der Wahl), aber mit einem schmackigen "Welcome to the album Worship Music!" treten sie mit "Fight \x91Em Till You Can't" das Gaspedal wieder massiv durch. "Jetzt kommt der Brathering! Was ein Song!", freut sich nun Fischh&auml;ndler Sebbo, und in der Tat kracht "Breathing Lightning", die erste Single des "Kings"-Albums, ganz gewaltig und mitrei&szlig;end ins Kontor. Die schwere Auftaktmelodie von "Be All, End All" spielt uns Scott dann bewusst langsam und heavy - Mitsingalarm allenthalben, als diese Nummer dann hereinbricht und den ersten Teil des Abends beschlie&szlig;t. </p>
  47. <p>"We'll be right back!", sichert uns Herr Belladonna zu, und Scott macht grinsend deutlich, was bevorsteht: "Get ready, motherfuckers!" W&auml;hrend ich einem wirren Menschen tats&auml;chlich weismachen kann, dass es das jetzt war (was ich dann nat&uuml;rlich doch aufl&ouml;se, das w&auml;re ja unfair, wenn der jetzt heimgeht), wird die B&uuml;hne ein wenig umgestaltet, mit Treppen best&uuml;ckt (wieder eine Showb&uuml;hne! Das hatten wir ja erst bei Amberian Dawn!) - und dann macht man sich an einen zweiten Soundcheck, was die Pause dann doch etwas in die L&auml;nge zieht. W&auml;hrend wir noch verschiedene Theorien aufstellen, was in aller Welt die Kollegen denn nur treiben (Sauerstoffzelt? Mittagsschl&auml;fchen? Schlange stehen am Burgerstand drau&szlig;en vor der Halle, damit Joey nicht noch mehr vom Fleische f&auml;llt?), macht sich leichter Unmut breit - "das Volk langweilt sich!", stellt Demoskop Sebbo fest, aber dann geht es endlich in die zweite Runde. Die B&uuml;hne wird in rotes Licht getaucht, das unheilsdr&auml;uende Intro kommt von der Konserve, Mr Benante steigt wieder in sein Arbeitsger&auml;t ein - so f&auml;llt der Startschuss f&uuml;r die furiose Reise in die Thrash-Geschichte, die in komplett rostfreiem Glanz strahlt. "Among The Living" rei&szlig;t immer noch alles nieder, der Titeltrack knallt wie die sprichw&ouml;rtliche Wutz, und im Pit geht sp&auml;testens nun die Post per Express ab. "The walking dude", ja, den macht Scott heute vor, der im Kreis &uuml;ber die B&uuml;hne watschelt, w&auml;hrend Joey den Federschmuck gegen eine schwarze Wollm&uuml;tze ausgetauscht hat (ist ja immer noch Februar, nicht wahr!) und noch ausgelassener wirkt als in Abteilung eins. Die Treppen kommen dabei permanent zum Einsatz, entweder springt der Derwisch namens Bello hinauf oder Mr Ian platziert sich vor dem Drumset - wunderbar. Bei dem nun standesgem&auml;&szlig; folgenden "Caught In A Mosh" ticken die Schlachtenbummler endg&uuml;ltig aus, zu rasend ist die Basslinie, zu der Frank Bello den Wahnsinn in Person mimt. Das ist die Essenz von <span class="strong">Anthrax</span>: schnell, brachial und trotzdem mit unentrinnbarem Mitsing-Faktor. "One World" liefert dann einen der zwei schw&auml;cheren Songs des Albums, aber dann folgt ihr vielleicht bekanntester Streich: Judge Dredd rult auch heute unver&auml;ndert, mir schie&szlig;en Bilder des Leibchens in den Kopf, das ein Mitstreiter aus Protest gegen einen Sonderdienst bei der Armee (da mussten wir damals noch hin, jaja) trug, aber viel Gelegenheit zum Nachdenken bleibt nicht: "I Am The Law" zerlegt die Halle f&ouml;rmlich, vom Monsterriff &uuml;ber den Mosh-Teil in der Mitte bis zum Ende. Kolossal. "Fuck yeah, Bavaria!!" Das kann man wohl so sagen, Herr Ian, in der Tat. </p>
  48. <p>"If you asked me in 1987 what my favorite song was on the album, I would have said this one - because it is relentless and never stops", so k&uuml;ndigt Scott jetzt die Nummer "A Skeleton In The Closet" an - und wir m&uuml;ssen wieder zustimmen: shredding at its best, da gibt es keinen Zweifel bei dieser Nummer, mit der sie wieder einmal ihrem Held Stephen King huldigen (wie auch beim Titeltrack und sp&auml;ter mit "Misery Loves Company"). Da l&auml;sst sich der gute Joey die Butter dann doch nicht vom Brot nehmen: ganz ohne Begleitung singt er im Anschluss lang gezogen los: "Wasting your life... no future bright..." Auch ohne Setlist ist klar, was jetzt im Anmarsch ist: das krass ballernde "N.F.L.", mit dem sie ihren genialen, hintergr&uuml;ndigen Humor unter Beweis stellten, mit dem sie ihre musikalische Brachialit&auml;t gerne w&uuml;rzten. "Efilnikufesin!", rufen wir da doch freudig mit, das verstand damals schon keiner, in dem genannten Kollegstufenzimmer, dabei ist es doch so klar - "nice fuckin life!!" (Kenner denken an dieser Stelle an die Live-Aufzeichnung "Oidivnikufesin", und das l&ouml;se man jetzt selber auf). Humorig geht es weiter, als Joey dann einem durstigen Menschen nicht etwa ein Bier in den gereichten Becher f&uuml;llt, sondern doch tats&auml;chlich die Energy-Pl&ouml;rre ausschenken will - aber die Dose irgendwie streikt und von einem Helferlein hinter der B&uuml;hne ge&ouml;ffnet werden muss. Nach einer kleinen und unn&ouml;tigen Soloeinlage vom einzigen Nicht-Original-Mitglied Jonathan Donais liefert dann "A.D.I./Horror Of It All" die zweite nicht brillante Nummer des Albums, bevor dann mit Geheule und Kriegstrommeln das wunderbare "Indians" abgefeiert wird, als g&auml;be es kein Morgen - inklusive einem so massiven War Dance, dass einem fast schon Bange wird. Aber nur fast... Womit sich dann Scott wieder an uns wendet: "If you have paid attention, you know there is one song left. We wrote this one in 1986, when we had an actor as president and thought that was a little strange. Well, this seems quite harmless in comparison to what is happening today..." Damit verstehen wir also auch den Hintergrund zu "Imitation Of Life", das die Darbietung des Klassikers nun furios komplettiert. Wir stehen noch mit einigerma&szlig;en offenem Mund da - wir haben wir gerade Material erlebt, das 30 Jahre alt ist, von Herren, die auch keine Fr&uuml;hlingszwiebeln mehr sind - aber eine Frische und Spielfreude an den Tag legen, von der sich manche junge Kombo mehr als nur eine Brotscheibe entleihen k&ouml;nnte. Einmal preschen sie noch vor, nat&uuml;rlich macht der alte Scheunenst&uuml;rmer "Antisocial" den Abschluss, und das funktioniert wie stets (wie damals in Schweinfurt) als Mitsingfest ganz famos. Wir sind berauscht - sie k&ouml;nnen es also immer noch. Ach was, besser als jemals. Not-Man und Captain Thrash waren da, und sie haben abger&auml;umt. K&ouml;niglich. Wir sagen: drokk it.<br />
  49. </p>
  50. ]]></content></entry><entry>
  51. <title type="html"><![CDATA[ Arch Enemy, Lacuna Coil &amp; The Haunted]]></title>
  52. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-668.html" />
  53. <id>http://www.heavyhardes.de/live-668.html</id>
  54. <updated>2017-05-08T09:16:58+02:00</updated>
  55. <published>2017-05-08T09:16:58+02:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Alissa! Cristina! Und - &auml;hem, naja, der Marco war auch da. Wenn diese geballte Frauen-Power, unterst&uuml;tzt durch ein ordentliches Abriss-Kommando, zum farbenfrohen Freudenfeuer ins Backstage l&auml;dt, dann stehen wir nicht nur vor, sondern quasi auf der B&uuml;hne. Da grunzt die Maus keinen Faden ab.<br />
  56. "As The Stages Burn" - unter diesem Motto bereist das melodische Todesflaggschiff von <span class="strong">Arch Enemy</span> derzeit die Spielst&auml;tten der Welt, sicherlich auch, um die gleichnamige Live-DVD mit einem Mitschnitt aus Wacken zu promoten. Das soll uns recht sein - denn nicht nur laufen die Herrschaften unter der tatkr&auml;ftigen Mitwirkung ihrer Frontdame zu ungeahnter Popularit&auml;t auf, nein, im Tross f&auml;hrt auch noch Frau Scabbia mit: die durften wir zwar vor kurzem erst erleben, aber das ficht uns nicht an, da wir (ganz im Sinne eines uns&auml;glichen elektronischen Tanzliedchens der 80er) nat&uuml;rlich nicht genug bekommen k&ouml;nnen. </p>
  57. <p>Die Schlange vor dem Backstage ist folgerichtigerweise zu fr&uuml;her Stunde schon betr&auml;chtlich, was sicherlich auch daran liegt, dass heute Abend Werk, Halle und Club gleichzeitig Austragungsort verschiedener Ansetzungen sind. Wir orientieren uns sogleich ins ger&auml;umige Werk, wo anfangs noch gutes Durchkommen ist (was sich im weiteren Verlauf dann &auml;ndern wird). Kaum haben wir Zeit, uns kurz umzuschauen, unseren neuen Stammplatz vorne rechts zu beziehen und uns &uuml;ber die seltsame Pausenmusik zu am&uuml;sieren (Elektro-Pop? Hallo?), da springen sehr p&uuml;nktlich schon die alten Schweden von <span class="strong">The Haunted</span> hervor. </p>
  58. <p>Gewandet im typischen Thrash-Outfit der alten Schule (enge schwarze Hose, Turnschuhe), zimmert die Instrumentalfraktion mit Patrik Jensen und Ola Englund den thrashig-melodischen Elchtod ordentlich ins Rund. Vort&auml;nzer Marco Aro f&auml;llt mit kurzer Hose und ebenso kurzen/keinen Haaren etwas aus der Reihe, legt sich aber bei Nummern wie "Bury Your Dead" oder "Trespass" mit voller Kraft ins Zeug. "We are <span class="strong">The Haunted</span> from Sweden", informiert uns der Gute jetzt, "and we like to play hard rock". Nun, dieses Understatement lassen wir mal so stehen ("sch&ouml;ner Klangteppich", best&auml;tigt Innendekorateur Sebbes gerne), w&auml;hrend sich Herr Aro zunehmend volksnah gibt: er steigt direkt auf die Absperrung, lehnt sich in die Leute und begr&uuml;&szlig;t "the beautiful ladies, and also the ugly men". "Hollow Ground" und "Guilt Trip" rauschen vorbei, aber jetzt will der Chef es wissen: ob denn der Pit auch da sei, erkundigt er sich. Bislang hatte der anscheinend keine Zeit, aber jetzt schaut er dann doch vorbei. Ordentliches Kesselr&uuml;hren ist zum "Hate Song" angesagt, und Marco l&auml;sst es sich nicht nehmen, dabei auch direkt in der Menge mitzumischen. H&auml;ndesch&uuml;ttelnd verabschiedet man sich. Runde Sache, die Herren - Respekt!</p>
  59. <p>Jetzt tritt der Tod pers&ouml;nlich auf den Plan. Nicht direkt, sondern eher ein Mensch in Totenkopf-Kappe, der das Drumset f&uuml;r die nun folgende Attraktion aufbaut. Offenbar w&auml;hlen <span class="strong">Lacuna Coil</span> das gleiche Ambiente wie bei ihrem letzten Besuch in unserem (von anderen Leuten teilweise Strom genannten) Wohnzimmer: getreu dem nach wie vor aktuellen Album versetzt man uns nun f&uuml;r die n&auml;chsten 45 Minuten ins kollektive Delirium, inklusive Bemalung und Zwangsjacken-&Auml;sthetik. Von Anfang an &uuml;berzeugen die Italiener mit beherztem Stage-Acting und nutzen die Dimensionen der R&auml;umlichkeiten voll aus. Los geht die Sause mit "Ultima Ratio", zu dem Chefgrunzer Andrea Ferro schon mal ordentlich vorlegt, bevor dann Cristina herself ins Geschehen eingreift. In wei&szlig;e Psychiatrie-Beinkleider geh&uuml;llt und ordentlich mit (Kunst)Blut verschmiert, schwingt sich die Holde durchs Programm, das mit "Die And Rise" und dem folgenden "Trip The Darkness" weitere Highlights im &Auml;rmel hat, bei denen sie einmal schnurstracks auf mich zust&uuml;rmt und sogar in mich hinein rumpelt, bevor es weiter an die Absperrung geht. Ciao, bella, sagen wir da doch gerne..."Servus M&uuml;nchen!", werden wir jetzt begr&uuml;&szlig;t, und die Schlachtenbummler erw&auml;rmen sich zusehends f&uuml;r die Darbietung, zumal nicht wenige ihre Vorliebe f&uuml;r diese Kombo in Leibchen und sonstigen Memorabilia kundtun - aber auch die <span class="strong">Arch Enemy</span>-Fraktion goutiert das Material durchaus. Auf das neue Video verweist uns Cristina nun, "it doesn't matter if we know each other or not - ultimately we are all blood, tears and dust!" Das mag sein, wir bestaunen dabei einmal mehr die Schminkfertigkeit von Basser Marco Coti Zelati, der erneut wie aus dem Spawn-Universum entsprungen scheint, und konstatieren, dass der Skelett-Mann von vorhin wohl Schlagwerker Ryan Blake Folden h&ouml;chst selbst war. Die Verbindung von kraftvollem clean-Gesang und gutturalen T&ouml;nen harmoniert famos, Cristina sch&uuml;ttelt vehement die kurzen roten Haare, und "Ghost In The Mist" &uuml;berzeugt durch ruppige Ausritte und einen hervorragenden Refrain.<br />
  60. Jetzt legt Frau Scabbia ihre Jacke ab, zum Vorschein kommt das strumpfartige Oberteil, das wir kennen, und noch mehr (Kunst... wir hoffen es) Blut. Das Schlachtross "Heaven's A Lie" ger&auml;t zum astreinen Mitsing-Festival, "Our Truth" rollt tonnenschwer und heavy daher, bevor dann die bekannte Rede zu "Nothing Stands In Our Way" folgt: man solle niemals in Angst leben, man sei genau da, wo man immer sein wollte. Wir gratulieren und intonieren brav wie gefordert die Textzeile "we fear nothing!" lauthals mit. "Thank you for entering our sanitarium!", bedankt sich Frau Scabbia nun h&ouml;flich bei uns - wer hat an der Uhr gedreht? Das bleibt unklar, Fakt ist, dass das fulminante "House Of Shame" mit einem fast schon Kunstlied-artigen Zwiegesang den gothisch-d&uuml;steren Reigen beendet. Auch wenn das sch&ouml;ne "Dilirum" oder auch "Spellbound" nicht am Start waren - Cristina, keine Sorge: solange Du in dieser Form zu uns kommst, wird uns in der Tat nicht bange.   </p>
  61. <p>Die Pausenmusik schwenkt nun von eigent&uuml;mlich hin zu eher passend, und auf der eilig bereitgeklebten Setlist sehen wir, dass bei einigen St&uuml;cken wohl CO2 in irgendeiner Form zum Einsatz kommen wird. Wir sind gespannt, warten ein kleine Weile, w&auml;hrend die B&uuml;hne nun auf volle Gr&ouml;&szlig;e ausgerollt wird, bestaunen das beleuchtbare Schlagzeug mit "AE"-Logo - und dann geht es mit einem kleinen Intro im wahrsten Sinne des Wortes dahin. Nach den ersten paar Takten des Openers "Enemy Within" wissen wir dann ganz genau, was mit der Chemie-Anmerkung gemeint ist: massive Dampfexplosionen schie&szlig;en da Richtung Publikum, Michael Amott und Jeff Loomis postieren sich rechts und links, und ab geht die wilde Fahrt. K&ouml;rperliche Ma&szlig;regelung liegt uns &uuml;blicherweise ja fern, geschweige denn Freude an ihr, aber wenn uns die liebe Alissa, die nun ebenfalls hervorspringt, f&uuml;r die n&auml;chsten 90 Minuten &uuml;ber ihr zierliches Knie legt, dann lassen wir uns das mehr als gerne gefallen. L&auml;ngst hat sich das augenscheinlich harmlose Pers&ouml;nchen zum optischen Mittelpunkt des Schwedenkommandos gemausert, mit einer aggressiv-fordernden B&uuml;hnenpr&auml;senz, die wie selbstverst&auml;ndlich den Befehl an sich rei&szlig;t. Gekleidet in eine enge Gummihose, Netzoberteil und silberne Nieten-Pantoffeln keift, springt und dr&auml;ut sie, sch&uuml;ttelt ihre mittlerweile zum Markenzeichen avancierte blaue M&auml;hne und f&uuml;hrt beschwingt durchs Programm. Wie immer brillant ist die rasiermesserscharfe Pr&auml;zision, mit der das Duo Amott und Loomis die Walzwerk-Riffs ebenso herausfeuert wie die melodischen Elemente, die den ureigenen <span class="strong">Arch Enemy</span>-Sound genauso pr&auml;gen wie das fast schon be&auml;ngstigende Organ der Frau Gluz. Die Menge kennt kein Halten mehr, bildet einen beachtlichen Pit und reicht die Surfer am Flie&szlig;band nach vorne durch, die dann auch gerne mal auf die betr&auml;chtliche Anzahl Fotografen vor der Absperrung niedergehen. "Are you ready to have some fun?", fragt uns Alissa nun - es scheint so, meine Liebe, ein Blick in den Wurstkessel da unten gen&uuml;gt.<br />
  62. "Who remembers an older album called Wages Of Sin?" Offenbar jeder, denn das nun folgende "Ravenous" ger&auml;t vollends zur gepflegten Abrissbirne, das wieder von CO2 und Konfetti (!) begleitet wird. Was eine rasante Talfahrt, sehr verehrte Damen und Herren! Wir zeigen uns weiterhin beeindruckt vom schleifenbewehrten Schnalz-Beinkleid der Dame ("Ob die ihre Klamotten wohl bei H&amp;M kauft?", sinniert Haute Couture-Kenner Sebbo, der einem Surfer-Einschlag gerade so entgangen ist) und erfreuen uns am Groovemonster "Stolen Life", w&auml;hrend sich Alisa immer mehr geb&auml;rdet wie ein b&ouml;ser Elf aus irgendeinem verdrehten Zauberland. Die Surf-Einlagen werden einstweilen zur Dauererscheinung, was die beiden Security-Kollegen allerdings nicht verdrie&szlig;t - insgesamt an dieser Stelle ein Lob an diese beiden gut gelaunten und sehr entspannten Herren, die mit den herausgefischten Fliegern h&ouml;flich umgehen und teilweise sogar noch ein kleines Pl&auml;uschchen halten. Top! Man sei gerade im Studio, um das neue Album fertigzustellen, berichtet uns Alissa jetzt, und da sei es doch eine famose Idee, zwischenzeitlich auch mal wieder Live-Atmosph&auml;re zu schnuppern und die dann mitzunehmen - was man nun in Form von "You Will Know My Name" auch ordentlich tut. Alissa streift dabei eine wunderliche wei&szlig;e Kapuze &uuml;ber und wirkt wie eine bedrohliche Nonne aus einem Hammer-Horror-Film, aber auch das Publikum l&auml;sst sich nicht lumpen: zu "Taking Back My Soul" setzt es nun eine veritable Wall of Death, in der man auch j&uuml;ngere Herren mit betr&auml;chtlicher Leibesf&uuml;lle wirbeln sieht. Nach jedem Song verschwindet Alissa kurz hinter der B&uuml;hne - etwa, um drau&szlig;en schnell einen harmlosen Gesellen am Burger-Stand anzuschreien und mit veganen Botschaften zu &uuml;berziehen? - und springt alsbald wieder hervor. Mit "Under Black Flags We March" folgt nun auf dem Fu&szlig;e der aus meiner bescheidenen Sicht beste Moment des Abends - Walzwerk-Rhythmus, fast schon filigrane Melodiearbeit und eine Flagge schwingende Alissa zaubern die <span class="strong">Arch Enemy</span>-Zauberformel aufs Parkett. Gro&szlig;! "Now we will need a bigger pit!" Ok, manch einer forderte ja schon ein gr&ouml;&szlig;eres Boot, aber noch mehr Gerammel? K&ouml;nnen Sie haben, Frau Gluz: beim pfeilschnellen "As The Pages Burn" verwandelt sich das erste Drittel der Halle in ein Tollhaus, in dem Kleinholz gemacht w&uuml;rde, wenn denn Baumst&auml;mme verf&uuml;gbar w&auml;ren, w&auml;hrend die Melodiefraktion erneut brilliert. Meister Amott wirkt dabei entspannt, sch&uuml;ttelt sich die Riffs und L&auml;ufe galant zuverl&auml;ssig aus dem &Auml;rmel aufs Griffbrett seiner Signature Tyrant-Gitarre aus dem Hause Dean, standesgem&auml;&szlig; mit Zackenform und Blutschlieren, post bei den Melodieparts gerne am vorderen B&uuml;hnenrand mit seinem Kumpel Jeff. Die eigentlich doch so bitterb&ouml;se Schlumpfine Alissa hingegen gibt sich zwischen den Aggro-Attacken durchaus h&ouml;flich und erkennt sogar den einen oder anderen Schlachtenbummler: "Is your name Markus? See, I pay attention!" Kein Zweifel, wir sind hier alle aufmerksam, deshalb verwandeln wir beim Mid Tempo Stampfer "No Gods No Masters" die Halle alle gemeinsam in eine kollektive H&uuml;pfburg. Zu "Dead Bury Their Dead" packt Alissa dann derartig w&uuml;ste Grunzer aus, dass Waldl&auml;ufer Sebbo feststellt, das klinge ja schon fast wie das R&ouml;hren eines Elchs in der Brunftzeit (was sich auch famos in einem halbleeren Ma&szlig;krug nachstellen l&auml;sst). Nach "We Will Rise" und "Blood On Your Hand" macht man sich allerdings erst einmal auf nietenbesetzen Socken davon - kurze Pause, die dann mit dem h&ouml;chst melodischen Instrumental "Snowbound" unterbrochen wird, bei dem die Gitarristen nochmal ihre ganze Kunstfertigkeit auspacken. Aber nun werden die Sprechch&ouml;re dauern erh&ouml;rt: das tonnenschwere "Nemesis" rei&szlig;t die Zuh&ouml;rerschaft endg&uuml;ltig in den enthusiasmierten Orkus. Welch ein Orkan! Vehemenz, Brachialit&auml;t, und dabei immer h&ouml;chst anspruchsvoll und melodisch. Und die Haare, ja die waren sch&ouml;n farbig. Bis auf die von Marco, aber wir sehen es ihm nach: immerhin hat er diesbez&uuml;glich rein genetisch gar nichts mehr beizutragen.            </p>
  63. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.<br />
  64. </p>
  65. ]]></content></entry><entry>
  66. <title type="html"><![CDATA[ Sonata Arctica, Triosphere &amp; Striker]]></title>
  67. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-667.html" />
  68. <id>http://www.heavyhardes.de/live-667.html</id>
  69. <updated>2017-02-26T13:39:32+01:00</updated>
  70. <published>2017-02-26T13:39:32+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Juhu, ich geh mal wieder auf ein Konzert. Zeit iss worn! Dabei habe ich mir gleich ein &auml;u&szlig;erst dickes Paket ausgesucht mit gleich drei guten Bands.</p>
  71. <p><span class="strong">Striker</span> beginnen p&uuml;nktlich um 19:30 Uhr im halb gef&uuml;llten Backstage-Werk ihren Set. Die f&uuml;nf Kanadier geben optisch die 80er mit wallenden M&auml;hnen (wo ausreichend Haare vorhanden), engen Klamotten und einem Totenkopf-Aufkleber auf der Gitarre. Musikalisch k&ouml;nnen sie ihre Wurzeln in den 80ern ebenfalls nicht verleugnen. Der traditionell gehaltene Heavy Metal mit Speed-/Thrash-Anleihen wird frisch und abwechslungsreich dargeboten. Mir f&auml;llt dabei auf, dass die Instrumentalanteile um einiges mehr sind als gemeinhin &uuml;blich. Es gibt viele Gitarrensoli, gerne auch mal doppelt. Die musikalische Erfahrung von mittlerweile vier vollst&auml;ndigen Alben kommt hier gut r&uuml;ber. Der Sound ist ebenfalls prima, die mehrstimmigen Ch&ouml;re schallen klar aus den Boxen.<br />
  72. <span class="strong">Striker</span> &uuml;berzeugen mit absoluter Spielfreude. Es wird gepost, gegrinst und bis auf den Schlagzeuger (nona, wie die &Ouml;sterreicher sagen) sind alle Beteiligten gut auf der B&uuml;hne unterwegs. Sehr unterhaltsam die kleinen eingestreuten Choreografien wie gleichzeitig-die-Gitarren-nach-oben-und-wieder-runter-wippen und &auml;hnliches. Dabei wirkt nie etwas aufgesetzt, sondern es kommt absolut r&uuml;ber dass die F&uuml;nf da oben m&auml;chtig Spa&szlig; haben und alles daf&uuml;r tun dass auch die da unten m&auml;chtig Spa&szlig; haben k&ouml;nnen. S&auml;nger Dan Cleary gibt den Entertainer "When we are in Munich and have a day before take-off, we always go to a beer hall and we remember nothing after. The next song talks about that" - und schon erklingt "Too Late", in dem &uuml;brigens kein Wirtshaus erw&auml;hnt wird. Mit der Hymne "Fight For Your Life" vom Labeldeb&uuml;t Armed To The Teeth beenden <span class="strong">Striker</span> ihren Auftritt.<br />
  73. Das Publikum nimmt <span class="strong">Striker</span> gut an, die vordersten drei, vier Reihen stehen noch etwas locker, gehen aber die Dreiviertelstunde ganz gut mit. Im Feuilleton w&uuml;rde stehen: Freundlicher Applaus.</p>
  74. <p>Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause entern f&uuml;nf Minuten sp&auml;ter die Norweger <span class="strong">Triosphere</span> mit einem Intro von "My Fortress"(? bin mir nicht ganz sicher) die B&uuml;hne. Sofort f&auml;llt dem Unkundigen auf, dass hier eine Frau am Mikro steht - Ida, ein sehr schlankes, durchtrainiertes blondes Pers&ouml;nchen. &Uuml;berhaupt ist anzumerken, dass heute nur sch&ouml;ne Menschen auf der B&uuml;hne stehen. Egal bei welcher Band - wer die Arme textilfrei lie&szlig;, konnte sich das absolut leisten, da wackelte und schwabbelte nichts. Das Publikum war da leider nicht durchgehend so gut anzuschauen, aber lassen wir das. Ida ist insofern ein Unikat, als sie als Frontfrau singt und gleichzeitig den Bass bedient - eh schon eine seltene Kombination. Ihre raue Stimme passt gut zu dem eher melancholischen Atmospheric Metal, den Ida jetzt mit ihren drei Mitstreitern abliefert. Dabei ist vor allem die Gesangsleistung hervorzuheben. Die ist n&auml;mlich astrein - was ihr ziemlich schwer gefallen sein d&uuml;rfte, weil sie wohl recht erk&auml;ltet ist. <span class="strong">Triosphere</span> fahren nicht auf dem Gute-Laune-Zug wie <span class="strong">Striker</span>, sondern spielen progressiv angehauchten atmosph&auml;rischen Metal. Dieser wird sowohl von Idas leicht rauen Stimme als auch von filigraner Gitarrenarbeit gepr&auml;gt. Gut erkennbar z.B. am flotten "Steal Away The Light". Sehr intensiv dargeboten wird "Breathless", wo am Schluss das Publikum ganz gebannt dasteht und einen Moment braucht bis dann der Applaus einsetzt. Das folgende "As I Call" ist dann wieder etwas klassischer und kommt sehr kraftvoll r&uuml;ber. Nach dem fragilen "Relentless" schlie&szlig;en <span class="strong">Triosphere</span> mit "The Heart's Dominion" nach einer knappen Dreiviertelstunde einen memorablen Auftritt ab.</p>
  75. <p>Nun wird es Zeit f&uuml;r den Hauptact - die Finnen <span class="strong">Sonata Arctica</span>. Die W&auml;nde mit den <span class="strong">Triosphere</span>-Logos werden weggetragen, Kabel werden aufgerollt, <span class="strong">Striker</span>-Gitarrist Timothy Vega pfaut ein bisschen auf der B&uuml;hne herum und steht denen die abr&auml;umen im Weg, das gro&szlig;e Backdrop mit dem Motiv des aktuellen Albums The Ninth Hour wird heruntergelassen, das gro&szlig;e Schlagzeug im Hintergrund enth&uuml;llt. Dieses steht auf der linken Seite auf einem Podest, w&auml;hrend auf dem rechten Podest ein gro&szlig;es Keyboard aufgebaut wird. Vorne ein gro&szlig;er Mikrofonhalter mit schicken LEDs.<br />
  76. Auch das Werk selbst f&uuml;llt sich sichtlich, wenngleich auch vorne in den ersten Reihen einiges an Bewegungsfreiheit bleibt. Der Gro&szlig;teil der Besucher ist zwischen 20 und 30, also eher j&uuml;nger als die Band, au&szlig;erdem ist die Damendichte verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig hoch.</p>
  77. <p>Um 21:38 Uhr gehen die Lichter wieder aus und die ersten T&ouml;ne des Intros von "Closer To An Animal", dem ersten Song von The Ninth Hour, sind zu h&ouml;ren. Dieses Album ist ja etwas anders gelagert als noch der Vorg&auml;nger Pariah's Child, bei dem die Finnen vom absolut Progressiven wieder etwas zur&uuml;ck zu ihren Wurzeln gegangen sind. The Ninth Hour ist getragen von vielen epischen (Halb-)Balladen, die ganz schnellen Kracher der Anfangstage fehlen ganz. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist The Ninth Hour ein sehr intensives, emotionales Album geworden. Ich bin gespannt, welche Epen es heute auf die Setlist schaffen.<br />
  78. Die Band geht mit viel Applaus auf die B&uuml;hne. Die Saitenspieler sind in unauff&auml;lligem Schwarz gekleidet, Tony tr&auml;gt eine graue Flecktarn-Hose und ein &auml;rmelloses (erinnert ihr euch was ich vorher &uuml;ber sch&ouml;ne Menschen gesagt hab?) Oberteil ebenfalls in grau. Seine langen Haare sind ja schon l&auml;nger ab, jetzt ist auch der Bart wieder etwas reduziert.<br />
  79. Wie gesagt - es geht los mit "Closer To An Animal" und es zeigt sich, dass <span class="strong">Sonata Arctica</span> es mit der Pr&auml;sentation von The Ninth Hour ernst meinen. Viele Samples erg&auml;nzen die Live-Darbietung, es laufen Zwischenintros vom Band und verbinden die einzelnen Songs. Gleich am Anfang f&auml;llt jedoch negativ auf, dass jemand vergessen hat die Mikros anzuschalten. Sowohl Tonys Frontmikro als auch die Backgroundmikros sind viel zu leise, Tony ist kaum zu h&ouml;ren. Sehr schade. Als Zweites schlie&szlig;t sich wie auf dem Album nahtlos "Life" an und es zeigt sich, dass das Publikum zum Gro&szlig;teil durchaus vertraut mit dem neuen Material ist. Lalalaalalalalalalalalaaaaaa... Tony macht gar nicht viele Ansagen, sondern zelebriert seine Songs. Nach "The Wolves Die Young" von Pariah's Child ist die Choreographie f&uuml;r den heutigen Abend klar: Bis auf Tony verharren alle recht statisch auf ihren Pl&auml;tzen. Ab und zu tauschen Gitarrist Elias und Bassist Pasi (der seinen Kamm verloren hat und eine Frisur tr&auml;gt, die an eine explodierte Klob&uuml;rste erinnert) die Pl&auml;tze. Keyboarder Henrik bleibt auf seinem Podest und singt manchmal in sein Retro-Mikro. Leider h&ouml;rt man ihn dabei kaum. Tony ist der agilste und auf der ganzen B&uuml;hne unterwegs. Auch bei dem Klassiker "Black And White" zeigt sich, dass die Background-Mikros praktisch aus sind. Das bleibt leider das gesamte Konzert &uuml;ber so.<br />
  80. Vor "Tallulah" erz&auml;hlt uns Tony, dass das Leben voller Wunder steckt und wir uns M&uuml;he geben sollen, die sch&ouml;nen Augenblicke zu erkennen und zu genie&szlig;en. Bei dieser Liebes-Trennungs-Ballade leidet Tony quasi mit, er wirft sich voll in die Handlung des Songs. Das Publikum folgt ihm dabei gern und nimmt die Performance dankbar an. Beim folgenden "Fairytale" mit seiner w&uuml;tenden politischen Aussage wird der Gesang zum Gl&uuml;ck lauter. Ah, jemand hat beim sechsten Song endlich gemerkt dass da was fehlt! "Full Moon" passt meines Erachtens gar nicht so in dieses Set, muss aber wohl sein. Das Publikum geht dankbar mit. Run away, run away, run away! Versteht mich nicht falsch, ich mag das Lied sehr, aber ich muss es nicht jedes Mal live h&ouml;ren. Tony unterstreicht auch hier den Text durch Mimik und Gestik... "We're gonna make the love complete tonight" O la la! Dieser Kerl ist wirklich sexy as hell (entschuldigt mein Klatschianisch). Der Applaus nach diesem St&uuml;ck ist der bisher lauteste. Jetzt... oooh, das Intro... emporschie&szlig;ende Nebels&auml;ulen... "Among The Shooting Stars". Mein Lieblingslied von The Ninth Hour. Eine Liebes-erl&ouml;se-mich-mit-deiner-wahren-Liebe-von-meinem-Fluch-oder-du-musst-mich-umbringen-Ballade. Herzergreifend und absolut authentisch dargeboten. Ich schwebe. Mit einem gehauchten "Fuck You" am Ende verr&auml;t uns Tony dann, wie diese Erl&ouml;sung durch die wahre Liebe in der Praxis aussieht. A-ha! Danach verschwindet die Band erstmal von der B&uuml;hne und es ert&ouml;nt ein Zwischenspiel "...Of Silence" vom Band. Zu diesem Zeitpunkt finde ich das unn&ouml;tig und es nimmt auch einigen Schwung raus, wenngleich die Band zu "Abandoned, Pleased, Brainwashed, Exploited" enthusiatisch vom Publikum zur&uuml;ck begr&uuml;&szlig;t wird. Tony hat sein Shirt gewechselt und tr&auml;gt jetzt ein dunkles Rot. Nach diesem Ausflug in die Winterheart's Guild... Tats&auml;chlich. "We Are What We Are", die &Ouml;ko-Ballade. H&auml;tte ich nicht erwartet. Freut (nicht nur) mich aber au&szlig;erordentlich. Ich schwebe wieder. Was f&uuml;r ein emotionales, mitrei&szlig;endes, gro&szlig;artiges Set. Jetzt bleibt Elias auf der B&uuml;hne allein und bietet ein kurzes Gitarrensolo dar. Danach... nein! Doch! Oh! Vom Band erklingt die erste Strophe von "The Power Of One", dem elf-Minuten-Track von der Silence, bevor die Band einsteigt. Das habe ich live noch nie geh&ouml;rt. Einfach gro&szlig;artig. Tony hat bei seiner R&uuml;ckkehr auf die B&uuml;hne schon wieder ein anderes Shirt an, diesmal blau. Isses denn so hei&szlig; da oben? Mir jedenfalls schon. Um 22:45 Uhr verabschiedet sich die Band schon wieder. Wie, wir sind schon fast fertig?! Nach ein paar Minuten bekommen wir von Tony eine mehr oder minder flammende Rede, in der er sich bei allen G&auml;sten bedankt. Mit ihren Tickets machen sie diese Konzerte &uuml;berhaupt m&ouml;glich, sorgen daf&uuml;r dass sich die L&auml;den wie das Backstage halten k&ouml;nnen, dass es immer neue Scheiben und Tourneen geben kann. Diese Unterst&uuml;tzung macht es m&ouml;glich, dass es Live-Musik &uuml;berhaupt noch gibt und dass wir das auch unseren Kindern weiter geben k&ouml;nnen. Ein bisschen dick aufgetragen vielleicht, aber man merkt, dass es Tony ernst ist. Er bedankt sich nochmal und dann stimmt Henrik das gro&szlig;artige "I Have A Right" an. Zum Abschluss noch eine Liebeserkl&auml;rung von Tony ans Publikum "Ich liebe Dich!" und "Don't Say A Fucking Word" setzt einen fulminanten Schlusspunkt unter ein ungew&ouml;hnliches und mutiges Set. Tony kann sich gar nicht von der B&uuml;hne trennen, dirigiert das Publikum noch zu "We need some vodka" und luftknuddelt alle. Um kurz nach elf ist leider endg&uuml;ltig Schluss und wir werden alle in die kalte Nacht entlassen. Ein wundersch&ouml;ner Abend mit drei Bands, die jede auf ihre Art absolut gro&szlig;artig waren. Gerne wieder.<br />
  81. </p>
  82. ]]></content></entry><entry>
  83. <title type="html"><![CDATA[ Iced Earth, Ensiferum, Kataklysm &amp; Unearth]]></title>
  84. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-664.html" />
  85. <id>http://www.heavyhardes.de/live-664.html</id>
  86. <updated>2017-01-30T10:42:08+01:00</updated>
  87. <published>2017-01-30T10:42:08+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>In den seligen 80ern gab es f&uuml;r die wenigen Gl&uuml;cklichen, die Satellitenempfang hatten (den sich manch einer ja eigens wegen Boris Beckers Auftritten in diesen Kan&auml;len besorgte), eine h&uuml;bsche Spartensendung: denn da flimmerte ab 1987 im damals noch relevanten Kanal MTV h&ouml;chst erfolgreiche der Headbangers Ball &uuml;ber die Mattscheibe, wo zu nachtschlafender Zeit die harte Gangart mit Videos, Interviews und Specials zu ihrem fernsehmedialen Recht kam. Klug eigentlich, diesen auch heute noch klingenden Markennamen auch f&uuml;r eine Gastspielreise zu verwenden, die es in sich hatte - in Besetzung und Spa&szlig;faktor gleicherma&szlig;en.  </p>
  88. <p>Denn die offiziell so genannte MTV's Headbangers Ball Tournee, die im November und Dezember durchs insgesamt zw&ouml;lf Ansetzungen in Deutschland, &Ouml;sterreich und der Schweiz rollte, brachte ganz bewusst verschiedenste Stilrichtungen unter einen Hut, so wie das TV-Vorbild dies ebenso hielt. Von Metalcore &uuml;ber Death bis hin zu klassischem Stoff war f&uuml;r alle Schlachtenbummler etwas am Start, alte Haudegen und Newcomer baten in Eintracht zum Tanztee - und die Frage war eigentlich nur: wie passt das zusammen? Nehmen wir es vorweg: ganz famos!</p>
  89. <p>Nachdem die Chose schon am sp&auml;ten Nachmittag losdonnerte, geben wir f&uuml;r den Auftakt ab an Fr&uuml;hkorrespondent Ray, der von Anfang an vor Ort weilte: Den Einstieg in die musikalische Vielfalt des Abends erledigen die aus Boston stammenden <span class="strong">Unearth</span>. Zu diesem Zeitpunkt ist das Backstage-Werk zwar schon ordentlich gef&uuml;llt, zwischen den Reihen sind jedoch noch deutliche L&uuml;cken auszumachen. Ganz im Gegensatz zur B&uuml;hne, auf der bereits drei (!!!) Drumsets platziert sind, die somit den Bewegungsradius doch arg einschr&auml;nken. Der Metalcore der Jungs sorgt schon bald f&uuml;r reichlich gesch&uuml;tteltes Haupthaar und l&auml;uft gut rein. Etwas &uuml;bermotiviert davon, fordert S&auml;nger Trevor dann auch bald einen Circlepit, ein Aufruf, der jedoch konsequent ignoriert wird. Erst mit zunehmender Spieldauer kommt auch zumindest kurzzeitig etwas Bewegung vor der B&uuml;hne auf. Die Band liefert auf jeden Fall einen tighten Set ab und d&uuml;rfte sich somit auch den einen oder anderen zus&auml;tzlichen Fan erspielt haben.</p>
  90. <p>Das mit den lichten Reihen hat sich dann aber sp&auml;testens bei <span class="strong">Kataklysm</span> vollst&auml;ndig erledigt. Die melodischen Deather aus Kanada erweisen sich als echter Publikumsmagnet und sorgen daf&uuml;r, dass das weite Rund so prall gef&uuml;llt ist, dass man sich in einer Sardinenb&uuml;chse w&auml;hnt. Mit einer einfachen, aber effektiven B&uuml;hnenausstattung (drei Podeste vorne, eine kleine Lightshow im Hintergrund) m&auml;hen die Jungs um Shouter Maurizio Iacono mit m&auml;chtig dr&uuml;ckendem Sound und brachialer Urgewalt alles nieder. Nicht wenige der angereisten Sympathisanten (in erster Linie junge Leute, darunter diverse holde Damen) quittieren das Geschehen mit Circle Pits, was Maurizio mit "I like what happens in the middle here!" honoriert.<br />
  91. Songs wie "As I Slither" oder "Take The World By Storm" beweisen dabei, warum <span class="strong">Kataklysm</span> zu Recht neben Amon Amarth und Arch Enemy als Aush&auml;ngeschilder des komplexen, anspruchsvollen Death Metal z&auml;hlen: zu den aggressiven, charakteristischen Drum-Blastbeats gesellen sich epische, ausgefeilte Melodie-Parts, die sich weit &uuml;ber blo&szlig;e Gewaltattacken erheben und auch feinere Geister ansprechen. Herr Iacono schnappt sich nun zu "At The Edge Of The World" einen crowdsurfenden Fan, der auf der B&uuml;hne mitmischen darf, w&auml;hrend Innenausstatter Sebbes die Auslastung der Halle kommentiert: "Das Backstage ist zu klein!" Meister Maurizio berichtet uns nun gut gelaunt, warum er gerade im Dezember so gerne in Deutschland ist: "I discovered gluhwein! Please keep your traditions!" Zu  "Blood In Heaven" scheinen sich manche im Pit zur Demontage der Halle anzuschicken, und auch bei "Serpent's Tongue" geht der wilde Tanz munter weiter, bevor sich die Herren dann vor einer vollkommen aus dem H&auml;uschen geratenen Menge verabschieden. Bemerkenswert, welche Reaktionen eine Kombo so fr&uuml;h im Billing ausl&ouml;sen kann.</p>
  92. <p>So richtig leer wird es auch jetzt nicht, ein kleiner Publikumswechsel findet statt, aber die gro&szlig;e Rotation ist das nicht, die wir hier konstatieren - offenbar gibt es doch eine gewisse Schnittmenge zum jetzt anstehenden Weihnachtsfest der Volksmusik. Mit einem massiven Backdrop und einer gewaltigen Schie&szlig;bude r&uuml;cken die Finnen von <span class="strong">Ensiferum</span> an, und technische Probleme mit der Beleuchtung werden von einem launigen Herrn in Rentier-Pullover und Pudelm&uuml;tze fachm&auml;nnischen behoben (es ist ja auch so kalt in der Halle). Nach dem Intro "By The Dividing Stream", das direkt einem Conan-Film entsprungen scheint, st&uuml;rmt die bunte Horde auf die Bretter und legt mit "From Afar" gleich furios los. Der Viking-Death mit Folk-Einsprengseln z&uuml;ndet das Feuer unter dem Kochtopf sofort wieder an - mittlerweile auf der anderen Seite der B&uuml;hne angekommen, bestaunen wir die massiven Wellen, die durch die Schar der Kopfsch&uuml;ttler gehen. Frontmann Petri Lindroos kreischt und grunzt, dass eine Art hat, Bandgr&uuml;nder Markus Toivonen greift beherzt in die Saiten, und vor allem Basser Sami Hinkka macht in Rock (ja) und schweren Stiefeln eine formidable Figur. Durchg&auml;ngig in Kriegsbemalung legen sich die Herrschaften ordentlich ins Zeug, wobei die Mischung aus brachialer Pr&auml;zision und episch-hymnischen Momenten fasziniert. Wunderbar ins Klang- und Erscheinungsbild passt auch die schmucke Netta Skog, die seit diesem Jahr bei den w&uuml;sten Gesellen das Akkordeon schwingt und immer wieder zauberhafte Soundteppiche und folkige Melodiel&auml;ufe beitr&auml;gt. St&uuml;cke wie "Warrior Without A War" oder "In My Sword I Trust" sorgen f&uuml;r massive Mitsing- und Tanzattacken, die ebenholzfarbenbehaarte Tastenspielerin begeistert ein ums andere Mal, w&auml;hrend die Herren Lindroos und Toivonen flirrende Soli aufs Griffbrett werfen. Zu "Two Of Spades" erleben wir dann eine heftige Folk-Humppa-Attacke, zu der uns Sami den Bassteufel macht, der sich gewaschen hat. "Die haben alle total kaputte Schuhe an! Und viel zu gro&szlig;!", berichtet Orthop&auml;de Sebbes bei seiner R&uuml;ckkehr aus dem Fotograben, w&auml;hrend sich im Pit mittlerweile wieder tumulthafte Zust&auml;nde bieten. Zur wunderbaren Hymne "Twilight Tavern" wirft sich Herr Toivonen selbst ans Mikro und rezitiert finnische Zeilen, bevor dann eine atmosph&auml;rische Melodie durch Frau Skog einsetzt. Wie im Rausch rast das Set vor&uuml;ber, bis dann nach "Lai Hai Hai" endg&uuml;ltig Schicht im Schacht ist. Begeisterung allenthalben - wie das der Headliner noch toppen soll, scheint fraglich.</p>
  93. <p>Jetzt setzt dann allerdings doch ein sp&uuml;rbarer Wechsel im Publikum ein, der Altersschnitt steigt um gef&uuml;hlte 15 Jahre, klassische Kutten dominieren das Feld, und ein lustiger Mensch in Amerika-Jacke, Kopftuch und dunkler Sonnenbrille tritt das Erbe des uns ja bestens bekannten M&ouml;tley Cr&uuml;e an. Nach wie vor sehr ordentlich im Zeitplan (Fahrplanw&auml;chter Ray informiert uns, dass hier um 23 Uhr Schluss sein muss, da danach die &uuml;bliche Freak Out-Party l&auml;uft), entern jetzt die Veteranen von <span class="strong">Iced Earth</span> die Bretter. Besser gesagt eigentlich nur einer - denn neben Bandgr&uuml;nder und Cheffe Jon Schaffer ist von der Formation, die diverse Klassiker des US-Metal ablieferte, niemand mehr mit an Bord. Mit "The Great Heathen Army" steigen die Herrschaften gleich mit einem Song mit kommenden Album Incorruptible ein, das alle typischen <span class="strong">Iced Earth</span>-Trademarks aufweist: heftiges, messerscharfes Riffing, stampfende Rhythmen und epische Refrains.<br />
  94. Herr Schaffer selbst macht eine gute Figur, hat seine fr&uuml;her schon mal schlohwei&szlig;en Haare nebst Bart schwarz gef&auml;rbt, tr&auml;gt dazu Kopftuch und eine ebenso schwarze Lederweste mit <span class="strong">Iced Earth</span>-Patch und dr&auml;ut finster ins Publikum, wie man das gewohnt ist. Shouter Stu Block macht uns wie gewohnt eine junge Ausgabe von Matt Barlow, bringt die herausfordernden Gesangspassagen durchaus ordentlich und informiert uns jetzt, dass wir heute Abend eine "sold out crowd" seien - das war uns noch gar nicht aufgefallen. Im Pit geht nach kurzer Zeit das fr&ouml;hliche Gerammel (Wut? - Kara) weiter, und sogar einige Protagonisten aus dem <span class="strong">Kataklysm</span>-Fanlager beteiligen sich mit Schmackes. Nach dem m&auml;chtigen "Plagues Of Babylon" sorgt dann der Titeltrack vom Dystopia-Album f&uuml;r allgemeines Entz&uuml;cken, die Siegeshymne "V" wird frenetisch abgefeiert (inklusive dem Zeichen, f&uuml;r das doch eigentlich Winston Churchill das copyright haben sollte), bevor dann "My Own Savior" schnell und hart daherbrettert. In Sachen Stageacting hat sich Herr Block doch etliches beim guten Bruce Dickinson abgeschaut - er animiert die Menge gekonnt zum Mitmachen, was vor allem bei "The Hunter" (auch bekannt als "der Honda") besonders gut gelingt. Stu legt gro&szlig;en Wert darauf, dass er nur "smiling faces" sehen will - nun, da ist er hier ja genau richtig, denn das nun folgende "Boiling Point" zaubert mit Stampfrhythmus und charakteristischem Stakkato durchaus frohgemute Stimmung in die Bude.</p>
  95. <p>So ganz kann man sich zwar nie des Eindrucks erwehren, dass hier eine Kombo von Auftragsmusikern professionell ihren Dienst versieht, aber der Atmosph&auml;re tut das keinen gro&szlig;en Abbruch - auch wenn Chef im Ring Schaffer wie gewohnt auch heute keinen Ton zu uns sagt. Nach dem coolen "Pure Evil" setzt dann die Halbballade "Watching Over Me" H&ouml;he- und Schlusspunkt: diese Elegie auf Schaffers Jugendfreund Bill Blackmon brilliert wie stets und liefert nach meinem Daf&uuml;rhalten das beste Eiserden-St&uuml;ck des Abends. Schlag 23 Uhr ist tats&auml;chlich Schluss mit der Sause - manche Leute haben eben doch den &Uuml;berblick &uuml;ber M&uuml;nchens Party-Kalender. Wir verabschieden uns einstweilen und erlauben uns an dieser Stelle, eine schwermetallische, malt-begleitete und vor allem &auml;u&szlig;erst k&uuml;hle Weihnacht zu w&uuml;nschen!</p>
  96. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.</p>
  97. ]]></content></entry><entry>
  98. <title type="html"><![CDATA[ Black Sabbath &amp; Rival Sons]]></title>
  99. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-665.html" />
  100. <id>http://www.heavyhardes.de/live-665.html</id>
  101. <updated>2017-01-27T09:15:41+01:00</updated>
  102. <published>2017-01-27T09:15:41+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Legenden sollte man &uuml;blicherweise ja besser nicht treffen, zu oft vertragen sich dann Wunschbild und Realit&auml;t nicht. Aber r&uuml;hmliche Ausnahmen gibt es immer wieder, zumal sich an diesem kalten Januarabend eine wahrlich einmalige Chance bot. Niemand anders als die Erfinder des Heavy Metal gaben sich die Ehre. Ein letztes Mal. Und das ging nicht ohne uns. </p>
  103. <p>The End. Unter diesem vielsagenden Motto durchqueren John Osbourne, Tony Iommi und Geezer Butler (Original-Drummer Bill Ward mag oder kann nicht mehr, je nach Quelle, die man studiert) derzeit die B&uuml;hnen der Welt. Im Gegensatz zu vielen Kollegen darf man hier davon ausgehen, dass es dabei auch bleibt. Nach dem monumentalen, in dieser Form niemals mehr zu erwartenden Meisterst&uuml;ck "13", das sie auf einer umjubelten Gastspielreise auch bei uns live wunderhaftiglich darboten (<a href="http://www.heavyhardes.de/live-616.html">wir berichteten</a>), drehen die Herrschaften, die 1970 mit ihrem selbstbetitelten Debut im Handstreich ein ganzes Musikgenre schufen, noch eine Ehrenrunde, die mit zwei Ansetzungen in ihrer Heimat Birmingham am zweiten und vierten Februar ihren finalen Abschluss finden wird. Relativ &uuml;berraschend kam dabei auch eine letzte Station in Deutschland ins Spiel, und daf&uuml;r nehmen wir sogar die doch ein wenig weitere Anreise nach K&ouml;ln gerne auf uns.     </p>
  104. <p>Nachdem wir den Austragungsort (die Lanxess-Arena, die &uuml;blicherweise Eishockjai-Matches beherbergt und somit im engeren Wortsinne ein weites Rund bietet) im eisigen Wind einige Male umrundet haben und dennoch kein einziges Plakat zur heutigen Veranstaltung notieren k&ouml;nnen (daf&uuml;r aber jede Menge Reklame f&uuml;r kommende Auff&uuml;hrungen deutschen Schlager-Grausen und Vertreter der definitiv nicht lustigen Schenkelklopf-Fraktion sowie einen WDR-Tross, der selbstverst&auml;ndlich vollkommen spontan jubelnde Schlachtbummler filmt), betrachten wir am Merchandise-Stand die feilgebotenen Souvenirs: neben den obligatorischen Leibchen gibt es auch eine eigens f&uuml;r die Tour aufgelegte (wahlweise auch signierte) CD mit neun unver&ouml;ffentlichten Tracks, die den preislichen Rahmen dann doch etwas sprengt. So wandern wir denn also hinein, postieren uns direkt hinter der auch hier leider im Einsatz befindlichen Front Of Stage-Absperrung (die Unterteilung in erste und zweite Klasse mutet gerade bei dieser in fr&uuml;hen Tagen durchaus anarchischen Band nachgerade absurd an, aber von den "Golden VIP"-Paketen, die auch zu haben sind, wollen wir da gar nicht reden) und harren der Dinge, die da kommen werden.</p>
  105. <p>W&auml;hrend sich die R&auml;nge anfangs noch etwas m&uuml;hselig f&uuml;llen, entern eben diese Dinge um Punkt acht Uhr in Form der <span class="strong">Rival Sons</span> die zwar gro&szlig;e, aber spartanisch gestaltete B&uuml;hne. Die f&uuml;nf Kalifornier um Fronter Jay Buchanan zelebrieren einen erdigen Retro-Hard Rock, der durchaus zur kommenden Attraktion passt und somit durchaus goutiert wird. Ausger&uuml;stet mit Vintage-Arbeitsger&auml;ten (u.a. wummernde Hammond-Orgel und die obligatorischen Orange-Verst&auml;rker), Glitzerjacken und geflochtenem Rauschebart feuern die S&ouml;hne ihre St&uuml;cke wie "Secret" und "Electric Man" in die Menge. Neben einer durchaus beachtlichen Sangesleistung bedankt sich Herr Buchanan, der uns teilweise einen sehr jungen Joe Cocker macht, mehrfach beim Publikum und den Gastgebern - das wirkt doch durchaus sympathisch. Nach guten 40 Minuten setzt ein feines "Keep On Swinging" den Schlusspunkt unter eine mehr als nur ordentliche Leistung. Fein!</p>
  106. <p>Die Pause nutzen wir zum Rundblick und stellen fest, dass wir hier ein durchaus eigenes Klientel um uns haben: neben den zu erwartenden &auml;lteren Semestern finden sich auch zahlreiche Jungspunde, darunter nicht wenige Kuttentr&auml;ger, die ihre Joppen best&uuml;ckt haben wie 1985 - irgendwie haben es die Altmeister geschafft, auch die zu begeistern, die das Material doch bestenfalls aus Mutterns Plattenschrank kennen d&uuml;rften. Sei's drum, everybody's welcome - mit Ausnahme der drei Vollpfosten neben uns, die die konsumierten Getr&auml;nke offenbar nicht ganz vertragen und meinen, sich ein wenig daneben benehmen zu m&uuml;ssen. Aber nachdem der R&auml;delsf&uuml;hrer der drei sinnfreien Gestalten die Sache mit der Absperrung nicht ganz durchschaut (die ist nicht zum Dr&uuml;berkrabbeln gedacht), werden die nutzlosen Figuren von den eindrucksvollen Gentlemen, die offenbar alle auf den Namen "Steward" h&ouml;ren, entsorgt. Und das ist auch gut so. </p>
  107. <p>Als dann insgesamt sechs wagemutige Techniker das Beleuchtungsger&uuml;st erklimmen, bringen wir uns endg&uuml;ltig in Stellung. Licht aus, Filmleinwand an: da verfolgen wir ein animiertes Endzeit-Szenario, in dem der Leibhaftige ordentlich austeilt, bevor dann das unheilsdr&auml;uende Gewitter-Intro losl&auml;uft. Die Kirchenglocke bimmelt fahl und d&uuml;nn, dann setzt es einen Donnerschlag, und der Vorhang f&auml;llt zu dem Riff, mit dem 1970 das wahrhaft schwere Metall geboren wurde: das epochemachende, Band und Debut gleicherma&szlig;en betitelnde "<span class="strong">Black Sabbath</span>" bricht &uuml;ber uns herein. Der Sound ist von Anfang an blitzsauber, dr&uuml;ckend, von uns aus gesehen rechts auf der B&uuml;hne zelebriert Tony Iommi (wie stets im eleganten Frack und Sonnenbrille) den schleppenden, tonnenschweren Halbtonschritt, der auf seiner tiefer gestimmten Gitarre seinerzeit das Establishment verschreckte. Geezer Butler links von uns macht den gewohnt souver&auml;nen Eindruck mit seinem Bass, auf dessen Griffbrett deutlich die "13" zu lesen steht, und Schlagzeuger Tommy Clufetos f&uuml;hrt das vor, was wir auch schon auf der letzten Tour bestaunen durften: der Herr verdrischt die Felle bei jedem Takt, als ob es kein Morgen g&auml;be, entfaltet dadurch den immensen Druck, den Iommis Zentnerriffs brauchen, um richtig in die Magengrube zu fahren, und scheint auch optisch direkt den 70ern entsprungen. So, und nachdem die ersten Momente &uuml;ber uns hinweggefegt sind, kommt die bange Frage: kann er's? wei&szlig; er, wo er gerade ist? Einmal mehr zeigt der schlaksige Typ in der Mitte, der der breiteren Gesellschaft als der lustige Alte aus dem Fernsehen bekannt ist, warum er immer noch da oben steht: genauso glasklar wie der Rest des Sounds jammert der gute John seinen Text ins Mikro, auf den Punkt, verst&ouml;rend und sirenenhaft wie eh und je. Im Glitzerhemd macht er uns zwar nicht den Sprungteufel, aber er liefert eine astreine Leistung ab, die einfach zu dem Material geh&ouml;rt. "Hello, how you're doing?", begr&uuml;&szlig;t er uns wortreich, und ohne viel Federlesens geht es weiter mit "Fairies Wear Boots". </p>
  108. <p>Auch die St&uuml;cke, die auf Konserve f&uuml;r heutige Ohren etwas entlegen und ihrer Zeit entsprechend klingen, erstrahlen heute Abend modern wie eh und je. Auf der B&uuml;hne selbst verzichtet man auf jeden Schnickschnack, das Schlagzeug thront etwas erh&ouml;ht in der Mitte, w&auml;hrend das Geschehen von einer m&auml;chtigen Leinwand auch in den letzten Winkel der mittlerweile doch sehr gut gef&uuml;llten Arena (die Gazetten sprechen anschlie&szlig;end von 15.000 Besuchern) &uuml;bertragen wird. So sehen wir jede Grimasse von Ozzy, der im Watschelgang &uuml;ber die B&uuml;hne kraucht, uns mit lustigem Seniorklatschen unterh&auml;lt und immer wieder "Kuckuck" in die Menge ruft (wahrscheinlich hat Sharon einen Deal mit einem Uhrenhersteller aus dem Schwarzwald, der eine Ozzclock lizenziert) - bevor er sich dann wieder am Mikrost&auml;nder festh&auml;lt, die M&auml;hne sch&uuml;ttelt und seinen genialen Beitrag liefert. Mit "Under The Sun" geht es dann weiter im Text, nachdem Ozzy uns das etatm&auml;&szlig;ige "Are you having a good time? I can't fucking \x82ear ya!" um die Ohren gehauen hat. Auf den Gro&szlig;leinw&auml;nden l&auml;sst sich famos verfolgen, wie filigran Meister Iommi mit seinen wie immer durch Gummimanschetten gesch&uuml;tzten (weil verletzten) Fingerkuppen die Saiten bedient und wie melodisch Geezer Butler den Tieft&ouml;ner zupft. "After Forever" und "Into The Void" werden durch psychedelisch verfremdete Filmschnipsel begleitet, und das folgende "Snowblind" k&uuml;ndigt Ozzy wahrheitsgem&auml;&szlig; an: "This one is about cocaine. We don't do that shit anymore". </p>
  109. <p>Was sie immer noch tun ist diese Nummer herausragend darzubieten, mit einem atmosph&auml;rischen Solo, das die Meisterschaft des Saitenhexers Iommi illustriert. Ganz gro&szlig;! Mr Osbourne applaudiert sich wie ein asiatischer Politiker nach jedem St&uuml;ck selbst, watschelt weiter &uuml;ber die B&uuml;hne und stellt uns nun seine Mitstreiter vor, als ob das noch f&uuml;r irgendjemand der hier versammelten Anh&auml;nger erforderlich w&auml;re "It's time for War Pigs", stellt er nun fest, und diese Antikriegshymne mit ihrem anfangs vertrackten Rhythmus, der dann einer Dampfwalze Platz macht, ger&auml;t zu einem wahren Triumphzug, bei dem vor allem Geezer Butler f&uuml;r offene Kinnladen sorgt und die Meute frenetisch mitsingt. "Behind The Walls Of Sleep" kommt dann etwas verhaltener, aber nach einer kleinen Solo-Einlage von Herrn Butler lauert dann einer der H&ouml;hepunkte des Abends: das heavy schwingende "NIB" erzeugt G&auml;nsehaut allenthalben und entfaltet eine Magie, wie sie nur diese Meister der schwarzen K&uuml;nste zu erzeugen in der Lage sind. Das ist gro&szlig;, das setzt Ma&szlig;st&auml;be, darauf baut ihr verdienter Ruf auf. Genial. </p>
  110. <p>Nach "Hand Of Doom" verschwindet Ozzy mit einem lakonischen "we'll take a short break" von der B&uuml;hne, und nach einem kurzen Anrei&szlig;en des einzig heute fehlenden Juwels "Sabbath Bloody Sabbath" folgen ihm seine Altersgenossen, w&auml;hrend Drumtier Clufeto eine Soloeinlage abliefert. Die ist zwar ungemein kraftvoll und dynamisch (ein Wunder, dass die Schie&szlig;bude dabei in einem St&uuml;ck bleibt), aber dient doch deutlich sichtbar der Erholung der baldigen Ruhest&auml;ndler. Die sei ihnen auch geg&ouml;nnt, denn nun erscheinen sie wieder und donnern nach einem Drumintro eines der wohl bekanntesten Riffs aller Zeiten und Welten heraus: der "Iron Man" walzt alles nieder und beweist einmal mehr, warum dieser Klassiker zig Jahre sp&auml;ter die Untermalung zum unfassbaren Filmtrailer f&uuml;r den gleichnamigen Marvel-Helden abgab - und warum Robert Downey jr. einen massiven Berechtigungsschein f&uuml;r das filmischen Tragen des Sabbath-T-Shirts erworben haben muss. Nach dem eher psychedelischen "Dirty Women" setzt dann das finstere "Children Of The Grave" einen ersten Schlusspunkt - und die um uns versammelten j&uuml;ngeren Schlachtenbummler ticken dazu nach allen Regeln aus und veranstalten einen kleinen Moshpit. Zu einem Song, der mehr als 40 Jahre auf dem Buckel hat. Roggenroll. Dann bedanken sie sich artig, man verschwindet, aber aus dem Off ruft uns Ozzy zu: "If you want, we will play one more song!". Genau einen einzigen spielen sie dann auch noch, nat&uuml;rlich die Nummer, die ihr erster richtiger Hit war und der bis heute in unz&auml;hligen Mutationen &uuml;berlebt hat, obwohl er doch eigentlich recht simpel ist und aus der Not heraus noch schnell aufs Album kam: ein donnerndes "Paranoid" setzt (inklusive dem einzigen Textaussetzer, den sich Ozzy heute leistet und gleich selbst deutlich humorvoll quittiert) einen kr&ouml;nenden Abschluss unter die Live-Karriere von <span class="strong">Black Sabbath</span> auf deutschem Boden, die in den sp&auml;ten 60ern mit regelm&auml;&szlig;igen Auftritten im Hamburger Starclub (noch unter der Flagge "Earth") ihren Anfang nahm. "The End", so weht uns jetzt das Backdrop entgegen, vor dem sich Tony Iommi, Geezer Butler, John Osbourne und ihr Schlagwerker von uns verabschieden. Wir stehen noch ein bisschen da, schauen zu und schwelgen in der Erkenntnis: das war episch. Es war das Ende. Und wir waren dabei.</p>
  111. <p><span class="em">Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">K&uuml;hles Zeug</a>.</span></p>
  112. ]]></content></entry><entry>
  113. <title type="html"><![CDATA[ Delain, Evergrey &amp; Kobra And The Lotus]]></title>
  114. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-660.html" />
  115. <id>http://www.heavyhardes.de/live-660.html</id>
  116. <updated>2016-12-15T11:19:02+01:00</updated>
  117. <published>2016-12-15T11:19:02+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>&Uuml;blicherweise haben female fronted symphonic Metal bands und Dosenmilch ja nicht viel gemeinsam. Aber im Falle von <span class="strong">Delain</span> gilt das Motto, das jeder kennt, der seine formativen Jahre in den 70ern verbracht hat: Tr&ouml;pfchen f&uuml;r Tr&ouml;pfchen Qualit&auml;t (oder dr&ouml;ble for dr&ouml;ble qualidaid, wie das launig vorgetragen wurde), so warb man f&uuml;r Kondensmilch aus Holland. Das gilt neben der Herkunft aus den Niederlanden auch f&uuml;r diese Kombo: Album f&uuml;r Album, Tournee f&uuml;r Tournee haben sich <span class="strong">Delain</span> vom Geheimtipp als Within Temptation-Ableger hin zur festen Genregr&ouml;&szlig;e entwickelt. Somit war es schlichtweg alternativlos, die M&uuml;nchner Ansetzung der "Moonbathers"-Gastspielreise zu verfolgen - zumal illustre G&auml;ste im Tross mitreisten.</p>
  118. <p>Die sind schon ordentlich zu Werke, als wir das beachtliche gef&uuml;llte Rund (naja rund ist es nicht, ok) des Backstage-Werks betreten: <span class="strong">Kobra And The Lotus</span> aus Calgary, Canada, feuern da ihren sehr klassischen Heavy Metal unters Volk. Der Lotus gibt ziemlich Gas, aber den Blickfang gibt dabei nat&uuml;rlich Fronterin Kobra Page ab, die nicht nur mit ihrer klassisch geschulten Stimme gl&auml;nzt, sondern auch durch das golden glitzernde Barbarella-Oberteil, entsprechende Handschuhe und optional sogar eine entsprechend abgestimmte Kapit&auml;nsm&uuml;tze. Das setzt den Farbton f&uuml;r den Abend, aber auch musikalisch fahren die Nummer wie die aktuelle Single "Trigger Pulse" oder "50 Shades Of Evil" ordentlich ins Beinkleid. Irgendwie endet die Sause dann aber sehr unvermittelt, mehr als f&uuml;nf Songs gesteht man ihnen leider nicht zu - wir schauen ein wenig verdutzt, aber sei's drum. Ordentlich als Auftakt, "wie Doro, als die noch jung war!", rufen wir aus.</p>
  119. <p>Ganz hibbelig im Vorfeld waren ja einzelne Vertreter unserer Besuchergruppe darauf, endlich den guten Tom Englund mit seinen <span class="strong">Evergrey</span> wieder erleben zu d&uuml;rfen - immerhin schaffte man es schon einmal auf ein Foto mit dem Kollegen. Die Vorfreude war in der Tat keinesfalls &uuml;berzogen, denn Onkel Tom und seine Freunde zaubern in der Folge einen bet&ouml;renden, melodischen, atmosph&auml;rischen Klangteppich, dass es eine h&ouml;chst kultivierte Art hat. Dabei verbinden sich wie stets proggige Anfl&uuml;ge mit symphonischen Elementen und traditioneller Metal-Melodief&uuml;hrung zu einer ganz eigenen Melange, die wir allesamt herausragend finden. Gesanglich zweifelsohne auf der H&ouml;he serviert der Zeremonienmeister mit coolem Stageacting Nummern wie "The Fire" oder "Leave It Behind Us", bevor er uns dann beim aktuellen "In Orbit" selbst die Floor macht - denn Frau Jansen, aber das wissen wir doch l&auml;ngst, "is having a baby" und kann ihre Parts in dem Song daher nicht pers&ouml;nlich absolvieren. Einstweilen eilt ein verz&uuml;ckter Sebbo vom Fotografieren herbei, konstatiert (nach der &uuml;blichen "das ist nur rotes Licht, da kann man keine Bilder machen"-Rede, die wir nur noch zur Kenntnis nehmen) "das ist die meist verkannte geniale Band &uuml;berhaupt!" - was wir nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern vehement unterst&uuml;tzen m&uuml;ssen. Nach einem wunderbaren "Touch Of Blessing" vom Album "The Inner Circle" kredenzen sie uns dann noch "King Of Errors", was uns an die besten Queensryche-Momente erinnert, bevor Tom uns quasi schwebend entl&auml;sst. Wunderhaftig!    </p>
  120. <p>W&auml;hrend die Zuschauerzahl wie auch die Mann-/Fraust&auml;rke unserer Besuchertruppe stetig zunimmt, richtet man auf den Brettern nun alles f&uuml;r die Hauptattraktion des Abends her - als wir sie letztes Mal besuchten, gastierten <span class="strong">Delain</span> noch in der kleineren Halle nebenan, mittlerweile f&uuml;llen sie das Werk sowohl in Sachen B&uuml;hnenausstattung als auch Schlachtenbummler mehr als w&uuml;rdig aus. Nach einem kurzen Intro mit dem Instrumental "The Monarch" brettern die Herrschaften dann mit "Hands Of Flame" massiv los - der Opener vom aktuellen Album Moonbathers kracht mit voller orchestraler Wucht ins Kontor. Keyboarder und Bandgr&uuml;nder Martijn Westerholt pr&auml;sidiert wie stets im Hintergrund &uuml;ber das Geschehen, die Instrumentalfraktion mit dem grimmen Timo Somers und der mittlerweile fest engagierten zierlichen Merel Bechtold (goldene Jacke, gem&auml;&szlig; dem Leitmotiv) steht wie eine Eins - aber machen wir uns da mal gar nichts vor, alle Augen sind nat&uuml;rlich auf Charlotte Wessels gerichtet, die den leuchtenden Mikrost&auml;nder schwingt und uns durch eine gesanglich erneut herausragende Leistung verz&uuml;ckt. Es nutzt ja nichts, auch ihre holde Erscheinung mit roten Haarstr&auml;hnen, schwarzen Stiefeln und - Kleidungsmotto des Abends wird vollendet - g&uuml;ldenem Pailletten-Kleidchen tut der Sache nat&uuml;rlich keinen Abbruch. Die Grunzdienste, die auf Konserve der Arch Enemy-Frontrottweiler Alissa White-Gluz &uuml;bernimmt, versieht livehaftig Basser Otto Schimmelpenninck van der Oije (bei so einer Namenskolonne scheint Grunzen auch die einzige Chance) aus voller Brust - das r&ouml;hrt wunderbar und passt bestens. Weiter im Text sofort mit "Suckerpunch", das auf dem Appetith&auml;ppchen "Lunar Prelude" schon zu h&ouml;ren war und auch heute Abend massiv hereindr&uuml;ckt. Alle Protagonisten haben dabei sichtlich Spa&szlig; an der Sache, Merel fegt auf ihren flachen Schuhen durchs Geschehen, w&auml;hrend Charlotte ihre mittlerweile &uuml;berragende B&uuml;hnenpr&auml;senz voll ausspielt und die Menge m&uuml;helos zum massiven Mitsingen animiert (vier Ms! Wenn das kein ordentlicher Stabreim ist!). </p>
  121. <p>Jetzt begr&uuml;&szlig;t uns Charlotte h&ouml;flich in unserer Landessprache: "Es ist sch&ouml;n, dass Sie alle hier sind!" (was uns nat&uuml;rlich sofort an ihre Kollegin Sharon den Adel gemahnt, die ja auch immer h&ouml;chst zivilisiert fragt "W&uuml;rden Sie bitte mitsingen?" - so etwas h&ouml;rt man bei Slayer eher selten). Das folgende "Glory And The Scum" macht die Auftakt-Trilogie von Moonbathers dann komplett: mit Vehemenz kommt das daher, m&auml;chtig &uuml;berrollt uns der Sound, &uuml;ber dem Charlottes Stimme thront (und der rote Haarrotor wirkt auch Wunder - my dear mr singing club, das macht was her!). Zur&uuml;ck in die Bandhistorie geht es dann mit dem bezaubernden "Get The Devil Out Of Me" vom We Are The Others-Album von 2012, bevor dann beim neuen "Pendulum" Herr Schimmelpfennig wieder den brunftigen Hirsch geben darf, was er erneut famos erledigt. Der aus dem Fotograben zur&uuml;ckgeeilte haute couture-Spezialist Sebbo stellt atemlos fest "Alter, die hat ja nen Ausschnitt bis zum Bauchnabel", was uns nicht weiter verst&ouml;rt, denn jetzt marschiert die "Army Of Dolls" los und macht geh&ouml;rig Laune. Das wunderbare, etwas getragenere "The Hurricane" und "April Rain" setzen den Reigen fort, der mit dem leicht schr&auml;gen, aber immer wieder brillanten "Here Come The Vultures" einen weiteren H&ouml;hepunkt erklimmt. Auch wenn es etwas unfair wirkt, dass die doch nicht kleine Charlotte ihrer Kollegin Merel immer wieder mal die Hand auf den Kopf legt - das Zusammenspiel der Kombo wirkt in keinster Weise aufgesetzt, sondern authentisch enthusiasmiert, was wir ebenso zunehmend sind. Selbst heute gastweise anwesende Schlachtenbummler, die &uuml;blicherweise keine Genrefreunde sind, konstatieren gerne, dass das hier und heute erste Qualit&auml;t ist - kein Wunder bei Nummern wie dem schnellen "Fire With Fire" oder dem quer-melodischen "Danse Macabre". Mit einem allgemeinen H&uuml;pfalarm beim Klassiker "The Gathering" und dem folgenden "Pristine" ist dann leider aber schon das Motto von Paulchen Panther gefragt - ist f&uuml;r heute wirklich Schluss? Dankenswerterweise nicht, nach einer kurzen Pause geht es mit "Mother Machine" und dem stampfenden "Don't Let Go" weiter, zu dem sich Charlotte dann vollends auf den B&uuml;hnenboden legt. Voller Einsatz, notieren wir gerne. "We Are The Others" setzt dann einen w&uuml;rdigen Schlusspunkt unter eine fulminante Leistung, die wir dann im Club noch bei der dort stattfindenden weiteren Beschallung standesgem&auml;&szlig; feiern. Wobei wir sogar Tom Englund wieder treffen, der sich bereitwillig gerne nochmals mit uns ablichten l&auml;sst. Es geht eben nichts &uuml;ber Konstanten im Leben.   </p>
  122. <p>Der Bericht erscheint auch bei <a href="http://www.kuehleszeug.de">www.kuehleszeug.de</a>.<br />
  123. </p>
  124. ]]></content></entry><entry>
  125. <title type="html"><![CDATA[ Lordi, Shiraz Lane &amp; Silver Dust]]></title>
  126. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-661.html" />
  127. <id>http://www.heavyhardes.de/live-661.html</id>
  128. <updated>2016-12-14T11:13:03+01:00</updated>
  129. <published>2016-12-14T11:13:03+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Exakt zehn Jahre ist es her, da lehrte eine wahrhaft schauerlich anzusehende Truppe von Finnen der Schlagerwelt das F&uuml;rchten: <span class="strong">Lordi</span> entschieden 2006 den Grand Prix de Schangsong f&uuml;r sich und avancierten damit vom Geheimtipp zum Breitenph&auml;nomen. Beim Schlagerwettrennen haben die Herrschaften zwar nicht mehr teilgenommen - da sorgten sp&auml;ter andere Gewinner f&uuml;r den wahren Grusel, man denke nur an Frauen mit Bart - , aber ein Stelldichein der Monster verspricht immer ein effektreiches Vergn&uuml;gen, weshalb wir uns gerne aufmachen, wenn der rote Sandmann ins Backstage ruft.</p>
  130. <p>Dort gibt es zun&auml;chst etwas Verwirrung ob unserer Einlassberechtigung, aber ein freundlicher Kollege leistet Aufkl&auml;rungsarbeit, und so m&uuml;ssen wir nicht das drau&szlig;en auf Gro&szlig;leinwand laufende Pokalspiel verfolgen (h&auml;tten wir im Notfall auch gemacht), sondern betreten die Halle zu den Kl&auml;ngen von <span class="strong">Silver Dust</span>, die auf der beachtlich drapierten B&uuml;hne schon zu Werke sind. Die Schweizer um Fronter Lord Campbell kredenzen eine eigent&uuml;mliche Melange aus Gothic und Stoner Rock, w&auml;hrend Chefdesigner Sebbes feststellt, das Backdrop von Avantasia gehe wohl permanent auf Reisen, und f&uuml;r die Drums seien sogar seine pers&ouml;nlichen Initialen "SD" zum Einsatz gekommen. Bewaffnet mit durchaus aufw&auml;ndigen Leinw&auml;nden, die schaurige Filmchen einspielen, einer feschen Leuchtgitarre und vor allem dem gesamten Fundus aus Gro&szlig;mutters Kleidertruhe inklusive Hut und Kutschermantel feuern sich <span class="strong">Silver Dust</span> durchs Programm, brennen dabei ein beachtliches Feuerwerk an H&uuml;pfeinlagen, Soli und einer Mannschafts-Perkussions-Einlage ab (in your face, Stomp!) und ziehen die Menge mit ihren Nummern wie "My Heart Is My Savior" oder "So Let Me Know" zunehmend auf ihre Seite. Nach 30 Minuten ist Schluss, man trifft sich sp&auml;ter am Merchandise-Stand - alles im gr&uuml;nen Bereich.</p>
  131. <p>In der Umbaupause lassen wir den Blick schweifen, das Publikum besteht aus ungef&auml;hr 500 Schlachtenbummlern, die sich aus der Schnittmenge zwischen Dark Funeral (die spielen nebenan in der Halle) und Grand Prix zu rekrutieren scheint - und auch die holde Weiblichkeit ist in nicht geringer Zahl vertreten. Als wir uns dar&uuml;ber noch wundern, spazieren die n&auml;chsten Attraktionen auf die B&uuml;hne, die vielleicht auch f&uuml;r den Damenfaktor mit verantwortlich sind: <span class="strong">Shiraz Lane</span> sehen n&auml;mlich aus, als ob Glam-Gr&ouml;&szlig;en vom Schlage Poison und Skid Row mal schnell in eine Zeitmaschine geh&uuml;pft und sich in ihren jugendlichen Inkarnationen zu uns gesellt h&auml;tten. Die Finnen geben in engsten Hosen, zerrupfen T-Shirts, jeder Menge Halskettchen und langen M&auml;hnen den Original-LA-Sunset Strip-Look der sp&auml;ten 80er und weichen auch soundtechnisch kein Jota von dieser Blaupause ab. Die Plattensammlung ihrer Eltern haben die Jungs um Shouter Hannes Kett in jedem Falle intensiv studiert, ihr mehr als solider Feelgood-Sound kommt wie eine krachige Mischung aus Skid Row, Poison und den guten alten Gunners daher, was man live ja immer h&ouml;ren kann. In astreiner Vince Neil-Attit&uuml;de serviert Herr Kett Songs wie "Money Talks And Poor Man Walks", die Instrumentalfraktion Miki Kalske und Jani Laine zeigt sich an den Sportger&auml;ten versiert, und der Titeltrack des Albums "For Crying Out Loud" zeigt dann doch einiges an musikalischer Raffinesse, die &uuml;ber reinen Poser-Sound hinausgeht. Reife Leistung, die wir gerne goutieren, die Damenwelt ist ebenso entz&uuml;ckt, und die Kollegen von der Weinstra&szlig;e verzichten sogar auf das mittlerweile ja obligatorische Jetzt jubelt mal die ganze Menge-Selfie, das f&uuml;r die sozialen Netzwerke herhalten muss. Sind halt noch jung.</p>
  132. <p>Jetzt enth&uuml;llt man denn aber doch langsam aber sicher den B&uuml;hnenaufbau der Hauptdarsteller, was Chefdekorateur Sebbo mit "die haben aber viel Pappe aufgestellt!" bedenkt. In der Tat, irgendwie wirkt die Szenerie mit unheilsdr&auml;uenden Requisiten wie herabh&auml;ngenden B&auml;umen und Gittern, als ob Ed Wood gleich die Fortsetzung zu "Plan 9 From Outer Space" drehen wollte - aber genau diese wohligen Zitate aus B-Movies machen ja den <span class="strong">Lordi</span>-Spa&szlig; aus, der dann mit einem kompletten "God Of Thunder" aus der Kiss-Konserve seinen Anfang nimmt. Dann springt ein lustiges Wesen in Gummianzug daher, das uns informiert, bei den Masters Of The Universe w&auml;re es doch durchaus lustiger der Beast-Man zu sein und den He-Man zu &auml;rgern - und wir steigen ein in die Geisterbahn, die mit "Let's Go Slaughter He-Man" vom aktuellen Langeisen Monstereophonic erwartungsgem&auml;&szlig; ihren Auftakt nimmt. Die Besetzung ist dabei &uuml;ber die Jahre durchaus stabil geblieben: an der Gitarre macht uns Jussi Syd&auml;nmaa unter dem Decknamen Amen wie gehabt die wandelnde Mumie im Stile eines gewissen Imhotep, und den Bass zupft nach wie vor das Urviech Samer "Ox" el Nahhal, komplett mit Fellstiefeln bis unter die Ohren. Der Zeremonienmeister selbst stapft auch alsbald hervor: Mr. <span class="strong">Lordi</span> himself, im Einwohnermeldeamt im heimischen Rovaniemi  in Finnland besser bekannt als Tomi Putaansuu, stakst, dr&auml;ut und r&ouml;hrt wie eh und je. War der Sound bei den beiden Anheizern noch durchaus verbesserungsw&uuml;rdig, geht das jetzt schon eher in die richtige Richtung, wobei doch noch einiges in der dr&ouml;hnenden Lautst&auml;rke, die dann doch etwas &uuml;berdimensioniert wirkt, untergeht. Das Kabinett des Professor <span class="strong">Lordi</span> geht einstweilen mit "Babez For Breakfast" in die n&auml;chste Runde, das ist schmissig, sorgt f&uuml;r Laune und funktioniert in der typischen Machart (eing&auml;ngiges Riff, ordentlicher Refrain) live famos. War der Meister in vorigen Ansetzungen &ouml;fters etwas wortkarg, entpuppt er sich heute als gut aufgelegter Conferencier: klar sei es Mittwoch, aber das sei kein Problem - er hat bei unseren Chefs und Lehrern angerufen und uns allen frei gegeben. Sagt er zumindest. Das ist nat&uuml;rlich zuvorkommend, deshalb freuen wir uns umso mehr, dass mit "Hellbender Turbulence" ein St&uuml;ckchen vom Erstling Get Heavy zu Ehren kommt - das hat man 13 Jahre nicht dargeboten, weshalb sich der Chef gleich prophylaktisch entschuldigt: "we will try our best not to suck." Ist aber gar nicht n&ouml;tig, denn die Nummer l&auml;uft trefflich rein und unterstreicht, dass die fr&uuml;heren Ausritte inklusive der Grand Prix-Sause doch mehr z&uuml;ndende Ideen und schmissige St&uuml;cke im Gep&auml;ck hatten als neuere Einspielungen. </p>
  133. <p>Dar&uuml;ber - und auch &uuml;ber die Tatsache, dass Mr <span class="strong">Lordi</span> mehr begnadeter Entertainer als filigraner Vokalist ist - rettet man sich a la gro&szlig;em Vorbild Kiss allerdings mit spa&szlig;igen Show-Einlagen, bei der die immer gleiche Dame (wir nehmen an eine Tourmanagerin) in unterschiedlichen Rollen herhalten muss - als Krankenschwester, die von Ox zerfetzt wird, als Forscherin, die den Sarkophag von Amen &ouml;ffnet, und als Patientin auf einem OP-Tisch, die Herr <span class="strong">Lordi</span> selbst doch etwas ruppig behandelt. Das hat irgendwie etwas von Alice Cooper, als dann auch noch ein launiger Skelett-Tanz aufgef&uuml;hrt wird, der auch stop motion-Trickguru Ray Harryhausen gefallen h&auml;tte, und so bringen wir auch schw&auml;chere Darbietungen wie "Bite It Like A Bulldog" mit Anstand hinter uns. Auch songtechnisch auf der H&ouml;he ist man dann wieder bei der finsteren Ballade "Icon Of Dominance", die man auskunftsgem&auml;&szlig; auch ewig nicht im Programm hatte und als "Bacon Of Dominance" verballhornt wird. Er ist heute ja ein rechter Scherzkeks! Komplett im Wolfskost&uuml;m, das wir livehaftig schon 2006 bewundern konnten, feuert er uns jetzt die Hymne "Bringing Back The Balls To Rock" unters Volk, bevor wir dann mit der aktuellen Single "Hug You Hardcore" (angek&uuml;ndigt mit "if we offer you a hug, you should better answer no thank you") unsere liebe M&uuml;he haben. Vielleicht verstehen wir die Attraktion dieses Halbton-Riffs einfach nicht - "daf&uuml;r sind wir zu alt!", stellt Biologe Sebbes fest, als die Menge (vielleicht auch begeistert vom zugeh&ouml;rigen BDSM-Video) zu diesem Song komplett steilgeht. Das notieren wir dann eben, wir sind ja basisdemokratisch. </p>
  134. <p>Jetzt kommt mit einer Kombination aus "It Snows In Hell" und "Children Of The Night" quasi ein Balladenblock an den Start, der die Qualit&auml;t auch f&uuml;r die beiden &auml;lteren Herren wieder hochrei&szlig;t - wobei das Gr&ouml;nemeyer-Winkespiel doch bitte wirklich nicht sein muss. Das neue "Down With The Devil" geht durchaus kraftvoll in Ordnung, kann aber nat&uuml;rlich nicht an die abscheuliche M&uuml;tzengestalt heranreichen, die als "Blood Red Sandman" jetzt &uuml;ber uns herf&auml;llt. Klar einer ihrer besten Songs, und vom Meister in rot getr&auml;nkter Szenerie mit Sack und Konfetti bestens inszeniert. Nachdem wir &uuml;berdies festgestellt haben, dass Amen definitiv das beste Schuhwerk tr&auml;gt - und zwar orthop&auml;disch wertvolle F&uuml;&szlig;linge! -, pr&uuml;geln sie uns dann endg&uuml;ltig das Siegerlied der Schlagerwelt um die Ohren: "Hard Rock Halleluja" funktioniert immer noch wunderbar als Gassenhauer, wonach Herr <span class="strong">Lordi</span> treffend feststellt: "Now we have that one out of our system!" Dass seine etatm&auml;&szlig;ige Frage "do you want some more?" mit begeisterten "Oana geht no nai!"-Ch&ouml;ren beantwortet wird, verwirrt ihn sichtlich: "I have no clue what you are singing, but it seems you want more!", was wir dann in Form des doch eher unh&ouml;flichen "Sincerely With Love" erhalten. Dann aber geht's mit "Devil Is A Loser" nochmal massiv zur Sache, komplett mit ihrem fettesten Donner-Riff, bevor erst mal Ende im Friedhofs-Gel&auml;nde ist. Flugs kommen sie allerdings nochmals wieder und lassen "Who's Your Daddy" auf uns los, w&auml;hrend der Chef uns mit einer Trockeneisnebel-Kanone beschie&szlig;t. Das geht immer, vor allem, wenn das z&uuml;nftige "Would You Love A Monsterman" einen traditionellen, krachigen Schlusspunkt setzt. </p>
  135. <p>Unterm Strich halten wir daher gerne fest: eine runde Show-Leistung, die genug klassisches Material an Bord hatte, um die teilweise zu konstatierenden Schw&auml;chen auszugleichen - auch da eifert er also seinen gro&szlig;en Vorbildern Kiss in jeder Hinsicht nach. So, und jetzt gehen wir nach Hause, packen unsere He-Man-Figuren aus und schauen dabei wieder einmal zu, wie Boris Karloff uns den Imhotep vormacht.</p>
  136. <p>Der Bericht erscheint auch auf <a href="http://www.kuehlzeszeug.de">www.kuehlzeszeug.de</a><br />
  137. </p>
  138. ]]></content></entry><entry>
  139. <title type="html"><![CDATA[ Serious Black &amp; Hammerschmitt]]></title>
  140. <link href="http://www.heavyhardes.de/live-662.html" />
  141. <id>http://www.heavyhardes.de/live-662.html</id>
  142. <updated>2016-12-09T12:33:12+01:00</updated>
  143. <published>2016-12-09T12:33:12+01:00</published><content type="html"><![CDATA[ <p>Wenn eine All-Star-Kombo, bestehend aus gl&auml;nzenden Namen der teutonischen Metal-Szene, ruft, dann folgen wir nat&uuml;rlich allzu gerne. Dass wir dabei allerdings auch noch entz&uuml;ckte Weiblichkeit, Neubesetzungen und  zwischenmenschliche Differenzen erleben w&uuml;rden, das war selbst f&uuml;r uns alte Fahrensm&auml;nner &uuml;berraschend.</p>
  144. <p><span class="strong">Serious Black</span> - auf dem Papier klingt das wie ein who is who der deutschen Kraftmetall-Szenerie. Ex-Helloween-Saitenhexer Roland Grapow, der ehemalige Blind-Guardian-Fellverdrescher Thomen Stauch, das kann ja nur vielversprechend sein, und die zwei Alben der Herrschaften (As Daylight Breaks und Mirrorworld) wissen auch durchaus zu gefallen. So pilgern wir gerne zum Austragungsort, wo allerdings an diesem Abend auch ein launiger Country/Rock-Musiker auftritt und f&uuml;r einen lustigen Publikumskontrast sorgt. Sei's drum, wir entern die Halle und stellen fest, dass die hintere H&auml;lfte mit einem Tarnnetz abgedeckt ist, hinter dem sich sch&uuml;chterne Zuschauer offenkundig verstecken k&ouml;nnen. Wir tun dies nicht, sondern marschieren flugs in die erste Reihe, wo der Reigen denn auch Schlag Acht p&uuml;nktlich seinen Anfang nimmt.</p>
  145. <p>Die Lokalhelden von <span class="strong">Hammerschmitt</span> k&ouml;nnen sich dabei &uuml;ber eine durchaus gro&szlig;z&uuml;gige B&uuml;hnenpr&auml;senz inkl. Lightshow und Backdrop freuen und legen nach einem "God Gave Rock'n'Roll To You"-Intro mit "Still On Fire" und "Mean Streak" vergn&uuml;gt los. Die durchaus akzeptable Publikumsschar goutiert das famos, zumal die Hammerschmiede ihren kompletten Fanclub mitgebracht zu haben scheinen, der nicht zuletzt aus der mehr als ansehnlichen jungen Weiblichkeit zu bestehen scheint. Die ist zunehmend enthusiasmiert, w&auml;hrend die Herren um Fronter Ben, der uns in astreinen Manowar-Posen die F&auml;uste entgegenreckt, mit viel Spielfreude, Begeisterung und Brezn/Wei&szlig;wurst-Punisher-T-Shirt durch ihr Set aus traditionellem deutschen Metal ballern. Basser Armin, der jederzeit die Wetten-Dass?-Moderation &uuml;bernehmen k&ouml;nnte, erkl&auml;rt jetzt, die folgenden Sinbreed h&auml;tten den Schmieden f&uuml;r ihr Heimspiel zehn Minuten ihrer Spielzeit &uuml;berlassen, wodurch wir doch tats&auml;chlich in den Genuss zweier Extra-Songs kommen. Beim Cranberries-Cover "Zombie" geht's derartig zur Sache, dass Glam-Metal-Experte Sebbo orakelt: "Gleich fliegen die BHs hoch!" Wir haben unsere heute leider gerade nicht zur Hand, so dass wir nach 40 Minuten und der letzten Nummer "Metalheadz" konstatieren: musikalisch sicherlich nicht letzte Raffinesse, aber Energie, ansteckender Enthusiasmus und offenbar auch Sexappeal.</p>
  146. <p>Was auch in der Publikumszusammensetzung zu sp&uuml;ren ist, den als kurz danach Sinbreed die Bretter entern, sind die M&auml;dels irgendwie weitgehend verschwunden und h&auml;ngen offenbar am Merchandise-Stand mit Ben und seinen Kumpels ab, die sich danach locker ins Publikum mischen. Wir sind einstweilen auf die Power-Metal-Kombo aus Wiesbaden gespannt, die ja ebenso wie <span class="strong">Serious Black</span> aus Szenegr&ouml;&szlig;en besteht: Herbie Langhans (Seventh Avenue) am Mikro und Blind Guardian-Saitenbieger Marcus Siepen b&uuml;rgen f&uuml;r Qualit&auml;t, so m&ouml;chte man meinen. Allerdings ist Siepen seit 2015 aus Termingr&uuml;nden nicht mehr an Bord, und nachdem Shouter Herbie zeitgleich mit Avantasia unterwegs ist, muss Bandgr&uuml;nder Flo Laurin seinen Tross heute mit einem Gastvokalisten an den Start schicken. Der h&ouml;rt auf den Namen Nick Holleman und macht seine Sache ganz formidabel: Sinbreed brettern ihren High Speed Power Metal forsch unters Volk, die Instrumentalfraktion macht dabei optisch einen auf Wickie und die starken M&auml;nner, w&auml;hrend Gesangslehrer Sebbo hinsichtlich Herrn Holleman treffend feststellt: "Das ist doch der Sohn von Kai Hansen!" Mit spa&szlig;igem Deutsch ("vielen Dankesch&ouml;n", "Wei&szlig;enwurst") und vor allem einem kr&auml;ftigen Organ turnt der drahtige Kai jr. durchs Set, das mit "Call To Arms", "Moonlit Night" und "When Worlds Collide" blitzsaubere Beispiele f&uuml;r teutonischen Kraftmetall am Start hat. "Das gef&auml;llt dem Sebbes gut!", stellt selbiger begeistert fest, w&auml;hrend hinter uns ein Kollege mit beachtlichem Haarschopf den Dauerrotor einschaltet. Der Titeltrack vom aktuellen Langeisen "Master Creator" l&auml;uft ebenso gut rein wie "On The Run" und das abschlie&szlig;ende "Newborn Tomorrow". Reife Leistung, meine Herren. </p>
  147. <p><span class="strong">Serious Black</span> haben ihre Backdrops offenbar von Avantasia geliehen, aber das macht ja nichts, denn die Fantasy-Welt passt bestens zu den schnellen Riffs und Keyboard-Attacken, zu denen die Hauptakteure mit "Older And Wiser" und "Castor Skies" in den Reigen bunter Melodien einsteigen. Das Ganze klingt dabei anfangs seltsamerweise gar nicht tight und schmissig - wir wundern uns doch ein wenig. Neben Shouter Urban Breed und Gitarrero Dominik Sebastian suchen wir allerdings vergeblich nach Herrn Grapow - der l&auml;sst sich bei Live-Ansetzungen n&auml;mlich vom Firewind-Virtuosen Bob Katsionis vertreten, der seine Sache ebenso &uuml;berzeugend erledigt wie Gastshouter Nick bei Sinbreed (wobei doch eigentlich folgerichtiger w&auml;re, dass Herr Urban bei Sinbreed singt - schon allein wegen des Namens? Nur ein Vorschlag). Weiter im Text geht's dann mit "Heartbroken Soul" und "I Seek No Other Life", wobei auch Keyboarder Jan Vacik zeitweise die Sangesdienste &uuml;bernimmt und einen &uuml;berzeugenden Ville Vallo gibt. Zwischen Basser Mario Lochert (immerhin Mitbegr&uuml;nder der Kombo) und Herrn Urban scheint es allerdings etwas zu haken heute - entweder hat sich jemand &uuml;ber die Hose des S&auml;ngers mokiert (b&ouml;se Zungen w&uuml;rden behaupten, die sei aus Plastikfolie), er ist mit der Zentralbankpolitik nicht einverstanden oder fordert eine gesamteurop&auml;ische L&ouml;sung f&uuml;r diverse Themen: "If it looks like I am pissed, I am!", stellt der Schwede fest, der zu Deutsch auf irgendetwas stinkesauer ist. Nach einer Phase der Herumkasperei mit Ausdruckstanz und Veralberung des armen Griechen (der kann doch auch nichts f&uuml;r die Schuldenkrise, Urban!) hellt sich die Stimmung aber zusehends auf, und mitgerissen von den durchaus begeisterten Publikumsreaktionen zieht sich Herr Urban am eigenen Mohikaner-Schopf zusehends aus dem Stimmungstief. Siehe da, auf einmal klingt die Chose wie eine andere Kombo: "Mirrorworld", "Trail Of Murder" und "This Machine Is Broken" ("der sagt, die Waschmaschine ist kaputt!", analysiert der Leiter des Kundendienstes Sebbes) knallen (komplett mit eingestreutem "Heaven And Hell"-Riff) endlich so ordentlich ins Kontor, wie wir das erwartet hatten. Auch die holde Weiblichkeit scheint wieder am Rande des Wahnsinns, eine Holde sucht ein verlorenes Plektrum vehement in der Kleidung meines Mitstreiters, und eine mit Verlaub doch etwas &auml;ltere Dame marschiert ganz nach vorne, macht mit wie beim Tanztee und erfreut sich daran, Herrn Lochert permanent an der Hose zu ziehen. Unfassbar! </p>
  148. <p>"Das Lied m&ouml;gen wir &uuml;brigens", informiert mich mein Kollege zu "The Life That You Want" - Recht hat er, jetzt zieht die Angelegenheit die Wurst vom Brot. So muss das sein! Nach "As Long As I'm Alive", zu dem die Herrschaften Breed und Lochert ganz explizit wieder ein Herz und eine Seele sind, ist erst einmal Schluss. Wir sind kurz erstaunt, wie stark die Qualit&auml;t im Laufe des Sets agezogen hat, und verzeichnen die (von der mittlerweile v&ouml;llig derangierten Seniorin in Reihe eins vehement geforderte) Zugabe "Akhenaton" als wunderbare Dreingabe im Kamelot-Stil. In die Kerbe schl&auml;gt schlie&szlig;lich auch noch "High And Low", nach dem sich die Herrschaften endg&uuml;ltig verabschieden. Welch eine Achterbahnfahrt - emotionales und musikalisches Wellenreiten war geboten, und tanzende &Ouml;strogene obendrein. Die Wucht in T&uuml;ten, und das an einem Mittwoch...<br />
  149. </p>
  150. ]]></content></entry></feed>

If you would like to create a banner that links to this page (i.e. this validation result), do the following:

  1. Download the "valid Atom 1.0" banner.

  2. Upload the image to your own server. (This step is important. Please do not link directly to the image on this server.)

  3. Add this HTML to your page (change the image src attribute if necessary):

If you would like to create a text link instead, here is the URL you can use:

http://www.feedvalidator.org/check.cgi?url=http%3A//www.heavyhardes.de/feeds/atom/heavyhardes_live_atom.xml

Copyright © 2002-9 Sam Ruby, Mark Pilgrim, Joseph Walton, and Phil Ringnalda